Der Anfang vom Ende

Geht die Welt unter? Aber sicher! Bald? Aber ja: pünktlich zu Weihnachten in Farbe und Dolby Digital!

Der Bezahl-Fernsehsender Premiere beschäftigt sich ab dem ersten Weihnachtsfeiertag mit dem Ende. Nein, nicht seinem – dem der Welt. Und das nicht einmal, sondern jeden Abend erneut, um so richtig kuschlige Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.

Die Menschheit beschäftigt sich seit ihren Anfängen mit der Frage des Zeitpunkts ihres Untergangs und ist zudem immer wieder darum bemüht, diesen vorzuverlegen. Bisher hat die Welt jedoch zumindest diejenigen überlebt, die im Lauf der Geschichte jeweils ihren Untergang prophezeit hatten. Doch eines war ja klar: Wenn die Welt nun doch untergeht, so wird es im 21. Jahrhundert dekadent in Farbe am Fernseher geschehen.

Telepolis, gerne als Fachorgan für Verschwörungen und Weltuntergänge tituliert, wagt daher pflichtschuldigst die Prophezeihung, dass dieses Medienereignis zumindest in Deutschland nahe ist und sehr wahrscheinlich ab dem ersten Weihnachtsfeiertag stattfindet: Die sechsteilige US-Weltuntergangs-Mini-Serie Revelations (deutscher Titel: „Die Offenbarung") startet nämlich an diesem Tag im Pay-TV und führte dazu, dass man beim Sender in Unterföhring ins Grübeln kam und es genauer wissen wollte. Hier nun die schockierenden Erkenntnisse:

Unter den Vorhersagern der Apokalypse befinden sich neben vielen Sektenführern auch ein Papst – was wenig verwundert – mit dem thematisch passenden Namen Sylvester II. Der letzte Tag des Jahres wurde allerdings nicht nach ihm benannt – er hat ja ein i und kein y im Namen. Doch auch ein Wissenschaftler – Sir Isaac Newton – betätigte sich als Kassandra.

Papst Sylvester II (Bild: Premiere)

999 verkündete der Papst, dass in der Nacht zum neuen Jahrtausend die Welt untergehen würde. Schnell brach eine Massenhysterie aus, die zahlreiche Todesopfer forderte. Dabei wurden Zauberer und andere suspekte Gestalten gelyncht. Als das Volk am 1. Januar 1000 unbeschadet die Sonne erblickte, zeigte sich der Papst pragmatisch und behauptete, dass es seine Gebete waren, die das Ende der Welt verhindert hätten. Circa 100 Jahre nach seinem Tod mehrten sich Gerüchte, Sylvester II. sei mit dem Teufel im Bunde gewesen.

Im Jahr 1999 spielten christliche Missionare dasselbe Spielchen erneut in Papua Neu-Guinea, um die „Wilden“ noch rechtzeitig zu bekehren. Alle, die Federn und Stammesschmuck ablegten und sich schnell noch rechtzeitig taufen ließen, kamen mit dem Leben davon. Die anderen allerdings gnädigerweise auch. Die Missionare hatten es aber trotz aller Vermutungen der vom Weiterleben im Jahr 2000 überraschten Krieger nicht auf den abgelegten Schmuck abgesehen.

Sir Isaac Newton (Bild: Premiere)

Sir Isaac Newton, der Vater der modernen Wissenschaft, konnte dagegen mit seiner Voraussage noch nicht widerlegt werden. Er soll den Weltuntergang für das Jahr 2060 vorausgesagt haben, wenn man Dokumenten glaubt, die vor drei Jahren in der Nationalbibliothek Jerusalem gefunden und in einer BBC-Sendung veröffentlicht wurden.

Newton setzte sich Zeit seines Lebens intensiv mit schmerzhaften Dingen wie auch der Frage nach dem Ende der Welt auseinander und schrieb darüber etwa 4500 Seiten. Vor der Veröffentlichung der Dokumente aus der Nationalbibliothek Jerusalem ging man davon aus, dass er sich dabei auf keine Jahreszahl festlegen wollte.

Vermutlich in dem Moment, als letzten Freitag Hans Müller seine neue Flamme Sabine Maier mit „Meine liebe Susanne“ ansprach. Der letzte in größerem Rahmen vorhergesagte (und übrigens, falls Sie es noch nicht mitbekommen haben sollten, nicht eingetretene!) Weltuntergang sollte am 12. September 2006 in Form eines Atomkriegs beginnen. Die Ankündigung stammte vom Prediger Yisrayl Hawkins der Sekte "House Of Yahew" und wurde über ein Videoportal im Internet verbreitet.

Yisrayl Hawkins (Bild: Premiere)

Zu seinen Quellen zählt die Johannes-Offenbarung, aus der Hawkins herauslas, dass ein Atomkrieg ein Jahr, einen Monat und einen Tag vor dem Ende des Oslo-Abkommens stattfinden würde. Ein Atomwaffendepot gehörte glücklicherweise nicht zu seinen Quellen.

2004 stellte der angesehene britische Astronom Sir Martin Rees folgende Liste der wahrscheinlichsten Weltuntergangsszenarien zusammen: Auf Platz 1 landete mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3 die atomare Bedrohung, auf Platz 2 Killerviren (1:10), gefolgt von einem Angriff durch bösartige Nano-Maschinen (1:1000), einem Asteroiden-Einschlag (1:1000) und einem Unfall mit einem riesigen Teilchenbeschleuniger (1:100.000).

Die US-Serie "Revelations" basiert auf der „Offenbarung des Johannes“ (engl. "Book of Revelation" oder "Apocalypse of John").

Die abschließenden Kapitel der Bibel nehmen heute neben dem Buch Daniel, dem Buch Ezechiel, den Endzeitreden Jesu und den Thessalonicher-Briefen eine zentrale Stellung in der christlichen Endzeitlehre ein. Bis heute ist die Identität des Autors des Textes umstritten. Da die Offenbarung in die Zeit der gewaltsamen Christenverfolgungen durch die Römer ans Ende des 1. Jahrhunderts datiert werden kann, wird der Apostel Johannes mittlerweile als Urheber ausgeschlossen. Der Autor selbst bezeichnet sich am Anfang der Offenbarung als "Knecht" Jesu und als "Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis", der auf der Insel Patmos in Verbannung lebte.

Johannes aus Patmos

Auf Patmos wird heute der "Heilige Johannes aus Patmos" verehrt. Viele halten ihn für identisch mit "Johannes dem Presbyter" (auch "dem Älteren"), der ein Lehrer von Bischof Papias von Hierapolis (70-130 n. Chr.) war, einem der ersten Kirchenführer. Auf Patmos ist heute die Johannesgrotte bzw. Grotte der Apokalypse zu besichtigten, in der Johannes die Offenbarung niedergeschrieben haben soll.

Auf jeden Fall ist das Urheberrecht seit längerem abgelaufen, was die Erstehungskosten für „Relevations“ deutlich reduzierte und deshalb diesem Projekt den Vorzug gab gegenüber möglichen Alternativen wie der „Offenbarung der Jeanette Biedermann“.

Die Meinungen sind hier nicht einheitlich. Die einen sagen Charles Manson, die anderen Marylin Manson. Nur Luzifer ist es komischerweise nie. In "Revelations" entpuppt sich der Sektenführer Isaiah Haden als der Anti-Christ.

Ursprünglich taucht der Begriff "Anti-Christ" (griech. für "gegen den von Gott Gesalbten") in der Bibel nur an vier Stellen in den Johannesbriefen auf. Er bezeichnet dabei allgemein Irrlehrer, die Christen in ihrem Glauben verunsichern. Die Johannes-Offenbarung warnt vor einer Macht, die Christus imitiert und absolute Verehrung verlangt. Dies spielte wohl ursprünglich auf den Kaiserkult im Römischen Reich an und richtete sich in der späteren Interpretation gegen politische Führer im Allgemeinen.

Erst im 2. Jahrhundert nach Christus beschäftigten sich die Kirchenväter mit einer Figur des Anti-Christen. Dabei zogen sie u. a. Bibelstellen heran, in denen der Begriff nicht auftaucht. Im Lauf der Geschichte bis in die Neuzeit hinein wurde der Begriff immer wieder antisemitisch verwendet.

Das „Buch der sieben Siegel“ ist eigentlich eine beidseitig beschriebene Buchrolle, die in der Johannes-Offenbarung die zentrale Rolle einnimmt. Geöffnet werden dürfen die Siegel weder von Mensch noch Engel. Dessen ist nur ein Lamm, das symbolisch für das Opfer Jesu Christi steht, würdig.

Doch nützen wird ihm das auch nichts, denn folgende Dinge geschehen, falls das Lamm die Siegel öffnet: Bei den ersten vier Siegeln werden die vier apokalyptischen Reiter auf die Erde losgelassen. Der erste auf einem weißen Pferd, der zweite auf einem feuerroten, der dritte auf einem schwarzen und der vierte auf einem fahlen, todesähnlichen Pferd.

Die apokalyptischen Reiter – in schwarzweiß und daher schwer zu unterscheiden

Nach dem Öffnen des fünften Siegels erscheinen die Seelen aller Märtyrer. Sie fordern Vergeltung für ihren Tod. Beim sechsten Siegel beginnt die Erde zu beben, die Sonne wird schwarz, der Mond blutrot, die Sterne fallen vom Himmel herab und Berge und Inseln bewegen sich von ihrem Ort weg. In dieser Phase werden die vor Gott Gerechten gerettet. Nach dem Öffnen des siebenten und letzten Siegels kehrt für eine halbe Stunde lang Stille ein. Danach beginnt das Ende der Welt. Es wird durch sieben Engel mit Posaunen und einen achten mit einem Rauchfass ausgelöst.

Wenn man davon spricht, etwas sei für einen „wie ein Buch mit sieben Siegeln“, so besagt dies allerdings nur, dass man überhaupt nichts verstanden hat. Dies könnte auch dem Leser dieser Zeilen passieren. Lebensgefährlich ist dies jedoch nicht.

Laut der Johannes-Offenbarung erfahren nach Gottes Sieg über den Teufel Erde und Himmel eine Erneuerung und es wird aus dem Himmel eine neue Stadt herabfahren: das Neue bzw. Himmlische Jerusalem.

In Kapitel 21 des Buches wird diese Stadt beschrieben: Sie soll einen quadratischen Grundriss haben, von Mauern umgeben sein und hell erstrahlen. Auf jeder Seite der Stadtmauer befinden sich drei Stadttore, auf denen insgesamt zwölf Engel stehen. Auf den Toren sind die Namen der zwölf Stämme Israels vermerkt. Die Seitenlänge liegt bei umgerechnet etwa 2000 Kilometern, die Gebäude in der Stadt sollen ebenso hoch sein. Gott liebt also Wolkenkratzer, doch die Luft dürfte in 2000 Kilometern Höhe ziemlich dünn sein.

Das „himmlische Jerusalem“ in einer historischen Zeichnung

Zirka 250 n. Chr. lehrte der Führer einer christlich-prophetischen Bewegung, Montanus, dass sich das himmlische Jerusalem zwischen zwei Dörfern im phrygischen Reich (ungefähr in der heutigen Türkei) befinden müsse. Seine Anhänger pilgerten dorthin, kehrten aber kurze Zeit später enttäuscht wieder in ihre Heimatorte zurück. Ob dies auch bei den Fernsehzuschauern ab 25. Dezember der Fall ist, wird man sehen.

Und was, wenn man nun gar kein Premiere oder gar keinen Fernseher hat? Na, davon geht die Welt dann auch nicht unter…

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