Das "beste Mittel", um die Sicherheit von 5G zu garantieren

Huawei-Büro in Cliddesden, Hampshire, UK. Foto: © Sandy B cc-by-sa/2.0

Großbritannien schließt nun doch Huawei aus seiner neuen Mobilnetz-Infrastruktur aus

Kulturminister Oliver Dowden, der im Vereinigten Königreich für den Internetausbau zuständig ist, teilte dem Unterhaus gestern mit, dass britische Mobilfunkprovider beim Ausbau der 5-G-Infrastruktur ab dem 1. Januar 2021 keine Produkte des chinesischen Anbieters Huawei einsetzen dürfen (vgl. 5G-Netze: Briten schließen Huawei aus). Damit revidiert die britische Regierung ihre Entscheidung aus dem Januar 2020, in der sie Huawei außerhalb der sensiblen Kernnetze einen Anteil von bis zu 35 Prozent zubilligte.

Eine entscheidende Sache, die sich seitdem geändert hat, sind Dowden zufolge im Mai erlassene amerikanischen Sanktionen. Sie verbieten den Verkauf von Halbleitern mit US-Immaterialgüterrechten an Huawei. Dass die Firma nun auf andere Chips angewiesen ist, macht ihre Produkte dem britischen National Cyber Security Centre (NCSC) des Geheimdienstes GCHQ nach weniger "verlässlich".

Entscheidung wird 5G-Ausbau um zwei bis drei Jahre verzögern

Die 5G-Hardware von Huawei, die britische Provider bereits verbaut haben, müssen sie nun bis spätestens 2027 durch Produkte anderer Firmen ersetzen. Huawei-Produkte für die älteren und langsameren 2G-, 3G- und 4G-Netze können theoretisch auch danach noch im Einsatz bleiben.

Dowden zufolge entstehen durch das Huawei-Verbot nicht nur Kosten in Höhe von zwei Milliarden Pfund - auch der 5G-Ausbau wird sich um zwei bis drei Jahre verzögern. Deshalb sei ihm die Entscheidung dazu nicht leicht gefallen. Aber nach der Lektüre des neuen NCSC-Berichts sei er zum Schluss gelangt, dass so ein Verbot trotz der damit verbundenen Nebenwirkungen, dass "beste Mittel" sei, um die Sicherheit des britischen 5G-Netzes zu garantieren.

Ren Zhengfei: "Wenn im Westen die Lichter ausgehen, dann wird der Osten immer noch leuchten"

Liu Xiaoming, der chinesische Botschafter in London, hatte in offenbarer Erwartung der Entscheidung bereits am Montag gewarnt, dass sich auch andere chinesische Firmen genau ansehen würden, wie man Huawei im Vereinigten Königreich behandelt. Es sei aber Sache Großbritanniens, wenn sich das Land entschließt, "für eine schlechtere Qualität einen höheren Preis zu bezahlen". Huawei werde auch ohne diesen Abnehmer prosperieren.

Ähnlich, aber etwas blumiger, hatte sich Ren Zhengfei, der Gründer von Huawei, vorher gegenüber der BBC geäußert. Er meinte mit einer trotz der Coronakrise gut dreizehnprozentigen Umsatzsteigerung im ersten Halbjahr 2020 im Rücken: "Wenn im Westen die Lichter ausgehen, dann wird der Osten immer noch leuchten - und wenn der Norden dunkel ist, dann gibt es immer noch den Süden" (vgl. Huawei: Langsameres Wachstum im ersten Halbjahr 2020).

O’Brien: "Wachsender internationaler Konsens"

Ed Brewster, der Sprecher von Huawei im Vereinigten Königreich, kritisierte die Entscheidung der britischen Regierung als "schlechte Nachricht für jeden Briten mit Mobiltelefon". Wer eins habe, der müsse nun mit steigenden Preisen rechnen. Mit der Entscheidung beugt sich das britische Kabinett Brewster Worten nach amerikanischem Druck. Die sicherheitspolitischen Argumente der Amerikaner seien aber vorgeschoben. In Wirklichkeit gehe es ihnen um den Handelskonflikt mit China. Das werde man der britischen Regierung noch einmal im Detail erläutern.

US-Außenminister Mike Pompeo zeigte sich dagegen sehr zufrieden mit Dowdens Ankündigung und meinte, das Vereinigte Königreich schließe sich damit "einer wachsenden Liste von Ländern in aller Welt an, die für ihre nationale Sicherheit einstehen, indem sie Geschäfte mit nicht vertrauenswürdigen Hochrisikolieferanten verbieten". Robert O’Brien, der Nationale Sicherheitsberater der USA, sprach in diesem Zusammenhang gestern von einem "wachsenden internationalen Konsens".

Potenzielle Profiteure: Nokia, Ericsson, Samsung und NEC

Außer der US-Administration freuten sich gestern auch Vertreter des finnischen Nokia- und des schwedischen Ericsson-Konterns öffentlich. Beide Unternehmen stellen 5G-Hardware her, für die sie nun auf mehr Absatz hoffen. Ericsson arbeitet jedoch mit Panda Electronics zusammen - einer chinesischen Firma, die seit Juni auf einer Schwarzen Liste des US-Militärs steht. Und hinsichtlich Nokia hatte das NCSC vorher gewarnt, man könne sich in zu große Abhängigkeit zu einer einzigen Firma begeben. Deshalb laufen nun Gespräche mit dem südkoreanischen Samsung-, dem japanischen NEC- und dem amerikanischen Adtran-Konzern, die Alternativen anbieten sollen.

Die Mobiltelefone, Tablets und Laptops, die Huawei anbietet, sind vom Verbot der britischen Regierung nicht betroffen. Allerdings kann man mit ihnen wegen amerikanischer Verbote nicht mehr auf Google-Dienste wie den Play Store zugreifen (vgl. Huawei P40 Pro+: Doppel-Zoom-Kamera im Test). (Peter Mühlbauer)