Das Lesen von eBooks am Abend kann zu Schlafstörungen führen

Nach einer Studie beeinträchtigen eBook-Reader mit Beleuchtung die biologische Uhr mit messbaren Folgen

Möglicherweise steigt jetzt an Weihnachten die Zahl derjenigen Menschen, die einen eBook-Reader besitzen. Und damit könnte auch die Zahl derjenigen ansteigen, die abends oder nachts im Bett diesen benutzen, weil er besser zu halten ist, aber auch weil man wegen der Beleuchtung besser lesen kann. Aber nach einer Studie kann das Folgen haben, die möglicherweise Printbücher wieder attraktiver als Bettlektüre machen.

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Bekannt ist, dass die Aussetzung an künstliches Licht in der Nacht Schlafstörungen mit sich bringen kann. Das ist nicht nur bei Schichtarbeitern ein Problem, sondern auch ganz allgemein, weil die Menschen immer länger wach und dabei Licht von Beleuchtung und Bildschirmen ausgesetzt sind. Insbesondere kurwelliges Licht hemmt die Melatoninausschüttung und verschiebt die biologische Uhr. Dadurch bleibt man wacher, kann allerdings schlechter einschlafen. Das Hormon reguliert den Tag-Nacht-Zyklus.

Da es bereits viele Hinweise darauf gibt, dass Bildschirmlicht einen negativen Einfluss auf den Schlaf haben kann, und in einer Umfrage in den USA deutlich wurde, dass 90 Prozent der Menschen an mehreren Tagen der Woche eine Stunde vor dem Zubettgehen ein elektronisches Gerät, hat ein Team aus amerikanischen und deutschen Wissenschaftlern nun untersucht, wie sich die Benutzung von beleuchteten eBook-Readern kurz vor dem Einschlafen auf den Schlaf auswirkt. Die Studie ist vorab in PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) online veröffentlicht worden.

Besser ein Buch als ein eBook als Bettlektüre?

12 junge Versuchspersonen wurden gebeten, über 14 Tage hinweg ein Protokoll zu führen und an 5 aufeinander folgenden Tagen vor dem Zubettgehen ungefähr vier Stunden lang ein eBook auf einem beleuchteten Reader und danach oder davor ein Buch bei gedämpfter Beleuchtung ebenfalls vier Stunden lang vor dem Zubettgehen zu lesen. Per Zufall wurde ausgewählt, wer zuerst eBooks oder Bücher liest. Es wurde beim Lesen stündlich eine Blutprobe genommen, um die Melatoninkonzentration zu bestimmen. Am 4. und 5. Abend wurde jeweils mit Polysomnographie die Zeit erfasst, die zwischen dem Ausschalten des Lichts und dem Einschlafen verging. Zudem wurde die Schlafzeit und die Zeit, die in den verschiedenen Schlafphasen verbracht wurde, gemessen. Die Versuchspersonen gaben ihre Müdigkeit am Abend und am Morgen auf einer Skala an. An jeweils zwei Abenden und zwei Morgen wurde für jede Lesephase ein EEG abgenommen.

Die Stichprobe ist sehr klein und mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren sehr jung. Wie aussagekräftig das Experiment ist, kann daher schwer beurteilt werden. Zudem könnten sich auch nach längerer Zeit als 5 Tagen Gewöhnungseffekte einstellen. Klar ist auch, dass eine ähnliche Aussetzung an andere Bildschirme ähnliche Effekte haben dürfte wie die an den eBook-Readern festgestellten, die auf maximale Beleuchtung eingestellt waren. Diese strahlen wie andere Licht abgebenden Bildschirme kurzwelliges Licht ab, was bei Büchern, auf deren Seiten weißes Licht reflektiert wird, nicht der Fall ist. In Studien hat sich gezeigt, dass die Aussetzung an kurzwelliges Licht stärkere Auswirkungen auf den menschlichen Tag-Nacht-Rhythmus hat als die an langwelliges Licht - und zwar unabhängig von der Beleuchtungsstärke (Lux).

Beim Lesen von Büchern, so das Ergebnis, wird die Melatoninausschüttung nicht verzögert, deutlich jedoch beim Lesen von beleuchteten eBooks. Auch noch am Abend nach dem letzten eBook-Lesen ist die Melatoninausschüttung um 1,5 Stunden verzögert. Die eBook-Leser brauchten durchschnittlich 10 Minuten länger zum Einschlafen, hatten kürzere REM-Schlafphasen, auf die anderen Schlafphasen und auf die Länge des Schlafes wurden keine Unterschiede festgestellt. Die eBook-Leser waren am Abend weniger müde und zeigten beim EEG weniger starke Delta/Theta-Gehirnwellen, dafür waren sie am Morgen müder und brauchten länger, um sich wach zu fühlen.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass das Lesen von eBooks vor dem Schlafen die Leistung, Gesundheit und Sicherheit der Benutzer beeinträchtigen kann, weil die biologische Uhr verstellt, die Einschlafzeit verlängert, die Melatoninausschüttung verzögert und die Dauer der REM-Phasen verkürzt wird. Das sei besonders bedenklich, weil eine chronische Unterdrückung der Melatoninausschüttung nach Studien ein erhöhtes Risiko für Brust-, Darm- und Prostatakrebs bei Schichtarbeitern zu verursachen scheint. Da die Melatoninausschüttung und damit die biologische Uhr um 1,5 Stunden verzögert wird, sei die Gefahr groß, dass das Lesen von eBooks vor dem Schlafengehen zu Schlafstörungen, auch zu chronischen, führen kann.

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Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der durchschnittliche Teenager in den USA durchschnittlich 7,5 Stunden am Tag Medien ausgesetzt ist, vor allem Nachmittags und Abends vor dem Zubettgehen. Dazu gehören alle Licht abgebende Geräte wie Fernsehapparate, Tablets, Notebooks, Smartphones, Spielekonsolen etc. Das hieße, dass die 4 Stunden Lektüre eines eBooks vor dem Schlafen für viele Kinder und Jugendliche alltäglich bzw. allabendlich sind - und damit möglicherweise auch die beobachteten Folgen des Experiments. Es sei daher wichtig, den physiologischen Einfluss der Lichtaussetzung durch technische Geräte genauer zu untersuchen. Das könne Folgen für das Lernen und die Entwicklung bei Kindern haben, zudem könnten die physiologischen und medizinischen Langzeiteffekte bislang unterschätzt sein. (Florian Rötzer)

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