Der Fall Marc-Jan Eumann (7)

Bild: Kristina Paukshtite/Pexels

Wie man in Rheinland-Pfalz Stellvertretender Landesmediendirektor wird

Was bisher geschah:

Folge 1: Wie man in Rheinland-Pfalz Landesmediendirektor wird

Folge 2: Eine öffentliche Wahl als Staatsgeheimnis

Folge 3: Der beste Rundfunkbeitrag aller Zeiten!

Folge 4: Rheinland-Pfalz - Rechtsstaat oder failed state?

Folge 5: Rheinland-Filz

Folge 6: Nachlese

Nach den Querelen um die gemauschelte "Wahl" des Herrn Dr. Marc-Jan Eumann (SPD) zum Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) von 2017 hatten die Rheinland-Pfälzer das entsprechende Gesetz geändert:

"Bewerberinnen und Bewerber sind durch öffentliche Stellenausschreibung zu ermitteln. Das Auswahlverfahren ist zu dokumentieren und der Vorschlag gegenüber der Versammlung zu begründen."

Zum Jahreswechsel nun suchte man einen Nachfolger für den Stellvertretenden Direktor, der in 30 Jahren für sich ca. drei Millionen Euro aus den Rundfunkbeiträgen erwirtschaften konnte. Wer und wie viele Interessenten sich beworben haben, ist offenbar ein Staatsgeheimnis.

Eine eingesetzte Findungskommission nahm eine Vorabprüfung vor, stellte jedoch offenbar der LMK-Versammlung am 07.12.2020 nur einen einzigen Kandidaten vor. Ähnlich lief es 2017, wo ebenfalls nur ein Kandidat präsentiert wurde.

Es gab jedoch mindestens einen weiteren: Der Autor dieser Zeilen, im Gegensatz zu Herrn Dr. Eumann Volljurist und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, ließ es sich nicht nehmen und bewarb sich, um Herrn Dr. Eumann sachkundig unter die Arme zu greifen.

Bereits Kommunikation mit der Landeszentrale für Medien und Kommunikation ließ erahnen, dass dort beim Datenschutz noch Kompetenz einzubringen ist: So bot die LMK, die Bewerbungen per E-Mail erbat, keine Möglichkeit, eine solche verschlüsselt zuzusenden, auch nicht auf Nachfrage. Stattdessen sandte Direktor Dr. Eumann dem Autor ein verschlüsseltes Schreiben im WORD-Format. Das Passwort sandte man mit einer weiteren E-Mail im Klartext an dieselbe Adresse. Es lautete: "kompa".

Der Autor reiste im August durch die Corona-verseuchte Republik nach Ludwigshafen in die Höhle des Löwen, um sich die monatlichen ca. 10.000 Euro zu sichern. Das Vorstellungsgespräch verlief trotz der Irritationen von 2017/18 harmonisch und zufriedenstellend. Im Oktober bat man den Autor um Geduld für das Bewerbungsverfahren. Sobald das Verfahren abgeschlossen sei, werde man den Autor "umgehend" informieren.

Der Autor rechnete also damit, zu einer Auswahl an Kandidaten zu gehören, welche der Versammlung der LMK präsentiert würde. Am 22.12.2020 teilte man dem Autor mit, dass inzwischen ein Kandidat gewählt worden sei und wünschte ihm ein frohes Weihnachtsfest.

Ob das Auswahlverfahren dokumentiert wurde, wie es das Gesetz verlangt, kann der insoweit im Dunkeln gelassene Autor nicht beurteilen. Vielleicht findet sich ja ein freundlicher Hacker und schaut nach. Das Password dürfte "eumann" oder so ähnlich lauten.

Durch seine Qualifikation, welche der Autor in die Waagschale warf, konnte er wenigstens dazu beitragen, dass die Wahl eines minder professionellen Kandidaten politisch kaum zu vermitteln gewesen wäre.

Tatsächlich ist der nun gewählte Medienjurist Dr. Christopher Wolf zweifellos vom Fach, und er erfüllt auch die vermutlich einzig in Rheinland-Pfalz wirklich erforderliche Qualifikation, nämlich den Besitz des richtigen Parteibuchs.

Die Stellen von Direktor und Stellvertreter werden in Rheinland-Pfalz traditionell paritätisch auf die beiden Volksparteien verteilt.

Der Autor gratuliert Herrn Dr. Christopher Wolf zu seiner neuen Stelle und wünscht ihm ebenfalls frohe Weihnachten. (Markus Kompa)