Das Pentagon setzt auf Spezialeinheiten und verdeckte Operationen

Nach einem Bericht, der dem Kongress vorgelegt wird, soll auch eine neue Abteilung zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen geschaffen werden

Das Pentagon wird Anfang Februar den 2005 Quadrennial Defense Review, den neuen 4-Jahres-Plan, dem Kongress vorstellen. Vorgestellt wird hier, wie sich das Pentagon auf die neuen Bedingungen einstellt. So soll beispielsweise der "Global Information Grid" für die netzbasierte Organisation und Kriegsführung ausgebaut werden. Neben dem Kampf gegen die Terroristen und dem Schutz des "Heimatlandes" tritt als neue Bedrohung wieder China auf den Plan, das schon vor dem 11.9. als aufsteigende Gegenmacht ausgemacht wurde. Man will noch stärker auf Spezialeinheiten setzen und will auch eine neue Abteilung einrichten, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern.

Der Krieg gegen den Terrorismus gilt als "langer Krieg", der offenbar weiterhin mit verdeckten Operationen durchgeführt werden soll. Dafür spricht zumindest, dass die Truppenstärke der Spezialeinheiten, die dem Special Operations Command in Tampa unterstehen, um 15 Prozent angehoben werden soll. So werden die Spezialeinheiten der Armee, die in "A-Teams" mit 12 Mann im Ausland mit den jeweiligen lokalen Sicherheitskräften zusammenarbeiten, erheblich verstärkt. Sie sind geschult, sich in den fremden Kulturen unauffällig bewegen zu können, und müssen Fremdsprachen beherrschen.

Überdies scheint man verstärkt mit "psychologischen Operationen" in allen Formen agieren zu wollen, es sollen aber auch mehr Soldaten für zivile Lösungen nach Konflikten eingestellt werden. Auch hier wird es neue Stellen. Und bei der Luftwaffe wird unter dem Kommando für Spezialeinheiten eine Abteilung mit einer Flotte von Drohnen eingerichtet, zudem soll ein Marine Corps Special Operations Command eingeführt werden. Man müsse sich, so wurde aus dem Bericht zitiert, auf "größere asymmetrische Konflikte" vorbereiten.

Neben dieser Ausrichtung auf die asymmetrischen Konflikte oder "irreguläre Kriege" werden aber die teuren und großen Waffenentwicklungen beibehalten, die für mögliche Kriege gegen staatliche Militärs, allen voran China, aber auch Russland notwendig wären. Beide Länder befinden sich, so der Bericht, auf einer "strategischen Kreuzung". So werden Kampfflugzeuge (FA-22) für die Luftwaffe, Zerstörer für die Marine oder das Future Combat System für die Armee weiter mit vielen Milliarden vorangeschoben. Zu den Wunschkampfsystemen gehört etwa die Entwicklung einer neuen Drohne, die mit Überschallgeschwindigkeit jeden Ort auf der Welt erreichen und bombardieren kann.

Das Pentagon will auch, wie die Washington Times berichtet, eine neue Abteilung einrichten, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen an Terroristen zu unterbinden. Auch hier sollen neben normalen Einheiten und Geheimdiensten vornehmlich Spezialeinheiten eingesetzt werden. Sie wären beispielsweise auf Länder wie Nordkorea oder Iran ausgerichtet und müssten schnell und flexibel handeln können. Diese Einheiten sollten mit ihren Mitteln, so die Aufgabenbeschreibung, Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungswaffen sicherstellen können, bevor sie in die Hände von Terroristen fallen. Man werden verstärkt darauf achten, die Lieferungen von Massenvernichtungswaffen "zu lokalisieren, zu verfolgen und zu kennzeichnen". Als eine der wichtigsten Aufgaben gilt die "Eliminierung von Massenvernichtungswaffen".

Dazu würde auch gehören, "neue militärische Mittel" in Antizipation auf künftige Bedrohungen durch Massenvernichtungswaffen zu entwickeln. Zu den neuen Waffen werden elektromagnetische Waffen, tragbare Nuklearwaffen, genveränderte Pathogene und neue chemische Waffen gerechnet. Auch hier sollen Spezialeinheiten eng mit lokalen Sicherheitskräften zusammen arbeiten oder diese ausbilden, um nicht nur Massenvernichtungswaffen, sondern auch Verdächtige besser verfolgen zu können. Spezialeinheiten dieser Abteilung sollen in Europa und in Asien stationiert werden. "Unkonventionelle" Operationen dürften hier die Regel bilden, so dass nun Schritt für Schritt die "irreguläre" Kriegsführung der Terroristen und Geheimdienste auch die militärischen Operationen weiter durchdringen und mehr denn je das Zeitalter der dunklen Kriege beginnen wird, in denen sich die herkömmlichen Trennungen zwischen Polizei, Geheimdienst und Militär ebenso wie die zwischen Innen- und Außenpolitik auflösen. (Florian Rötzer)