Das UFO-Forschungsprogramm des Pentagon

Der ehemalige Senator von Nevada, Harry Reid, drängt erneut darauf, UFO-Studien des Pentagon der Öffentlichkeit zugänglich zu machen

Worum geht es?

Am 16. Dezember 2017 erschienen zunächst in der New York Times und kurz darauf auch im Magazin Politico und der Washington Post Berichte über ein UFO-Forschungsprogramm des Pentagon, das Advanced Aerospace Threat Identification Program oder kurz AATIP. Bis heute sind diese Berichte Gegenstand von Spekulationen, umfangreichen Recherchen und unzähligen Anfragen zur Freigabe von Informationen über das amerikanische Informationsfreiheitsgesetz (FOIA - Freedom of Information Act).

Das Programm lief von 2007 bis 2012 und war mit einem Budget von rund 22 Millionen USD ausgestattet. Initiiert wurde es neben Harry Reid von den inzwischen verstorbenen Senatoren Daniel Inouye (Hawaii) und Ted Stevens (Alaska), zwei Weltkriegs-Veteranen, die ähnlich besorgt um die nationale Sicherheit der USA waren wie Reid: "Es wurden große Fortschritte bei der Identifizierung mehrerer hochsensibler, unkonventioneller Ereignisse im Bereich der Luft- und Raumfahrt erzielt", schrieb Harry Reid in einem Brief an den damaligen stellvertretenden Verteidigungsminister William Lynn III.

Ein Großteil der 22 Millionen USD ging an die Bigelow Aerospace. Das Luft- und Raumfahrt-Unternehmen des exzentrischen Milliardärs Robert Bigelow, der ein persönliches Interesse an der Erforschung des UFO-Phänomens hat, arbeitet zusammen mit der NASA an aufblasbaren Weltraummodulen. Im Rahmen von AATIP vergab die Bigelow Aerospace Aufträge an Subunternehmer und beschäftigte selber ein multidisziplinäres Team von Wissenschaftler.

Im Laufe der Forschungsarbeiten wurde zumindest ein umfangreicher Bericht erstellt, der mögliche UFO-Sichtungen in den USA und zahlreichen anderen Ländern über mehrere Jahrzehnte hinweg analysiert - dieser Bericht ist allerdings bis heute nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Im Dezember 2017 bestätigte die Pentagon-Sprecherin Dana White dem Magazin Politico gegenüber, dass das Programm tatsächlich existiert hat und von Luis Elizondo, einem Geheimdienst-Mitarbeiter des Pentagon, geleitet wurde. Nach Aussage von White wurde AATIP 2012 offiziell beendet, da "es andere, höherrangige Themen gab, die eine Finanzierung verdienten, und es lag im Interesse des Verteidigungsministeriums, das Programm aufzulösen." Insidern zufolge soll das Forschungsprogramm aber bis heute unter einem anderen Namen fortgeführt werden, um es vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Konkret hat sich das Advanced Aerospace Threat Identification Program mit Sichtungen von bis heute unidentifizierten Objekten beschäftigt, die außergewöhnliche Flugeigenschaften zeigten und ganz offensichtlich über eine hochentwickelte Technologie verfügten, die auf der Erde derzeit nicht hergestellt werden kann.

Neben einer extremen Manövrierfähigkeit konnten diese Objekte angeblich innerhalb von Sekunden auf Geschwindigkeiten weit jenseits denen von modernen Kampfjets beschleunigen oder abrupt abbremsen und in der Luft schweben - und das ohne erkennbares aerodynamisches Tragwerk oder Antriebshilfen wie Strahltriebwerke oder Propeller. Viele der Beobachtungen sollen von Piloten der US-Streitkräfte stammen, die bei Trainingsflügen Begegnungen mit solchen Advanced Aerial Vehicles (AAVs) hatten.

Bild: Pentagon / thenimitzencounters.com

In einigen Fällen war es den Piloten anscheinend möglich, die Objekte mit hochsensiblen Sensoren zu erfassen und mit Bordkameras aufzunehmen. Besonders bekannt wurde das "Tic-Tac-UFO-Video". Es zeigt ein weißes Objekt von ovaler Form mit einer Länge von 10-15 Metern, das von zwei Navy F/A-18 Jets gejagt wurde und die Flugzeuge spielend ausmanövrierte.

Die Aufnahmen entstanden angeblich 2004 während einer Übung der Nimitz-Flugzeugträger-Gruppe vor der Küste von San Diego, Kalifornien. Der Filmemacher Dave Beaty hat über die Nimitz-UFO-Vorfälle eine Kurzdokumentation erstellt, in der auch David Fravor, einer der Piloten, zu Wort kommt.

Mehr Engagement bei der wissenschaftlichen Untersuchung der Phänomene gefordert

George Knapp ist ein renommierter investigativer Journalist aus Las Vegas, der seit Jahrzehnten zur UFO-Thematik recherchiert. Seiner Ansicht nach haben die Enthüllungen zum Pentagon-UFO-Programm die öffentliche Wahrnehmung in den USA nachhaltig beeinflusst. In einem Interview vom Oktober 2018 stellt er fest:

In den letzten neun Monaten hat sich die Sichtweise auf das Thema stark verändert. Es ist der größte Umbruch in meinen 30 Jahren der Spurensuche danach. Die Ufologie möchte, dass die Regierung zugibt, dass diese Dinge real sind und das Thema untersucht werden sollte. Genau das ist gerade passiert. Ich denke, die Ereignisse der letzten Monate machen es viel schwieriger, darüber zu lachen.

Knapp hatte mehrmals Gelegenheit, mit Harry Reid über AATIP zu sprechen. In einem im Februar geführten Gespräch bekräftigt Reid nicht nur seinen Hoffnung, dass die Akten aus dem UFO-Programm veröffentlicht werden, sondern zeigt sich auch überzeugt davon, dass es weitere Anstrengungen geben muss, das Rätsel um die unidentifizierbaren Phänomene im Luftraum zu lösen.

Und Harry Reid ist nicht die einzige bekannte Persönlichkeit in den USA, die sich zu dem Thema in der Öffentlichkeit äußert. Im Juni 2018 hielt Dr. Harold Puthoff, Mitbegründer und Vizepräsident für Wissenschaft und Technologie der To The Stars Academy of Arts & Science, eine bemerkenswerte Rede in Las Vegas anlässlich der gemeinsamen Konferenz der Society for Scientific Exploration (SSE) und der International Remote Viewing Association (IRVA).

In dieser Rede sprach er nicht nur ausführlich über das Tic-Tac-UFO-Video, sondern erwähnte auch die Untersuchung von Materialfunden, die in Zusammenhang mit UFO-Ereignissen stehen, und sogar die Colares-Vorfälle, die eine besondere Brisanz haben:

Wir haben uns einige Fälle aus Brasilien angesehen, die wirklich gut waren. 1977, 78 - es war wie im Film "Unheimliche Begegnungen der Dritten Art". Tausend Seiten Dokumente, die alle vom Ermittlungsteam der brasilianischen Luftwaffe erstellt wurden, 500 Fotos, 15 Stunden Filmmaterial, viele Verletzungen, die auftraten, als Menschen diesen Objekten aus nächster Nähe begegneten - und sie hatten einige Überschneidungen mit Fällen, die wir im Rahmen des Programms (gemeint ist AATIP) untersucht haben.

Und weiter bemerkte er:

Trotz der Fortschritte bei AATIP - seien wir ehrlich: das Thema ist ganz grundsätzlich anomal, richtig? Daher - mal abgesehen von der Realität der Beobachtungen - alle Leute, mit denen wir bei den Geheimdiensten und im Pentagon zusammenarbeiten, sind sich einig - die Daten sind da, das ganze ist real.

Und Deutschland?

In kaum einem Land der Erde ist das UFO-Phänomen so stark tabuisiert und mit einem so großen Denkverbot belegt wie in Deutschland. Bei unseren Nachbarn in Frankreich gibt es eine offizielle Behörde zur Untersuchung von UFO-Vorfällen, England hat in den vergangenen Jahren einen Großteil seiner ehemals geheimen UFO-Akten freigegeben und in Belgien hat das Militär zwischen 1989 und 1992 sogar ganz offiziell mit der privaten Forschungsorganisation SOBEPS zusammengearbeitet, um eine Reihe mysteriöser UFO-Sichtungen zu untersuchen, die unter dem Namen "Belgische UFO-Welle" bekannt wurden.

In einem Interview von 2014 bestätigt der ehemalige General der Belgischen Luftwaffe, Wilfried de Brouwer, dass die schwarzen Dreiecke, die damals von tausenden von Zeugen beobachtet wurden, bis heute unidentifiziert sind.

Auch am Himmel über Deutschland werden regelmäßig rätselhafte Phänomene beobachtet. Die meisten dieser Sichtungen - rund 95% - lassen sich allerdings schnell erklären: missinterpretierte Flugzeuge, Linsenspiegelungen, LED-Ballons, chinesische Himmelslaternen, die leuchtende Venus oder ungewöhnliche Wetterphänomene.

Zu den restlichen 5% gehören Fälle, die aufgrund unzureichender Daten nicht aufgeklärt werden können, aber eben auch solche, welche die klassischen Charakteristika von "echten" unidentifizierbaren Flugobjekten wie dem Tic-Tac-UFO aufweisen - und deren Herkunft rätselhaft bleibt. (Michael Landwehr)

Anzeige