Das fehlende Fragment

Anthrazen-Fund im Sternbild „Perseus“. Bild: Gabriel Pérez, Multimedia Service/www.iac.es

Komplexe organische Moleküle im interstellaren Medium gefunden

Ein Team von Wissenschaftlern des Instituto Astrofisica de Canarias (IAC) und der University of Texas hat das bislang komplexeste organische Molekül in einem Band im interstellaren Medium entdeckt.

Anthrazen, so der Name des gefundenen polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffs, könnte dabei helfen ein Jahrzehnte altes astrophysikalisches Rätsel über die Erzeugung organischer Moleküle im Weltraum zu lösen. Die Wissenschaftler stellen Ihren Fund in der aktuellen Ausgabe der Monthly Notices of the Royal Astronomical Society vor.

William-Herschell-Teleskop am „Roque de los Muchanchos“-Obersvatorium auf La Palma. Bild: www.iac.es

„Wir haben das Anthrazen in einer dichten Materiewolke entdeckt – in Richtung des Sterns Cernis 52 im Sternbild Perseus, etwa 700 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt“, so Susana Iglesias Groth, die Leiterin der IAC-Forschungsgruppe. Ihr zufolge könnte der nächste Schritt die Suche nach Aminosäuren sein. Moleküle wie Anthrazen gelten als prä-biogen – wenn sie ultravioletter Strahlung, Wasser und Ammoniak ausgesetzt werden, können aus Ihnen Aminosäure-Moleküle entstehen. Diese wiederum wären essenziell für die Entstehung von Leben, wie es auf der Erde zu finden ist.

Vor zwei Jahren“, so Iglesisas weiter, „hatten wir bereits einen Beweis für die Existenz eines anderen organischen Moleküls erbracht: Naphtalin. Das war in der selben Region, daher spricht alles dafür, dass wir dort eine Gegend haben, die reich an prä-biogener Chemie ist.“ Zuvor ist Anthrazen in Kometen entdeckt worden – nie jedoch im interstellaren Medium. Oxide dieses Moleküls finden sich in lebender Materie häufig und sind biochemisch aktiv. Auf der Erde tritt oxidiertes Anthrazen zum Beispiel in Erdöl oder in Aloe-Planzen auf. Aus diesen ist es für seine entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt.

Der neue Fund legt nahe, dass ein guter Teil der Schlüsselkomponenten irdischer prä-biogener Chemie auch in interstellarer Materie vorhanden sein könnte. Seit den 1980er Jahren wurden hunderte solcher Materie-Bänder im interstellaren Medium entdeckt, ihr Ursprung ist bislang jedoch ein Rätsel. Die Entdeckung am IAC legt nahe, dass sie aus Molekül-Formen, basierend auf Anthrazen und Naphtalen, entstanden sein könnten. Weil sie im interstellaren Raum weit verstreut sind, könnten sie eine Schlüsselrolle bei der Entstehung zahlreicher organischer Moleküle gespielt haben – auch zur Zeit der Entstehung des Sonnensystems. (Stefan Höltgen)

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