Depression: Bilder einer Krankheit

Alle Bilder: Gregor Theus/Kunsthochschule für Medien Köln

Gregor Theus' "Schattenzeit"

Dass dieser Film überhaupt in unseren Kinos kommt, ist schon ein kleines Wunder. Schließlich haben es Dokumentarfilme an sich schon schwer, laufen, wenn überhaupt, meistens im Spätprogramm des Fernsehens. Und wenn sie dann auch noch, wie in unserem Fall, ein schweres Thema wie Depressionen behandeln, sieht es vermarktungstechnisch noch finsterer aus. Gregor Theus "Schattenzeit" hat es jedoch geschafft, er ist den Oktober über zu sehen in ausgewählten Kinos der Republik (Termine verrät diese Netzseite und die Aufführungen werden oft von Diskussionen mit sogenannten Experten begleitet.

Im Mittelpunkt des einstündigen Films stehen drei schwer depressive Patienten der Berliner Charité: Olaf, Mona und Maria, die Theus zwei Jahre lang durch ihre Krankheit begleitet hat. Entstanden ist dabei, wie es heißt, eine der wenigen filmischen Langzeitstudien dieser Erkrankung. Allein das schon ist angesichts der gesellschaftlichen Tabuisierung der Depression ein Verdienst dieser filmischen Arbeit.

Was beim Betrachten besonders auffällt, ist, dass der Film ohne scheinbar allwissenden oder alles katalogisierenden Erzähler oder Kommentator auskommt, die Bilder der Krankheit und die erstaunlich offenen Gespräche mit den Erkrankten stehen also für sich. Und man gewinnt so einen ungewöhnlichen interessanten Einblick in das, was es bedeuten kann, an Depressionen zu erkranken.

Gezeigt werden aber auch Behandlungsformen, die immer noch umstritten sind beispielsweise die Elektrokrampftherapie (EKT), die mit der früheren Elektroschocktherapie - wie man sie auch aus einem Spielfilm wie „Einer flog über das Kuckucksnest“ kennt - kaum noch etwas zu tun hat. Für diese Therapie haben sich die drei gezeigten Patienten zudem freiwillig entschieden, ja, sie bedeutet für sie, die medikamentenresistent sind, Hoffnung aus ihrem krankheitsbedingten Jammertal herauszufinden. Die kritischen Aspekte der EKT werden in dem Film zwar nicht thematisiert, was man ihm ohne Zweifel vorwerfen kann. Aber immerhin zerstört er den Schrecken den solche „Elektroschocks“ immer noch haben.

Noch eine Schwäche des Films ist seine nahezu ausschließliche Konzentration auf die organische Seite der Depressionen. Dennoch ist er überaus sehenswert, weil er auf sensible Weise Verständnis für eine Krankheit herstellt, vor der keiner von uns geschützt ist.

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