Der General

Wesley Clark will mit Michael Moore und Militärerfahrung ins Weiße Haus

Der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark kann im Kampf ums Weiße Haus auf eine vielfältige Gefolgschaft setzen. Einige Netz-Unterstützer der ersten Stunde haben sich mittlerweile jedoch von ihm abgewandt.

Am 27. Januar findet im US-Bundesstaat New Hampshire die zweite Etappe der Vorwahlen statt, die über den Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Partei entscheiden werden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit wird an diesem Tag Wesley Clark stehen. Der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber hat sich erst spät zu seiner Kandidatur entschlossen. Er beteiligte sich nicht an dem Wahlkampf in Iowa und konzentriert sich ganz auf New Hampshire. Ein Erfolg dort könnte ihm genug Schwung geben, um auch in den folgenden Bundesstaaten zu punkten. Eine Niederlage könnte dagegen Zweifel an seinen Chancen gegen Bush aufkommen lassen.

Dabei stehen die Chancen für Clark bisher gar nicht so schlecht. Lange galt es als ausgemacht, dass Dean (Der Herausforderer) New Hampshire mit weitem Abstand gewinnen würde. Die jüngsten Polls sehen Clark weiterhin auf Platz zwei, doch der Abstand zum ehemaligen Gouverneur Vermonts verringert sich merklich. Auftrieb verschaffen Clark nicht zuletzt eine ganze Reihe von prominenten Unterstützern. Bemerkenswerterweise gehört dazu auch der Filmemacher und Buchautor Michael Moore. Auf seiner Website erklärt Moore dazu selbstironisch:

Ein Friedensaktivist stimmt für einen General. Was für ein Land!

Dabei geht es Moore nicht in erster Linie um die politischen Positionen Clarks. In seinen Augen hat ein General die besten Chancen, Bush im Herbst abzulösen. Clark stelle möglicherweise die einzige Möglichkeit da, in Bundesstaaten wie Florida oder Ohio gegen Bush zu gewinnen. Moore will deshalb die kommenden Wochen damit verbringen, Clark im Wahlkampf zu helfen.

Einberufen aus dem Netz

Clark entschloss sich offiziell erst Mitte September zur Kandidatur. Die meisten seiner Konkurrenten arbeiteten bereits Anfang 2003 am Aufbau ihres Wahlkampfes. Dem vorausgegangen waren im Falle Clarks jedoch Monate voller Andeutungen und Erwägungen.

Gleichzeitig mobilisierten einige Websites für eine "Einberufung" Clarks zur Kandidatur. Lokale Treffen wurden organisiert, Spenden in Millionenhöhe für den Fall einer Kandidatur zugesichert. Mit Radio-Werbespots, Unterschriftensammlungen und unzähligen Briefen versuchten die Netz-Aktivisten, Clark für ihr Ansinnen zu gewinnen. Als dieser schließlich seinen Eintritt ins Rennen erklärte, feierten die beteiligten Websites dies als ihren Sieg.

Lange wollte die Freude jedoch nicht währen. Schon nach kurzer Zeit bemängelten einige Netz-Aktivisten, kaum in die Kampagne mit einbezogen zu werden. Diese Kritik verstärkte sich, als Anfang Oktober Clarks Kampagnen-Manager Dannie Fowler kündigte. Fowler erklärte, er befürchte, dass die Internetgefolgschaft von Clarks Mitarbeitern nicht ernst genug genommen werde. Statt dessen werde die Kampagne weitestgehend von Washington aus gelenkt. Tatsächlich hat sich Clark eine ganze Reihe von Beratern gesichert, die aus dem Umfeld Bill Clintons und Al Gores stammen.

Die Positionen des Generals

Als Clark seinen Wahlkampf begann, waren seine politischen Positionen noch weitestgehend unbekannt. Er hatte sich als Kritiker des Irak-Kriegs hervorgetan und galt dank seines Nato-Jobs als außenpolitisch erfahren. Mittlerweile versucht Clark jedoch, seinen Wahlkampf auf innenpolitische Themen zu konzentrieren. Er will Familien durch eine Steuerreform entlasten, in Bildung und College-Stipendien investieren und setzt sich wie seine Konkurrenten auch für eine grundlegende Reform des Krankenversicherungswesens ein. Clark will die derzeitigen Beschränkungen in der US-Stammzellenforschung aufheben. Er setzt sich für "fairen Freihandel" ein, bezieht jedoch keine Stellung zu den aktuellen Verhandlungen um das FTAA-Freihandelsabkommen.

Clark verteidigt den Kriegseinsatz in Afghanistan und verspricht, die Suche nach Osama bin Laden zu intensivieren. Im Irak will er einen Richtungswechsel herbeiführen, indem er die internationale Gemeinschaft einbezieht und die Besetzung des Landes zur Nato-Operation erklärt. Gleichzeitig erwägt er, die Zahl der im Irak stationierten Soldaten zu erhöhen.

Clark möchte den Patriot Act überprüfen und in Teilen widerrufen. Gleichzeitig will er 40 Milliarden in den Heimatschutz investieren. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitkandidaten geht Clark in seinem Online-Wahlprogramm auch auf die Kontroverse um elektronische Wahlmaschinen ein. So verspricht er, die Absicherung elektronisch ausgezählter Stimmen über Stimm-Ausdrucke durchzusetzen. Urheberrechts- oder Internetthemen sucht man jedoch auch in seinem Wahlkampfprogramm vergebens.

Ein Republikaner mit falschem Parteibuch?

Clark setzt das Internet mittlerweile recht pragmatisch als Wahlkampf-Instrument ein. Bemerkenswert ist, dass er an Stelle eines redaktionell betreuten Weblogs auf ein Gemeinschaft-Blog setzt, das auf einer Reihe von Mitglieder-Weblogs basiert. Dabei entscheiden die Blog-Autoren in bester Community-Manier per Wertung, welche Einträge auf der Titelseite landen. Insgesamt scheint dieser Teil der Clark-Website jedoch deutlich weniger populär als Howard Deans redaktionell betreutes Blog for America. Dafür ist es Clark gelungen, das Netz wie Dean erfolgreich zum Spendensammeln einzusetzen. Im vierten Quartal des letzten Jahres erzielte er mehr als 10 Millionen US-Dollar.

Mit wachsendem Bankkonto und steigender Popularität muss sich auch Wesley Clark zunehmend gegen die Kritik seiner Gegner verteidigen. So gibt es immer wieder Kontroversen zu der Frage, ob Clark wirklich gegen den Irak-Krieg war. Dass er als Nato-Oberbefehlshaber die Bombardierung Jugoslawiens geleitet hat, macht progressive Demokraten ebenfalls skeptisch. Diskussionen gibt es schließlich auch um seine Treue zur demokratischen Partei. Der Grund: Als Clark seine Kandidatur bekannt gab, war er noch gar nicht als Mitglied der Demokraten registriert. Außerdem ist bekannt, dass er für die republikanischen Präsidenten Reagan und Nixon gestimmt hat. Besonders pikant ist, dass er noch im Mai 2001 auf einer Veranstaltung der Republikaner auftrat, um Bush und sein Team in höchsten Tönen zu loben. (Janko Röttgers)

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