Dauersumpf NSU

Grafik: TP

Im Zschäpe-Prozess und in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen wird weiter um die Wahrheit hinter der Mordserie gerungen

Deutschland im Januar 2018. - Vor dem Oberlandesgericht in München fordert eine Anwältin der Nebenklage die Fortsetzung der Ermittlungen. Sie hatte entdeckt, dass eines der Mordopfer in Nürnberg einen Konflikt gehabt hatte mit einem Neonazi-Kriminellen aus der Stadt, der nicht nur die Angeklagten Wohlleben und Gerlach kannte, sondern auch Mundlos.

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In Erfurt lädt der NSU-Untersuchungsausschuss von Thüringen drei Verfassungsschützer wieder aus, weil das Innenministerium sie nur in nicht-öffentlicher Sitzung befragen lassen will.

Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss von Brandenburg ergeben sich Hinweise, dass der V-Mann "Piatto", der Kontakt zum Umfeld des NSU gehabt hatte, möglicherweise früher als bisher bekannt für eine Verfassungsschutzbehörde tätig war.

Und in Stuttgart unternimmt der baden-württembergische Untersuchungsausschusses, der den Mord an der Polizistin Kiesewetter aufklären soll, einen ungewöhnlichen Schritt: Er versucht durch eigene Ermittlungen herauszufinden, was an den Spuren dran ist, die einen Zusammenhang mit der sogenannten Sauerland-Gruppe nahelegen. Mit zweifelhaftem Ergebnis.

München, Erfurt, Potsdam, Stuttgart - Schauplätze der Auseinandersetzung um die wahren Hintergründe des Skandals namens "NSU". Über sechs Jahre nach dem Auffliegen der Terrorgruppe kann von Aufklärung keine Rede sein und von Normalisierung erst Recht nicht. Der NSU-Skandal ist eine offene Wunde - oder treffender: ein tiefer werdender Sumpf. Der Grund dafür liegt im Verhalten derjenigen staatlichen Stellen, die eigentlich den gesetzlichen Auftrag haben, Verbrechen aufzuklären, aber das Gegenteil tun: Blockieren und vertuschen.

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