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"Das wichtigste Rezept besteht darin, keine Konsumschulden zu machen"

"Investmentpunk" Gerald Hörhan über seine Finanzschule, die den richtigen Umgang mit Geld lehren soll

Der selbst ernannte "Investmentpunk" Gerald Hörhan (siehe Investmentpunks suchen nach Alternativen aus dem Hamsterrad [1]) hat vor zweieinhalb Jahren eine Finanzschule [2] gegründet, um Privatpersonen für mehr Bildung in finanziellen Fragen des Lebens zu motivieren. Das ist einerseits ein gutes Geschäft, andererseits scheint es dringend notwendig zu sein. Wie viel Finanzbildung braucht es, um erfolgreich zu sein? Kann der private Anleger den Fluss des Geldes überhaupt selbst produktiv steuern oder bleibt dies ein unerreichbares Ziel? Kurz, welche Kenntnisse und Fertigkeiten kann solch eine Finanzschule vermitteln?

Versprochen wird: "Hier lernen Sie Geld." Links auf dem Foto: Gerald Hörhan.
Herr Hörhan, in Ihrem Buch Investmentpunk schildern Sie die Mittelschicht als willfährig funktionierend im Hamsterrad. Sie empfehlen den Lesern auszubrechen und zurückzuschlagen. Wie viele Buchexemplare haben Sie denn verkauft, wie fiel die inhaltliche Resonanz aus?
Gerald Hörhan: Von dem Buch Investmentpunk sind rund 70.000 Exemplare verkauft worden. Es dürfte mittlerweile von mehr als 100.000 Menschen gelesen worden sein. Viele Menschen sind beispielsweise dazu bewogen worden, eine Eigentumswohnung zu kaufen, keine Konsumschulden zu machen und auch sonst keinen Blödsinn mit ihrem Geld anzustellen. Die Resonanz ist also insgesamt sehr positiv zu sehen. Auch viele junge Menschen haben das Buch gekauft, die im Leben etwas erreichen möchten und berechtigterweise die alten Eliten und Patentrezepte in Frage stellen.
Vor zweieinhalb Jahren haben Sie eine Finanzschule gegründet, um den Menschen den richtigen Umgang mit dem Geld zu vermitteln. Wie kam es zu der Idee und was ist das Ziel?
Gerald Hörhan: Wir möchten den Teilnehmern des Seminars zunächst wirtschaftliche Grundbegriffe näher bringen, die es für den richtigen Umgang mit dem Geld braucht. Im zweiten Schritt lernen die Teilnehmer dann konkret und detailliert, wie man etwa Immobilien, Aktien und Anleihen kauft oder Firmenanteile erwirbt. Es ist wie bei einer Fahrschule, denn ähnlich wie beim Autofahren sollte man vorher einen Kurs machen, um sich erfolgreich auf den Finanzmärkten bzw. als Investor zu bewegen.
Gerald Hörhan: Wie sieht in der Finanzschule die Aufgabenteilung zwischen Ihnen und Ihren Partnern aus?
Gerald Hörhan: Wir verkaufen keine Finanzprodukte, sondern befähigen die Leute, selbst erfolgreich zu sein. Dazu sind unterschiedliche Sichtweisen wichtig, zu denen wir mit der Finanzschule beitragen, aus denen die Teilnehmer die für sie jeweils passenden Schlussfolgerungen ziehen können.
Dass normale Menschen von Banken abgezockt werden ist nicht neu, aber wie kann der normal begabte Finanzanleger denn dagegen ankommen?
Gerald Hörhan: Das wichtigste Rezept besteht darin, erst einmal keine Konsumschulden zu machen oder kein Eigenheim auf Pump auf dem Land zu kaufen. Denn deren Wert sinkt aufgrund des Standorts in Zukunft. Ich rate deshalb zu einem Investment von kleineren Immobilien, sprich Eigentumswohnungen in größeren und mittleren Städten, deren Bewertung man allerdings genau unter die Lupe nehmen sollte. Da die Immobilienpreise in den letzten 2 Jahren stark angestiegen sind, muss man auch hier sehr vorsichtig sein. Der Normalbegabte könnte sich außerdem entweder selbst intensiver mit dem Investieren beschäftigen oder aber einen guten Berater suchen. Auch hierfür liefern wir entsprechendes Know-how und Bewertungskriterien. Aber noch einmal, die wichtigste Erkenntnis für Viele lautet erst einmal, jegliche Form von Konsumschulden zu vermeiden.

Den meisten Menschen fehlt es an Disziplin

Auf Ihrer Homepage sagen Sie, dass das Leben für 80 Prozent der Kursteilnehmer anschließend ohne nennenswerte Änderungen weiter geht. 20 Prozent aber würden beginnen, ihr Leben in finanziellen Dingen auf den Kopf zu stellen. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?
Gerald Hörhan: Das ist unser Praxiswert, der in etwa dem Vergleich aus amerikanischen Finanzseminaren entspricht. Wodurch kommt die hohe Quote zustande? Den meisten Menschen fehlt es an Disziplin. Wer die mitbringt und ein gewisses Streben entwickelt, der hat gute Karten, erfolgreich auch in Dingen der Geldanlage zu sein.
Wie sehen denn die Teilnehmer aus, aus welchen sozialen Schichten und Berufsgruppen stammen sie, gibt es auch Frauen, die sich für das Thema interessieren?
Gerald Hörhan: Da haben wir ein buntes Bild, von Alt bis Jung ist alles vertreten. Auch zwischen Arm und Reich ist alles vertreten. Wir haben rund 40 bis 80 Teilnehmer pro Kurs.
Wenn man hinter die Kulisse der Finanzschule blickt, so fällt auf, dass sich letztlich auch dort wieder professionelle Vermögensberater hinter den Coaching-Angeboten verbergen. Ist das nicht ein Widerspruch in sich, den Menschen einerseits den selbstbewussten Umgang mit den eigenen Finanzen zu vermitteln und sie andererseits doch wieder in die Fänge der so genannten Finanzberater = Produktverkäufer weiter zu reichen?
Gerald Hörhan: Vermögensberatung selbst bieten wir übrigens keine. Das ist ein Missverständnis. Wir bieten aber Coaching-Angebote an, um einzelne Themen Eins-zu-Eins weiter zu vertiefen. Die Palette umfasst dabei ganz unterschiedliche Aspekte, die ganz von den Bedürfnissen der jeweiligen Teilnehmer abhängen. Wir bieten beispielsweise Workshops und individuelle Coachings an, wo wir erklären, wie man eine Immobilie kauft oder sich an einer Firma beteiligt.

Vermögen aufzubauen, ist harte Arbeit

Es gibt viele denkbare und wenig erfolgreiche Patentrezepte, über Nacht reich zu werden. Haben Sie in Bitcoins investiert?
Gerald Hörhan: Über Nacht wird man nicht reich, Vermögen aufzubauen, ist harte Arbeit. Mit Bitcoins habe ich mich noch nicht beschäftigt, daher kann ich hier keine fundierte Meinung abgeben.
Hätten Sie ein solches Investment in Ihrem Kurs empfohlen?
Gerald Hörhan: Ich müsste mich damit deutlich mehr beschäftigen, um hierüber eine klare Aussage treffen zu können.
Kann es überhaupt ein Ziel sein, für einen berufstätigen Menschen, sich nebenher mit der Aktienanlage zu beschäftigen?
Gerald Hörhan: Selbstverständlich. Man sollte sich allerdings ein bis zwei Jahre intensiv mit der Materie beschäftigen, bevor man beginnt zu investieren.
Auf welche Strategie sollte der Privatanleger dabei setzen, sich nach und nach eigenes Know-how anzueignen, um irgendwann mit dem Handeln von Einzelaktien erfolgreich zu sein?
Gerald Hörhan: Mit wenig Geld ist dies kaum möglich, denn unter 1.000 Euro pro Transaktion sind die Transaktionskosten zu teuer, denn auch bei einem Discount Broker beträgt die Minimalgebühr zirka 10 Euro. Um das Depot breiter aufzustellen und zu streuen, benötigt man etwas mehr Kapital und natürlich neben Geduld auch das Know-how.
Wie sieht es mit "Daytrading" aus, also dem Ausnutzen kurzfristiger Kursbewegungen während des täglichen Börsenhandels?
Gerald Hörhan: Das lässt sich nebenher nicht bewerkstelligen, sondern wäre ein Fulltime-Job.
Sollte man, statt sich in der Anlage über einzelne Aktien aufzureiben, nicht doch lieber beispielsweise preisgünstige Indexfonds (so genannte ETF) bevorzugen, die das Risiko etwas breiter streuen?
Gerald Hörhan: Hier ist spezifische Kenntnis erforderlich, man muss den Prospekt genau lesen. Ich bevorzuge lieber direkte Investments, da fallen in der Regel weniger Gebühren an.
Welche Rolle spielt Gold in Ihrer Philosophie?
Gerald Hörhan: Derzeit sind die Bewertungen wieder günstiger geworden. Der Vorteil ist ihr Inflationsschutz, sowie die Möglichkeit, Gold in Krisensituationen mitnehmen zu können, der Nachteil ist, dass sie in US-Dollar gehandelt werden und keine Zinsen abwerfen. Fünf Prozent vom gesamten Depot kann man aber als Faustregel für Edelmetalle empfehlen.
Sie vertreten die Philosophie, dass eine Aktie dann interessant ist, wenn deren Buchwert höher als ihr Marktwert an der Börse ist. Kaufen Sie immer noch zu Monatsbeginn unabhängig von den Kurschwankungen am Markt einzelne Aktien oder hat sich Ihre Strategie mittlerweile geändert?
Gerald Hörhan: Ich setze da auf den Cost Average Effekt [3], der sich langfristig als Vorteil auswirkt, da der Durchschnittskurs beim Einkauf günstiger wird und die Emotionen draußen sind. Das ist aber nur eine von mehreren Komponenten, nach denen wir investieren. Unser System umfasst aber auch wirtschaftliche Basisindikatoren und andere Bewertungskriterien, woraus wir unser eigenes System gestrickt haben. Von automatisierten Tools sehen wir ganz ab.

Es gibt keine Blaupause, man muss die Risiken und Chancen immer sorgfältig abwägen

Sie werben auch mit dem Flair von Direktinvestitionen, was verstehen Sie darunter?
Gerald Hörhan: Man kann sich zum Beispiel direkt an einer Firma beteiligen, was sehr ertragreich sein kann, zum Beispiel an einem nicht an der Börse notierten Unternehmen, und dort entweder sein Know-how und/oder Kapital einzubringen. Aber hier ist besonders viel Know-how erforderlich, sonst ist das Geld schnell weg.
Darunter fiele auch die neue Investmentform Crowdinvesting, wo man über spezialisierte Internetplattformen direkt in mittelständische Unternehmen oder Startups sein Geld einsteuern kann. Was halten Sie davon, ist das ein Modethema für Sie?
Gerald Hörhan: Das Problem ist das mangelnde Mitspracherecht des Anlegers. Für die Unternehmen ist das sicherlich ein gutes Geschäft. Der private Investor muss dann aber sehen, wo sein Geld konkret bleibt. Wenn ein Private Equity Fonds in eine Firma investiert, hat er spezielle Mitsprache- und Kontrollrechte, bei den Crowdinvesting-Plattformen hingegen gibt es kaum direkte Einflussmöglichkeiten, was mit dem Geld der Anleger geschieht.
Wie schätzen Sie Anleger ein, die sich der Hilfe anderer bei der Aktienanlage über Social Trading Plattformen bedienen. Sehen Sie die finanzielle Schwarmintelligenz, sich hier an erfolgreiche Trader anzuhängen, die stellvertretend für den Privatanleger das investierte Geld managen, als viel versprechend an?
Gerald Hörhan: Ich würde sagen, dass man davon zwar etwas lernen kann, aber letztlich sollte man doch ein eigenes System entwickeln, sprich, sich hier selbst das notwendige Rüstzeug für die Börse aneignen. Den richtigen Ein- und Ausstieg sollte man selbst steuern und überblicken.
Wie legen Sie Ihr Geld persönlich an, wie investieren Sie es, und welche Rolle spielt das Konsumieren in ihrem Leben?
Gerald Hörhan: Ich selbst verdiene mehr, als ich ausgebe. Mit unserer Firma Pallas Capital verfolgen wir ansonsten ein opportunistisches Konzept des Investierens. Wir können auch länger abwarten, bis die richtige Gelegenheit kommt. In den letzten fünf Jahren haben wir viel in deutsche Immobilien investiert. Diese Zeit scheint jetzt allmählich abgelaufen, der Markt ist überteuert. Des Weiteren haben wir in direkte Firmenbeteiligungen investiert und in unterbewertete Aktien. Derzeit suchen wir nach neuen Anlagesystemen, wobei es auch hier keine Blaupause gibt. Man muss die Risiken und Chancen immer sorgfältig abwägen und sich sehr gut auskennen.
Noch ein Ausblick: Kann es für eine in sozialen Verpflichtungen und Zwängen gefangene Mittelschicht überhaupt ein realistisches Ziel sein, aus dem Hamsterrad auszubrechen. Welche Voraussetzungen müsste man hierfür mitbringen?
Gerald Hörhan: Zum ersten benötigen Sie Disziplin. Hinzu kommt ein Grundverständnis für die Relation von Risiko und Ertrag. Dann sollten sie sich, zumindest was den Bereich der Geldanlage angeht, mit Menschen umgeben, die wirtschaftlich und finanziell erfolgreich sind. Auch von finanziellen Einflüsterern, denen man blindlings vertraut, sollte man sich fernhalten. Und schließlich benötigen Sie noch einen gewissen Erfolgshunger, auch in finanziellen Dingen im Leben erfolgreich sein zu wollen.

URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3362942

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/features/Investmentpunks-suchen-nach-Alternativen-aus-dem-Hamsterrad-3387563.html
[2] http://www.diefinanzschule.com/seminar/
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Durchschnittskosteneffekt