Das US-Militär - einer der größten Klimasünder in der Welt

Militärtransportflugzeug C-17 Globemaster III. Bild: DoD

Für die globalen logistischen Lieferketten produziert das US-Militär so viele Emissionen wie Schweden oder Dänemark

Das US-Militär ist einer der größten Klimasünder in der Geschichte, verbraucht mehr flüssige Kraftstoffe und emittiert mehr Kohlenstoff als die meisten Länder, belegt eine neue Studie von Wissenschaftlern der Durham University und der Lancaster University, die von der Royal Geographical Society in Großbritannien veröffentlicht wurde.

Die neue Studie ermittelt die Auswirkungen des US-Militärs auf den Klimawandel durch eine kritische Analyse ihrer globalen logistischen Lieferketten. Um die globale Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten, benötigen die Streitkräfte ein ausgedehntes Netzwerk an Containerschiffen, Lastkraftwagen und Frachtflugzeugen, um so ihre Niederlassungen und Operationen überall in der Welt mit all jenem zu versorgen, was vor Ort benötigt wird, von Bomben über humanitäre Hilfe bis hin zu Treibstoffen.

Zuständig für diese Infrastruktur ist die Defense Logistics Agency. Anfragen auf Basis des Freedom of Information Act an diese Behörde lieferten den Forschern die Basisdaten für ihre Untersuchung. Die Wissenschaftler ermittelten auf Basis dieser Daten, dass die US-Streitkräfte, wenn sie ein Nationalstaat wären, der 47. größte Emittent von Treibhausgasen in der Welt wären, wenn man nur die Emissionen aus der Kraftstoffnutzung berücksichtigen würde. Damit würde das US-Militär alleine mehr Emissionen verursachen als Portugal, Schweden oder Dänemark.

Im Jahr 2017 benötigte das US-Militär jeden Tag etwa 42,9 Millionen Liter Öl, dabei wurden mehr als 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert. Die US-Luftwaffe kaufte im selben Jahr Treibstoffe im Wert von 4,9 Milliarden US-Dollar, die Marine 2,8 Milliarden US-Dollar, gefolgt von der Armee mit 977 Millionen US-Dollar und den Marines mit 36 Millionen US-Dollar, wodurch mehr klimawirksame Gase emittiert wurden als von den meisten mittelgroßen Länder.

"Unsere Forschung zeigt durch die Analyse der Lieferketten, dass das US-Militär ein wesentlicher Akteur beim Klimawandel ist", sagt Oliver Belcher von der Durham University. Die Ergebnisse zeigen den enormen CO2-Fußabdruck des US-Militärs und dessen wesentlichen Einfluss auf den Klimawandel.

Co-Autor Dr. Patrick Bigger vom Lancaster University Environment Centre dazu: "Das US-Militär hat längst verstanden, dass es nicht immun gegen die potenziellen Folgen des Klimawandels ist - es erkennt es als einen Bedrohungsmultiplikator an, der andere Bedrohungen verschärfen kann - und hat auch seinen eigenen Beitrag zum Problem nicht ignoriert. Doch ihre Klimapolitik ist grundsätzlich widersprüchlich - sie konfrontiert die Auswirkungen des Klimawandels und bleibt gleichzeitig der größte institutionelle Verbraucher von Kohlenwasserstoffen in der Welt."

Es ist kein Zufall, dass die militärischen Emissionen der USA in Studien zum Klimawandel eher "übersehen" werden, da es relativ schwierig ist, konsistente Daten vom Pentagon und von den US-Regierungsbehörden zu erhalten, so die Forscher. Tatsächlich bestanden die Vereinigten Staaten sogar auf einer Ausnahmeregelung für die Meldung militärischer Emissionen im Kyoto-Protokoll von 1997. Dieses Schlupfloch wurde zwar durch das Pariser Abkommen geschlossen, aber mit der Trump-Administration, die sich 2020 aus dem Abkommen zurückziehen wird, wird sich auch diese Lücke wieder auftun. (Andreas Krebs)