Das Internet ist wie ein Parkhaus mit zwei Schranken…

… und in Zukunft wird nur mehr eine oben sein. Bei der anderen müsse man bald eine Münze einwerfen, kündigt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger an

Dank Wirtschaftskrise und der Abwanderung von Lesern zu kostenlosen Angeboten im Netz sehen sich die Zeitschriftenverlage vor einer großen Herausforderung. Dementsprechend waren die Zahlen, die der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gestern auf seiner Jahrespressekonferenz vorlegte, vor allem von negativen Vorzeichen geprägt: Um 15,9 Prozent sind die Umsätze der Verlage im Anzeigen- und Beilagengeschäft zurückgegangen, die Gesamtauflage der Zeitungen sank um 2,7 Prozent.

Dass die Umsätze insgesamt nur um sieben Prozent zurückgegangen sind, verdankt die Branche vor allem dem gestiegenen Umsatz aus dem Vertrieb: Trotz sinkender Auflagen konnte der Umsatz in diesem Bereich um 2,3 Prozent gesteigert werden.

Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des BDZV. Bild. S. Duwe

Der Hauptgeschäftsführer des BDZV, Dietmar Wolff, erklärte angesichts der Tatsache, dass insbesondere im Onlinebereich die Werbeerlöse einbrächen, dass sowohl Werbe- als auch Vertriebserlöse in den Onlinebereich herübergebracht werden müssten. Eine Möglichkeit dafür sieht der BDZV – natürlich – in Apples iPad, das einen derartigen Medienhype auslöste, dass selbst Medien, die sonst Wert auf ein seriöses Erscheinungsbild legen nicht davor zurückschreckten, mit einem Minutenprotokoll der iPad-Vorstellung dem Gadget mehr Beachtung zu schenken, als der journalistischen Distanz gut tut.

Auch der Leiter des Bereichs Kommunikation und Multimedia, Hans-Joachim Fuhrmann, stimmt eine Lobeshymne an. Das iPad sei das erste Gerät, auf dem Zeitung Spaß macht. Er gibt sich überzeugt, dass es möglich sei, klassische Geschäftsmodelle wie Abo, Einmalverkauf und Werbung auf dem iPad zu ermöglichen. "Apple hat ein wunderbares Gerät, Apple hat ein wunderbares System mit iTunes, aber Apple ist für uns nicht das Zukunftsmodell", schränkt Fuhrmann das Lob schließlich doch noch ein. Dass Apple ein geschlossenes System sei, die Beziehung zu den Kunden und die Hoheit über die Inhalte habe, das "ist nicht unser Modell". Zugleich erinnert er daran, dass Apple in der Vergangenheit nicht nur die Bild, sondern auch den Stern zensiert hatte.

Hans-Joachim Fuhrmann. Bild: S. Duwe

Die Verlage würden deshalb neben Apple in Zukunft auch noch mit anderen Plattformbetreibern kooperieren, ein entsprechendes System sei unter anderem bei der Bertelsmann AG bereits in Planung. Wichtig sei, dass die Inhalte ohne technische Hürden auf allen Plattformen laufen und die Hoheit über Inhalte und Anzeigengeschäft den Verlagen erhalten bleibt.

Den Ausbau des Paid Content flankiert der BDZV mit einer eigenen Studie. Diese werde in den nächsten Wochen erscheinen und nachweisen, dass die Bereitschaft, für gute Inhalte zu zahlen, höher ist, als alle denken – einschließlich der Verlage selbst, kündigte Fuhrmann an – es klingt ein wenig wie bestellter Optimismus. Dass die Qualität des Journalismus derzeit gut genug sei, um auch zahlende Kundschaft zu locken, davon ist Fuhrmann auf Nachfrage überzeugt:

Die Zeitungen waren noch nie so gut wie heute. Mal im Ernst, in Berlin kriegen Sie doch richtig gute Zeitungen, aber das ist jetzt nicht der Platz darüber zu diskutieren.

Hans-Joachim Fuhrmann

Ein wichtiger Baustein ist laut Wolff auch die Einführung des umstrittenen Leistungsschutzrechts für die Presseverlage. Wenn digitale Inhalte der Zeitungen gewerblich genutzt würden, müsse die Zustimmung der Verlage eingeholt und eine Gegenleistung erbracht werden. Der private Bereich solle allerdings nicht in Gefahr gebracht werden, das Zitatrecht weiterhin gültig bleiben und Links nicht erfasst werden. Auch eine Beteiligung der Urheber werde laut Wolff angestrebt, es gebe derzeit Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Wolff rechnet mit einem Referentenentwurf zum Leistungsschutzrecht bereits nach der Sommerpause.

Einen Strich durch die geplante Ausweitung der gebührenpflichtigen Angebote, dessen Anteil am Gesamtumsatz laut Fuhrmann auf 50 Prozent steigen soll, könnte den Verlegern ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk machen. Die Zukunft der Zeitungen im Onlinebereich hänge von ihm ab, erklärte Wolff. Derzeit sei das Internet wie ein Parkhaus mit zwei Schranken, die beide geöffnet sind. Morgen solle es jedoch anders aussehen, da werde eine Schranke oben sein, bei der anderen hingegen müsse man eine Münze einwerfen. Die Inhalte dahinter seien aber gleich.

Wolff sieht das zukünftige Geschäftsmodell der Verlage dadurch in Gefahr, denn hinter unterschiedlichen Schranken müssten auch unterschiedliche Inhalte stecken. Die Nachrichten auf den Seiten der öffentlich-rechtlichen Sender seien "zu stark vertextet" und zudem häufig nicht sendebezogen, moniert Wolff. Sein Wunsch ist klar, die GEZ-finanzierten Sender sollen ihre Aktivitäten im Netz zurückfahren. Vom Ausbau des eigenen "Parkhauses" ist hingegen nicht die Rede.

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