"Das wichtigste Rezept besteht darin, keine Konsumschulden zu machen"

Vermögen aufzubauen, ist harte Arbeit

Es gibt viele denkbare und wenig erfolgreiche Patentrezepte, über Nacht reich zu werden. Haben Sie in Bitcoins investiert?
Gerald Hörhan: Über Nacht wird man nicht reich, Vermögen aufzubauen, ist harte Arbeit. Mit Bitcoins habe ich mich noch nicht beschäftigt, daher kann ich hier keine fundierte Meinung abgeben.
Hätten Sie ein solches Investment in Ihrem Kurs empfohlen?
Gerald Hörhan: Ich müsste mich damit deutlich mehr beschäftigen, um hierüber eine klare Aussage treffen zu können.
Kann es überhaupt ein Ziel sein, für einen berufstätigen Menschen, sich nebenher mit der Aktienanlage zu beschäftigen?
Gerald Hörhan: Selbstverständlich. Man sollte sich allerdings ein bis zwei Jahre intensiv mit der Materie beschäftigen, bevor man beginnt zu investieren.
Auf welche Strategie sollte der Privatanleger dabei setzen, sich nach und nach eigenes Know-how anzueignen, um irgendwann mit dem Handeln von Einzelaktien erfolgreich zu sein?
Gerald Hörhan: Mit wenig Geld ist dies kaum möglich, denn unter 1.000 Euro pro Transaktion sind die Transaktionskosten zu teuer, denn auch bei einem Discount Broker beträgt die Minimalgebühr zirka 10 Euro. Um das Depot breiter aufzustellen und zu streuen, benötigt man etwas mehr Kapital und natürlich neben Geduld auch das Know-how.
Wie sieht es mit "Daytrading" aus, also dem Ausnutzen kurzfristiger Kursbewegungen während des täglichen Börsenhandels?
Gerald Hörhan: Das lässt sich nebenher nicht bewerkstelligen, sondern wäre ein Fulltime-Job.
Sollte man, statt sich in der Anlage über einzelne Aktien aufzureiben, nicht doch lieber beispielsweise preisgünstige Indexfonds (so genannte ETF) bevorzugen, die das Risiko etwas breiter streuen?
Gerald Hörhan: Hier ist spezifische Kenntnis erforderlich, man muss den Prospekt genau lesen. Ich bevorzuge lieber direkte Investments, da fallen in der Regel weniger Gebühren an.
Welche Rolle spielt Gold in Ihrer Philosophie?
Gerald Hörhan: Derzeit sind die Bewertungen wieder günstiger geworden. Der Vorteil ist ihr Inflationsschutz, sowie die Möglichkeit, Gold in Krisensituationen mitnehmen zu können, der Nachteil ist, dass sie in US-Dollar gehandelt werden und keine Zinsen abwerfen. Fünf Prozent vom gesamten Depot kann man aber als Faustregel für Edelmetalle empfehlen.
Sie vertreten die Philosophie, dass eine Aktie dann interessant ist, wenn deren Buchwert höher als ihr Marktwert an der Börse ist. Kaufen Sie immer noch zu Monatsbeginn unabhängig von den Kurschwankungen am Markt einzelne Aktien oder hat sich Ihre Strategie mittlerweile geändert?
Gerald Hörhan: Ich setze da auf den Cost Average Effekt, der sich langfristig als Vorteil auswirkt, da der Durchschnittskurs beim Einkauf günstiger wird und die Emotionen draußen sind. Das ist aber nur eine von mehreren Komponenten, nach denen wir investieren. Unser System umfasst aber auch wirtschaftliche Basisindikatoren und andere Bewertungskriterien, woraus wir unser eigenes System gestrickt haben. Von automatisierten Tools sehen wir ganz ab.

Es gibt keine Blaupause, man muss die Risiken und Chancen immer sorgfältig abwägen

Sie werben auch mit dem Flair von Direktinvestitionen, was verstehen Sie darunter?
Gerald Hörhan: Man kann sich zum Beispiel direkt an einer Firma beteiligen, was sehr ertragreich sein kann, zum Beispiel an einem nicht an der Börse notierten Unternehmen, und dort entweder sein Know-how und/oder Kapital einzubringen. Aber hier ist besonders viel Know-how erforderlich, sonst ist das Geld schnell weg.
Darunter fiele auch die neue Investmentform Crowdinvesting, wo man über spezialisierte Internetplattformen direkt in mittelständische Unternehmen oder Startups sein Geld einsteuern kann. Was halten Sie davon, ist das ein Modethema für Sie?
Gerald Hörhan: Das Problem ist das mangelnde Mitspracherecht des Anlegers. Für die Unternehmen ist das sicherlich ein gutes Geschäft. Der private Investor muss dann aber sehen, wo sein Geld konkret bleibt. Wenn ein Private Equity Fonds in eine Firma investiert, hat er spezielle Mitsprache- und Kontrollrechte, bei den Crowdinvesting-Plattformen hingegen gibt es kaum direkte Einflussmöglichkeiten, was mit dem Geld der Anleger geschieht.
Wie schätzen Sie Anleger ein, die sich der Hilfe anderer bei der Aktienanlage über Social Trading Plattformen bedienen. Sehen Sie die finanzielle Schwarmintelligenz, sich hier an erfolgreiche Trader anzuhängen, die stellvertretend für den Privatanleger das investierte Geld managen, als viel versprechend an?
Gerald Hörhan: Ich würde sagen, dass man davon zwar etwas lernen kann, aber letztlich sollte man doch ein eigenes System entwickeln, sprich, sich hier selbst das notwendige Rüstzeug für die Börse aneignen. Den richtigen Ein- und Ausstieg sollte man selbst steuern und überblicken.
Wie legen Sie Ihr Geld persönlich an, wie investieren Sie es, und welche Rolle spielt das Konsumieren in ihrem Leben?
Gerald Hörhan: Ich selbst verdiene mehr, als ich ausgebe. Mit unserer Firma Pallas Capital verfolgen wir ansonsten ein opportunistisches Konzept des Investierens. Wir können auch länger abwarten, bis die richtige Gelegenheit kommt. In den letzten fünf Jahren haben wir viel in deutsche Immobilien investiert. Diese Zeit scheint jetzt allmählich abgelaufen, der Markt ist überteuert. Des Weiteren haben wir in direkte Firmenbeteiligungen investiert und in unterbewertete Aktien. Derzeit suchen wir nach neuen Anlagesystemen, wobei es auch hier keine Blaupause gibt. Man muss die Risiken und Chancen immer sorgfältig abwägen und sich sehr gut auskennen.
Noch ein Ausblick: Kann es für eine in sozialen Verpflichtungen und Zwängen gefangene Mittelschicht überhaupt ein realistisches Ziel sein, aus dem Hamsterrad auszubrechen. Welche Voraussetzungen müsste man hierfür mitbringen?
Gerald Hörhan: Zum ersten benötigen Sie Disziplin. Hinzu kommt ein Grundverständnis für die Relation von Risiko und Ertrag. Dann sollten sie sich, zumindest was den Bereich der Geldanlage angeht, mit Menschen umgeben, die wirtschaftlich und finanziell erfolgreich sind. Auch von finanziellen Einflüsterern, denen man blindlings vertraut, sollte man sich fernhalten. Und schließlich benötigen Sie noch einen gewissen Erfolgshunger, auch in finanziellen Dingen im Leben erfolgreich sein zu wollen. (Lothar Lochmaier)