Das "unsterbliche Regiment" als neuer Treffpunkt russischer Familien am 9. Mai

Militärparade in Moskau. Bild: Kreml

Militärparaden und Großdemonstrationen zum Siegestag in vielen russischen Großstädten, aber auch in Kiew und Charkow

An der traditionellen Militärparade in Moskau nahmen am Vormittag des 9. Mai 10.000 Soldaten teil. Das erste Mal an der Parade - in weißen Uniformen - beteiligt, war auch eine Einheit von Frauen, die an einer Militäruniversität studieren.

Von der Militärtechnik fielen besonders der im letzten Jahr in Dienst gestellte Panzer Armata sowie die Raketen-Komplexe Panzir-C und Jars ins Auge. An neuen Flugzeugen waren das Transportflugzeug Il 76MD-90A und das Kampfflugzeug SU-35C am Himmel zu sehen. Ein Fernsehsprecher erklärte, alle neuen Waffen seien schon vor der Militärparade beim Einsatz in Syrien zu sehen gewesen.

Putin: Russland zu System internationaler Sicherheit bereit

Wladimir Putin erklärte in seiner Ansprache, man könne sich heute kaum noch vorstellen, "mit welchen außerordentlichen Anstrengungen" zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1.500 Fabriken aus dem europäischen Teil Russlands ins Landesinnere verlagert wurden, wo sie "innerhalb weniger Monate begannen, die Front mit Panzern, Flugzeugen und Munition" zu versorgen. Die Kraft Russlands liege in der "Einigkeit und Ergebenheit gegenüber dem Vaterland", erklärte der Präsident. Angesichts der terroristischen Gefahr auf der Welt sei Russland zur Bildung eines "nicht Block gebundenen Systems der internationalen Sicherheit bereit."

Seit dem Machtwechsel in der Ukraine haben die Feierlichkeiten am 9. Mai für Russland eine ganz besondere Bedeutung. Moskau wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Versuche, den Zweiten Weltkrieg als Kampf von zwei Diktatoren umzudeuten und die Sowjetunion als Aggressor zu bezeichnen, wie es der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am 10. Januar 2015 unwidersprochen in der deutschen Tagesschau tat, als er erklärte, der Zweite Weltkrieg sei ein "sowjetischer Anmarsch auf die Ukraine und Deutschland" gewesen. Russland sieht sich nach wie vor als die entscheidende Kraft, die Europa vom Hitler-Faschismus befreit hat.

Wladimir Putin bei seiner Rede. Bild: Kreml

Da es sich diesmal nicht um ein rundes Jubiläum handelte, war der einzige prominente Gast der Militärparade der Präsident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew. Auf der Ehrentribüne saßen neben vielen Kriegsveteranen US-Regisseur Oliver Stone. Er sagte gegenüber dem russischen Pervi-Fernsehkanal: "Das ist ein wichtiger Tag. Ich habe Achtung." Ein Interview wolle er jedoch nicht geben.

Marsch des Unsterblichen Regiments auf der Twerskaja Straße. Bild: U :Heyden

Der Marsch zu Ehren der Eltern und Großeltern

Das Ausmaß der Feierlichkeiten in Russland überstieg dieses Jahr alles bisher Dagewesene. In den vergangenen Jahren lag das Hauptaugenmerk bei den neuen Waffen, die während der Militärparade auf dem Roten Platz gezeigt wurden. In diesem Jahr war es die große Zahl von Menschen, die sich an den Demonstrationen im Rahmen des Projekts "Unsterbliches Regiment" beteiligten.

Teilnehmer am Marsch des Unsterblichen Regiments. Bild: U. Heyden

Allein in Moskau nahmen nach Polizeiangaben 700.000 Menschen an der Demonstration teil, die am Nachmittag von der Metro-Station Dynamo im Nordwesten der Stadt bis zum Roten Platz zog. Bei dem Marsch trugen die Demonstranten große Fotos ihre Väter, Mütter, Großväter und Großmütter, die im "Großen Vaterländischen Krieg" gegen Hitler-Deutschland und seine Verbündeten kämpften.

Der Marsch war gut organisiert. Junge Freiwillige in weißen T-Shirts sperrten die Straßen ab und verteilten Wasserflaschen. Mobil-Toiletten waren ausreichend vorhanden. Alle Teilnehmer, die ich befragte, erklärten, sie nähmen auf eigene Initiative an dem Marsch teil. Es sei eine Ehre für das Andenken der Eltern und Großeltern zu demonstrieren. Und es sei schön und sehr patriotisch, dies mit anderen Menschen zusammen zu tun.

Viele Kinder waren mit dabei. Bild: U. Heyden

Moskauer Druckereien hatten im Hochbetrieb gearbeitet. Denn jede Familie führte mindestens ein Bild eines Großvaters oder eine Großmutter in Soldatenuniform mit sich. Viele Bilder waren liebevoll mit der Hand beschriftet worden. Viele Kinder und Enkel trugen die Orden ihre Väter und Großväter an der Brust.

Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Ganze Familien, mit Kindern und Großeltern waren angerückt. Es herrschte Festtagsstimmung. Immer wieder rollte wie eine Welle ein ausgelassenes Huraaaaaa! durch den kilometerlangen Demonstrationszug. Eine Mutter mit zwei Kindern erklärte, sie sie stolz und gleichzeitig zu Tränen gerührt. Ihre Großeltern hätten das Land von den Faschisten befreit. Und sie sei froh, dass ihre Kinder dabei seien.

Familien auf dem Roten Platz. Bild: U. Heyden

Die Idee, mit den Bildern der Eltern und Großeltern zu demonstrieren, die am "Großen Vaterländischen Krieg" teilgenommen haben, war 2007 in der sibirischen Stadt Tomsk entstanden. Die Feierlichkeiten in Moskau fanden am Abend mit großen Feuerwerken ihren Abschluss (Video).

Auch Kinder trugen traditionelle Uniformen. Bild: U. Heyden