Das Aus für Schiefergas

In Frankreich ist die umstrittene Förderung von Schiefergas nach den Absagen für Total und Schuepbach kaum mehr möglich - ein Etappensieg für Umweltaktivisten

Schiefergas ist seit Monaten ein Reizthema in Frankreich. Während Fukushima und kleinere Unfälle in eigenen Atomkraftanlagen wie zuletzt in Tricastin kaum eine Franzosen aus der Reserve locken, bringt die Schiefergasförderung viele "citoyen" der "grande nation" auf die Palme. Auch Umweltverbände und Bürgerinitiativen mobilisieren seit Anfang des Jahres gegen die umstrittene Förderung und haben trotz der industriefreundlichen Regierung nun einen ersten Erfolg eingefahren.

Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet gab bekannt, dass drei Anträge auf neue Förderplätze für Schiefergas nicht genehmigt werden. Die Verlierer sind der Ölriese Total und der amerikanische Konzern Schuepbach.

Die Ministerin konnte auch kaum anders entscheiden. Am 30. Juni hatte das französische Parlament das die Fördertechnik "hydraulic fracturing" verboten. Ohne das ist eine unkonventionelle Erdgasförderung kaum möglich. Schiefergas befindet sich tieferen Gesteinslagen. Diese müssen mit Hilfe von künstlichen Druck aufgesprengt werden. Dazu wird Wasser mit Sand und Chemikalien versetzt und in das Gestein gepresst.

Umweltaktivisten warnen vor einer Verunreinigung des Untergrunds und des Grundwassers durch die in die Tiefe gepressten "Fracfluide", unter denen sich krebserregende Stoffe befinden. Die dramatischen Folgen von unkontrollierten Bohrungen mit Hilfe der Fracking-Technik zeigt der Film Gasland. Vor allem in den USA und Kanada wurden in den letzten Jahren tausende Bohrungen vorgenommen, die teils verheerende Auswirkungen auf das Leben der Anwohner hatten. Filmemacher Josh Fox erreichte mit seiner investigativen Dokumentation weltweit Millionen Menschen. Seit der Premiere des Films wächst auch in Europa der Widerstand.

Bild aus dem Film Gasland

Im deutschen Bundestag hatte ein im Sommer gestellter Antrag der Grünen und der SPD auf ein Verbot der umstrittenen Fördertechnik jedoch kaum eine Chance. Frankreich ist nun das erste Land in Europa, das den Abbau von Schiefergas mit "hydraulic fracturing" verbietet. Obwohl den Unternehmen Zeit gegeben wurde, nach anderen Fördermethoden zu suchen, konnten diese letztendlich keine Alternativen vorweisen. Deshalb wurden die drei Genehmigungen letztendlich nicht erteilt.

Das Einlenken von Sarkozy in Sachen Schiefergas ist jedoch vor allem mit der anstehenden Präsidentenwahl im Frühjahr 2012 als mit ökologischen Bedenken zu erklären. Seit Monaten wächst der Widerstand gegen die Förderung. Regionale Initiativen mit Unterstützung der Grünen und der Sozialisten sowie Umweltguru José Bové hatten mit Protesten Druck auf die Regierung ausgeübt und ein erstaunliches Medienecho erhalten. Trotz der Etappensiege ist der Kampf der Umweltschützer aber längst noch nicht gewonnen.

Bürgerinitiativen wie collective 07: Stopp gaz de schiste aus dem Departement Ardèche vermuten sogar, die Anträge von Total und Schuepbach seien aus taktischen Gründen zurück gewiesen worden. "Sieg und Falle!" - mit diesen Worten "freuen" sich die Umweltaktivisten über ihren ersten Erfolg. Sie vermuten, dass die Regierung mit diesem Zugeständnis der massiven Mobilisierung gegen Schiefergas und die Förderunternehmen den Schwung nehmen will.

Forderungen nach einem generellen Verbot

François Veillerette, Sprecherin der Umweltorganisation Générations Futures befürchtet, dass die Betreiber ihre Eingriffe in den Untergrund beschönigen könnten, um nach einigen ökologischen Korrekturen trotzdem weiter zu bohren. Problematisch sei, dass es keine klare Definition für das Fracking gebe. So könnten die Unternehmen, die bereits eine Genehmigung besitzen, versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen. Deshalb fordern Generations Futures zusammen mit anderen Umweltverbänden ein generelles Verbot der Förderung von Schiefergas.

Unberechtigt ist diese Befürchtung der Fracking-Gegener nicht. Gezwungenermaßen suchen die Firmen nun nach Alternativen zum herkömmlichen Chemie-Fracking. Im Gespräch sind elektrisches Fracking, "grünes" Fracking oder gar Fracking mit Hilfe von Flüssiggas. Bisher sind diese Technologien aber noch nicht ausgereift oder zu teuer - jedenfalls stellen sie derzeit auch für Total und Schuepbach keine Alternative dar.

Das Umweltministerium hingegen beruhigt, man führe verstärkte Kontrollen durch. Die verbleibenden 61 bereits laufenden Bohrungen, darunter auch nach Erdöl und konventionellem Erdgas, werden derzeit auf das neue Gesetz hin überprüft. Heute, am 13. Oktober, sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden, kündigte die Tageszeitung Le Figaro an.

Grüne und Sozialisten (Parti Socialiste) reicht das nicht aus. Sie fordern in einem Antrag ein generelles Verbot der Förderung - egal, welche Technik verwendet werde. Die Grünen wollen sogar alle 61 derzeit in Frankreich geltenden Genehmigungen für Bohrungen im Untergrund aufzuheben. Seit dem Fracking-Verbot Ende Juni kritisieren sie, dass die Gefahr bestünde, die Förderunternehmen könnten den neuen Gesetzestext geschickt umgehen. (Susanne Götze)