Das erfolgreichste Tier der Welt

Krill und Kohlendioxid: Leben im Südpolar-Siphon

Mehr Kohlendioxid im Meerwasser hat eine zunehmende Versauerung der Ozeane zur Folge. Krill reagiert auf eine Verschiebung dieses Gleichgewichts äußerst sensibel. Forscher der Australian Antarctic Division um So Kawaguchi hatten in ihrem Krill-Forschungsaquarium in Hobart auf Tasmanien verschiedene Bedingungen erprobt, die je nach Szenario einer weiteren Entwicklung der Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft zu erwarten sind.

Sie hatten dementsprechend Kohlendioxid in das eisige Wasser ihrer Experimentaltanks gepumpt, Ergebnis: Erhöhte Kohlendioxidkonzentrationen im Wasser wirken sich nachteilig auf die Physiologie des Krills aus. Die zeichnet sich durch eine hohe Komplexität aus: Vom Moment des Schlüpfens bis zum Erwachsenwerden durchläuft das Tier zwölf Larvenstadien, die vom Kohlendioxid jeweils unterschiedlich stark beeinflusst werden können. Die Schlüpfrate bei den Eiern geht zurück, die Larven werden an ihrer Entwicklung gehindert. Besonders betroffen sind jedoch die Eier selber. Die Kohlendioxidkonzentrationen steigen mit größeren Tiefen an. Da die Eier absinken, müssen sie diese Zone passieren. Die höhere Acidität verhindert die Ausbildung von Schalen und Exoskeletten.

Sollten die Kohlendioxidkonzentrationen weiter ungebremst steigen, könnte die Antarktis für den Antarktischen Krill schon im nächsten Jahrhundert kein geeigneter Lebensraum mehr sein, befürchten die Meeresbiologen. Die Forscher sind beunruhigt, sie hätten gedacht, dass der Krill robuster sein würde.

Salpidae: Die Hoffnung auf der Ersatzbank

Andere Wissenschaftler haben sich schon einmal im Ökosystem des Südlichen Ozeans umgesehen und bereits ein anderes bedeutendes Mitglied ausgemacht, das aufgrund des Klimawandels künftig häufiger auftreten könnte und das zudem in der Lage sein soll, zumindest einen Teil der Arbeit des Krills als biologische Kohlenstoffpumpe zu übernehmen: die zur Klasse der Salpen zählenden Salpidae (hauptsächlich Salpa thompsoni), gallerartige Filtrierer mit Generationswechseln, die zwischen allein lebenden Tieren und langen Ketten miteinander verbundener Individuen oszillieren.

Seine Fortbewegung durch Wasserstrahlantrieb gilt als eine der effizientesten im Tierreich. Sie kommen in allen Weltmeeren vor, im Südlichen Ozean sind sie jedoch am häufigsten. Dort besetzen sie die weitläufigen unproduktiveren Regionen. Salpen bevorzugen vermutlich wärmere Bereiche des Meeres, die ein moderates Nahrungsangebot und eine geringere Bedeckung mit Meereis bieten.

Während die Krillpopulation in den antarktischen Gewässern seit 100 Jahren rückläufig ist, scheint die der Salpidae in ihren südlichsten Vorkommen im Wachsen begriffen zu sein. Ihr Erfolg ist zum Teil in ihrer Reaktionsfähigkeit auf Algenblüten begründet: dann nämlich klonen sie sich schnell, um das Phytoplankton abzuräumen. So führte vermutlich ein massenhaftes Auftreten von Salpa fusiformes 1920 zum Zusammenbruch der Heringsfischerei in der Nordsee - den Fischen war das Futter ausgegangen.

Salpenkette. Bild: Oregon Department of Fish & Wildlife/CC-BY-SA-2.0

Sie wachsen vermutlich schneller als jedes andere mehrzellige Tier, und sie sind gefräßig: steht das Phytoplankton dicht, können ihre tonnenförmigen Körper verstopfen und zu Boden sinken. Auf diese und die zusätzlich absinkenden Ausscheidungen der übrigen Salpidae, gepaart mit der Häufigkeit ihres Vorkommens, gründen einige Wissenschaftler ihre Hoffnung, dass diese Manteltiere die biologische Kohlenstoffpumpe im Südlichen Ozean am Laufen halten werden, dann, wenn der Antarktische Krill dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. (Bernd Schröder)