Das Vertrauen in Medien ist nicht nur in Deutschland gering

Wer die Welt mit dem Medium verdeckt, sieht sie nur gebrochen. Bild: ladydi_saster/CC-BY-SA-2.0

Nach einer Studie haben nur 6 Prozent der US-Bürger wirkliches Vertrauen in Medien, die meist nur über Soziale Netzwerke wahrgenommen werden, zudem werden auch hier die Grenzen hochgezogen

In Deutschland scheint das Vertrauen in Nachrichten-Medien nicht mehr sonderlich ausgeprägt zu sein. Diese liefern zwar trotz Konkurrenz aus Blogs, Sozialen Netzwerken und anderen Informationsquellen aus dem Internet weiterhin das Meiste dessen, was wir wissen, aber viele Menschen zweifeln an der Objektivität oder Richtigkeit der von den großen, gerne Mainstream genannten Medien - und wenden sich gleichzeitig mitunter Medien oder Informationsquellen zu, die zwar von "Lügenpresse" sprechen, aber das Geschäft der Einseitigkeit zu dem Ihren gemacht haben.

2014 kam eine dimap-Umfrage im Auftrag des Zapp-Magazins zu dem Ergebnis, dass eine Mehrheit der Deutschen "den Medien" nicht vertraut. Damals noch weniger als der Bundesregierung und dem Bundestag. Bekanntlich war die Ukraine-Berichterstattung ein wesentlicher Anlass, dazu Euro-, EU- und rechtspopulistische Bewegungen und Parteien. AfD und Pegida haben, schließlich verstärkt durch die Flüchtlingskrise, die Abwendung von Mainstream-Medien noch verstärkt. Nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen, die großen Medien werden als eine Art gesteuertes Meinungskartell betrachtet, ähnlich wie die "etablierten" "Altparteien" als eine Art Einheitsfront oder Systemparteien gelten.

In einer Umfrage für die Zeit sagten letztes Jahr 60 Prozent der Deutschen, sie hätten kein Vertrauen in die Medien (Zeit-Umfrage: Sinkendes Vertrauen in die Medien). Aber die Werte schwanken je nach Umfrage. Bei einer Umfrage für den WDR im Oktober 2015 erklärten "nur" 42 Prozent, sie hätten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Medien. 20 Prozent würden die Medien für "Lügenpresse" halten. Hier attestierte eine große Mehrheit den Öffentlich-Rechtlichen die höchste Glaubwürdigkeit.

Man könnte geneigt sein, die Glaubwürdigkeitskrise der Medien in deutschen Verhältnissen zu suchen, wo sich nach langer alternativloser Merkel-Kanzlerschaft und Großen Koalitionen eine wirkliche Opposition auch in den Medien nicht mehr zu finden ist. Allerdings sieht es auch anderswo nicht besser aus. So zeigte sich gerade wieder bei einer für die USA repräsentativen Umfrage in den USA, die im Rahmen des Media Insight Project, das The Associated Press-NORC Center for Public Affairs Research und das American Press Institute gemeinsam betreiben, durchgeführt wurde.

Hier sagen 41 Prozent, sie würden den Medien kaum Vertrauen schenken, 52 Prozent bringen nur ein gewisses Vertrauen auf. Lediglich 6 Prozent haben hohes Vertrauen. Am meisten Vertrauen wird dem Militär entgegengebracht (das allein bringt einen Nichtamerikaner schon ins Nachdenken). Selbst die Banken genießen größeres Vertrauen als die Medien. Nur der Kongress sieht - wie in vielen anderen Umfragen - noch schlechter aus, ihm trauen letztlich nur 4 Prozent.

Nun sind der Kongress, in dem fast nur Millionäre sitzen, und die spendenabhängigen Politiker in einem politischen System, das letztlich nur zwei Parteien kennt, eine nationale Eigenheit, die durchaus große Skepsis erzeugen kann. Aber wenn man die deutsche Diskussion über die Lügenpresse einbezieht, dann scheint der Vertrauensverlust in die Mainstreammedien mit dem in die Mainstreampolitik zusammenzuhängen. Die AfD der USA ist etwa die Tea Party, Figuren wie Trump erscheinen auch in den USA als die Alternative zum scheinbar alternativlosen Zustand für weitgehend unpolitische, aber wütende Zeitgenossen.

Am wichtigsten für vertrauenswürdige Medien ist für die Befragten angeblich, dass die Tatsachen richtig dargestellt werden. Wichtig ist auch die Vollständigkeit. Transparenz, also wie die Informationen gesammelt werden, und Ausgewogenheit spielen ebenfalls eine bedeutsame Rolle. Weniger wichtig ist die Präsentation. An Glaubwürdigkeit haben Medien vor allem verloren, wenn sie einseitig sind und Tatsachen falsch dargestellt wurden. Aber man muss hier bei den Äußerungen natürlich vorsichtig sein, denn gerne werden Nachrichten als korrekt beurteilt, wenn sie der eigenen Einstellung entsprechen, und als einseitig, wenn man bestimmte Aspekte als unwichtig, aufgebauscht oder verfälscht betrachtet.

60 Prozent der Befragten sagen, es sei ihnen wichtig, bei den Nachrichten und Informationen auf dem Laufenden zu sein. 65 Prozent behaupten, Nachrichten aktiv zu suchen. Dabei werden gedruckte Zeitungen und Magazine gegenüber dem Fernsehen und dem Internet deutlich weniger genutzt. Ganz vorne liegen Nachrichten von Fernsehsendern, inklusive online, Soziale Netzwerke liegen mit 23% noch vor lokalen Zeitungen 23 Prozent, nationale oder internationale Zeitungen finden mit 9 Prozent weniger Beachtung als Online-Medien wie Buzzfeed, Huffington Post oder Yahoo!News mit 11 Prozent.

Das täuscht aber, denn viele verfolgen die Nachrichten ihres Mediums bereits über Soziale Netzwerke, was heißt, dass man letztlich nur Shortnews konsumiert und sie häufig teilt, ohne deswegen direkt zum gesamten Text/Film etc. der Quelle zu gehen. Man bekommt News im endlosen Informationsfluss, in dem es nur Vermischtes gibt, man stolpert darüber. Facebook steht mit weitem Abstand ganz oben, gefolgt von YouTube, Twitter und Instagram. Zwar sagen die meisten, sie würden vor allem die Faktentreue, die Neuigkeit und Einbeziehung von Experten schätzen, aber für viele ist der Aspekt der Unterhaltung wichtig - und nicht zuletzt wird auch Medien vertraut, weil sie die eigene Einstellung wiedergeben.

Allerdings ist das Vertrauen in die über Facebook erhaltenen Nachrichten eher gering, besser kommen Twitter, Reddit und vor allem LinkedIn weg. Angeblich spielt dabei keine große Rolle, ob die Nachricht von vielen Menschen geliked, geteilt oder kommentiert wird, wichtiger soll sein, wer die Nachricht gepostet hat und vor allem ob die Quelle als vertrauenswürdig gilt.

Bei digitalen Medien ist für die Menschen weniger der Inhalt primär, sondern wie welche Werbung platziert wird, wie lange die Seite zum Laden braucht und wie gut eine Website für ein mobiles Gerät funktioniert.

Am stärksten sind die Befragten interessiert an nationaler Politik (22%), gefolgt von Verkehr und Wetter (12%), Verbrechen und öffentliche Sicherheit (8%) und Sport (7%). Auslandsnachrichten oder Wirtschaft interessieren mit 4 Prozent hingegen kaum.

Der Blick auf die Welt ist also eng, Informationsquellen sind stärker lokal/regional. Das ist erstaunlich, eigentlich sollte man meinen, dass sich mit dem Internet und dem globalen Zugriff auf Medien und anderen Informationsquellen der Horizont erweitern würde. Möglicherweise fallen aber nicht die Grenzen, sondern werden sie nun als Kompensation weiter verstärkt. Man will von der Welt möglichst wenig wissen und bleibt lieber bei und unter sich.

Die Verengung bei der Medienrezeption unter den Bedingungen des globalen Informationsflusses scheint mit dem Bau von Mauern und Zäunen an den Ländergrenzen (gated nations) im Zeitalter des globalen Daten-, Waren-, Menschen- und Migrationsstroms und dem Rückzug in gated communities oder homogene Gemeinschaften konform zu gehen. Beides wiederum ist ein Rückzug auf nationale, regionale, lokale und soziale Enklaven. Allerdings geschieht dies in deutlicher Einseitigkeit. Man will den Fluss der Informationen, Waren und Menschen von außen kontrollieren und begrenzen, geht aber davon aus, selbst überallhin reisen, anlegen und exportieren zu können.

Der Werbeslogan der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der natürlich ganz anders gemeint ist, erhält aus dieser Perspektive eine ganz andere Bedeutung. "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" heißt es, dazu gibt es ein Bild mit einer aufgeschlagenen Zeitung, hinter der man den Kopf des Lesenden nicht sieht, nur die Hände und die Beine. Der Zeitungsleser sieht die Welt nicht, sondern blendet sie durch die aufgeschlagene Zeitung aus, die sich vor sie schiebt. Er ist gefangen im medialen Weltbild, die Zeitung könnte schließlich auch ein Bildschirm sein. Die sinkende Glaubwürdigkeit der Medien ist wahrscheinlich auch ein Verlangen, die Wirklichkeit unmittelbar, direkt, unverfälscht in Echtzeit zu sehen, ohne Umweg über die mediale Darstellung und Interpretation von Journalisten. Die Kritik der Medien (Lügenpresse) ist dann auch ein Argument für den Rückzug.

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