Das Internet zieht ins öffentliche Klo ein

Die britische MSN-Filiale will im Sommer das erste "iLoo" auf einem Musikfestival eröffnen

Es ist eine Premiere und zumindest sorgt es für Aufmerksamkeit. Microsoft will in Großbritannien das erste öffentliche Internetklo in diesem Sommer vorführen. Ob das allerdings auf einem Musikfestival, wie geplant, am besten aufgehoben sein dürfte, ist eine andere Frage - und interessiert wahrscheinlich auch nicht so sonderlich

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Für manche haben Klos die Funktion, sich zurückziehen zu können und beim gemächlichen Verrichten des Geschäfte Zeitungen oder Bücher zu lesen, vielleicht auch Hausarbeiten zu machen. Das geht freilich nur dann auch zufriedenstellend, wenn vor der Tür nicht schon der Nächste oder gar eine Schlange von Menschen wartet, die es eilig haben.

Die Idee, ein Klo mit einem Internetzugang auszustatten, ist also nicht von der Hand zu weisen, aber wirklich angebracht höchstens in den privaten Räumen, in denen man dann endlich auch nicht mehr abgeschlossen von der Welt ist und endlich nebenbei auch etwas zu tun hat, während man gemütlich sitzt. Arbeitgeber dürften auch nicht versucht sein, diesen Kloservice ihren Angestellten zu bieten. Bei Microsoft ist der Einzug des Internet ins Klo schlicht folgerichtig für den Übergang vom Internet zum Evernet (anytime and any place):

"Das Internet ist so sehr zum Bestandteil des Alltagslebens geworden, dass das Surfen auf dem Klo der nächste natürliche Schritt ist. Die Menschen haben bislang nach einem Buch oder einer Zeitschrift gegriffen, wenn sie auf dem Klo waren, jetzt werden sie sich einloggen", meint Tracy Blacher von MSN. "Es ist spannend, wenn man daran denkt, dass der kleinste Raum jetzt zu einem Gateway in die riesige virtuelle Welt werden kann."

Dass die Idee mit dem Musikfestival als Ort der Premiere vor allem ein Gag, aber eigentlich unsinnig ist, wird schon alleine daran deutlich, dass Microsofts "iLoo" oder "WWW.C" die ganze Zeit von Sicherheitskräften bewacht wird (überdies scheint noch ein eigener Putzdienst geplant zu sein). Da ist man dann zwar sicher im tragbaren und vernetzten Klohäuschen, aber vielleicht auch nicht richtig entspannt. Innen drin gibt es dann einen Flachbildschirm, dessen Höhe man natürlich regulieren kann, eine kabellose und wasserdichte (!) Tastatur und einen WiFi-Breitbandzugang. Aber ob dann jeder die von anderen benutzte Tastatur gerade auf dem Klo anlangen will, ist fraglich. Da sie wasserdicht ist, ließe sie sich ja vielleicht schnell abspülen. Und für Sound ist auch gesorgt, denn unter dem Waschbecken sollen Boxen angebracht werden. Da ist also ganz schön was los auf Microsofts iLoo.

Richtig entspannt dürften die Klobenutzer auf dem Musikfestival allerdings auch deswegen nicht Surfen, Mails verschicken oder Musik zuhören, weil vermutlich auf einem Festival noch mehr Menschen die ersten auf dem neuen iLoo sein wollen. Um die Wartezeit zu verkürzen, will Blacher vor dem Klohäuschen auch schon eine "Hotmail station" einrichten, um Mails empfangen und verschicken zu können.

Schon im Sommer 2001 hatte MSN mit einer ähnlichen Aktion für Medienrummel gesorgt und eine Parkbank mit Internetanschluss) für mehrere Notebooks im öffentlichen Park Bury St. Edmunds von Suffolk eingerichtet. Hier hatte man zunächst einige Schwierigkeiten mit Vandalen und findigen Menschen, die den Anschluss benutzen, um billig Ferngespräche zu führen. Aber dafür gibt es ja jetzt den Sicherheitsdienst.

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