Der Beschiss mit den Kosten

Der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen

Eine diffuse Ahnung vom Kosten-Beschiss der Lebensversicherer haben wir wohl alle. Ganz gleich, ob wir mit Freunden auf der Weihnachtsfeier des Sportvereins tratschen oder mit Fremden auf einer Zugfahrt ins Gespräch kommen: Die meisten von uns sind der Ansicht, dass Allianz, Ergo & Co. in ihren Glaspalästen "so richtig Geld scheffeln", dass sie unsere Kundengelder für teure Dienstwagen verbraten, fette Boni kassieren. Oder dass sie es auf teuren Kreuzfahrttrips, die erfolgreichen Versicherungsverkäufern als Belohnung winken, so richtig krachen lassen. Schulterzuckend kreiden wir dies der Branche an. Doch das Ausmaß, in dem jeder von uns das Ganze mit seinen Prämien finanziert, kennen wohl nur die wenigsten.

Auch die Auswirkungen des Kosten-Beschisses, der große Teile der Versicherungsprämien auf Nimmerwiedersehen verschwinden lässt wollen nur wenige wahrhaben. Getrieben von einer kindlichen Hoffnung vermuten sie, dass am Ende doch alles gut wird, dass wie in der Dreigroschenoper "des Königs reitender Bote" auftaucht und für eine gute Verzinsung und eine tolle Ablaufleistung der privaten Altersversorgung sorgt.

Doch leider sind wir nicht im Theater, sondern im realen Leben. Und die Wahrheit, die alle Versicherten einholen wird, ist grausam. Es ist die Logik von Unternehmen, die enorme Kosten produzieren und die genug "Dumme" gefunden haben, die dafür klaglos aufkommen: die Versicherten. Die kennen weder Details noch Ausmaß des Kosten-Beschisses. Aber, ehrlich gesagt, so genau will man das ja auch gar nicht wissen. Dieses ungute Gefühl eint Millionen Deutsche, und gleichzeitig wird es tapfer verdrängt. Wer ist schon gerne Opfer?

Der hier veröffentlichte Text ist ein Auszug aus dem gerade erschienenen Buch "Garantiert beschissen - der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen" von Holger Balodis und Dagmar Hühne. Die Autoren zeigen darin: Lebensversicherungen erzeugen mit Sicherheit hohe Verluste - für die Kunden! Die Versicherer tricksen mit Garantien, verstecken Gewinne, produzieren Kosten auf Teufel komm raus. Und das mit Hilfe des Staates: Parteien und Spitzenpolitiker tun alles, um die Altersversorgung von Millionen Bürgern zu ruinieren.

Und so sehen die Fakten aus: An Abschluss- und Verwaltungskosten weisen die deutschen Lebensversicherer jährlich rund 10 Milliarden Euro aus. Das sind aber nur die offiziell genannten Kosten. Wie hoch die Kosten wirklich sind und welcher Schaden den Kunden dadurch entsteht, kann man nur ahnen. Der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein hat errechnet, dass private Rentenversicherungen in der Ansparphase eine echte Kostenquote von bis zu 20 Prozent aufweisen. Eine positive Rendite kann unter solchen Bedingungen kaum erzielt werden.

Aber manchmal ist der Kosten-Beschiss so extrem, dass er selbst hartgesottene Brancheninsider erschüttert. Zum Beispiel Eberhard Stopp, einen erfahrenen Makler aus Rochlitz bei Chemnitz. Er hatte vor Jahren einer Mutter eine sogenannte "Kinderrente" vermittelt. Sie zahlte 25 Euro monatlich in eine Rentenversicherung für ihr Kind ein. Makler Stopp war später ebenso wie seine Kundin entsetzt, als er herausfand, dass davon regelmäßig 10 Euro für Kosten draufgingen. In den Versicherungsbedingungen war davon nichts zu erkennen.

"Das konnte niemand sehen", war es dem alten Hasen Stopp sichtlich peinlich, "aber das musste zum Desaster führen. Da brauchen wir über Rendite nicht mehr zu reden. Ich hab der Frau dann meine Courtage als Entschädigung ausbezahlt." Doch so fair und anständig handeln wohl nur wenige Vermittler. Stopp ist einer jener Makler, die mittlerweile private Rentenversicherungen für vollkommen ungeeignet in Sachen Altersvorsorge halten. Riester- und Rürup-Verträge vermittelt er prinzipiell gar nicht mehr.

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