Waffen- und Drogenhandel im Dienst der US-Regierung

Sind das nicht olle Kamellen? Schmutzige Wäsche von vorgestern? Keineswegs, denn die schrecklich nette Familie Bush betreibt nach wie vor im großen Stil jenes "Dealing with the Enemy", das schon einst die Großväter reich machte. Der junge George W. erhielt das Geld für seine erste eigene Ölfirma "Arbusto" Ende der 70er Jahre vom US-Vermögensverwalter der saudischen Familie Bin Laden. Und beim Militär-Investor "Carlyle Group", die sein Vater repräsentiert und die von einigen seiner ehemaligen Kabinettskollegen geleitet wird, waren bis Oktober 2001 auch 2 Millionen Dollar des Bin Laden Clans investiert. Der italienische Großindustrielle Carlo de Benedetti, der am 11.9. 2001 einen Vortrag im World Trade Center halten sollte, berichtete dem "Corriere della Serra" (14.12.02) in einem Interview:

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Und wissen Sie, wo ich am Abend vor dem Attentat war? Bei einem Abendessen im National Building Museum, mit George Bush senior und der Familie Bin Laden, alle auf Einladung der Carlyle Group, einer amerikanischen Finanzgesellschaft.

"So ist er, der globale Kapitalismus", fügt das Blatt für all jene hinzu, denen bei dieser Nachricht möglicherweise die Kinnlade herunterklappt. Wir wissen nicht, welche Geschäftsentwicklungen der Carlyle-Repräsentant Bush sen. den Investoren bei diesem Dinner in Aussicht stellte, sicher aber ist, dass die Firma als einer der größten Rüstungsinvestoren der USA zu den großen Profiteuren des "War on Terror" von Bush jun. gehört.

Sicher ist auch, dass zur gleichen Zeit, als Reagan, Rumsfeld & Co. in den 80er Jahren den netten Diktator Saddam Hussein gegen den "fundamentalistischen" Iran aufrüsteten, die Ayathollas im Iran ebenfalls mit Waffen beliefert wurden, in einer klandestinen "Special Operation" des US-Militärs und der Geheimdienste, aus dem Weißen Haus geleitet von Ltd. Oliver North. Um die demokratisch gewählte Regierung Nicaraguas zu stürzen, erhielten auf diesem Kanal auch die dortigen "Contra"-Terroristen US-Waffen - und fungierten dafür als Zwischenstation für Lieferungen kolumbianischen Kokains.

Der wohl größte Drogenschmuggler der Geschichte, Barry Seal, brachte auf diesem Weg von 1979-1984 monatlich bis zu 2 Tonnen Kokain in die USA - im Auftrag und unter dem Schutz der CIA. Als er 1986 erschossen wurde, fand man in seiner Brieftasche die Telefonnummer eines seiner Protegés: des Vizepräsidenten und Ex-CIA-Chefs George Bush. Ebenfalls lange bekannt war Barry Seal, der seine Operationen über den abgelegenen Flughafen Mena in Arkansas abwickelte, mit dem damals zuständigen Generalstaatsanwalt des Bundesstaats, unter dessen Augen diese Großimporte stattfanden: Bill Clinton. Der Rechtsanwalt, der die Clintons durch den Whitewater-Skandal boxte - Richard Ben-Veniste - verteidigte auch Seal. Und der Vermögensverwalter, der aus Hillary Clintons 10.000 Dollar im Handumdrehen 100.000 gemacht hatte, war an Seals Tarn- und Geldwäsche-Firmen beteiligt.

Als eine der Maschinen von Seals Schmuggelflotte bei einem Transportflug abgeschossen wurde, flogen die als "Iran-Contra-Skandal" bekannt gewordenen Milliardengeschäfte im staatlich sanktionierten Drogen- und Waffenhandel auf. Ein Untersuchungsauschuss wurde eingerichtet und einige Beteiligte aus dem Reagan/Bush-Statedepartment wurden verurteilt, um wie Richard Armitage oder John Pointdexter von Bush jun. wieder rehabilitiert und mit einflussreichen Ämtern bedacht zu werden. Dass die wahren Zusammenhänge nie aufgedeckt wurden - geschweige denn der Sumpf aus Geheimdiensten und organisierter Kriminalität je trockengelegt wurde -, hat vor allem wohl damit zu tun, dass "Barry & the Boys" so klug waren, Millionen an Schmiergeldern zu verteilen - an einflussreiche Politiker und Strippenzieher beider Parteien.

Unter dem Titel Barry & the Boys - The CIA, the mob and the secret american history hat der amerikanische Investigativ-Journalist Daniel Hopsicker eine 500-seitige akribische Recherche über das Leben Barry Seals vorgelegt, die anders als die verschiedenen Hollywood-Adaptionen seiner abenteuerlichen Biographie ("Doublecrossed" mit Dennis Hopper) versucht, diesem Sumpf von Politik und Verbrechen wirklich auf die Spur zu kommen. Der offiziellen Legende nach hatte sich der "frühere Drogen- und Waffenschmuggler" Seal zum "wichtigsten Informanten der DEA" (Drug Inforcement Agency) gewandelt und wurde wegen dieses Verrats von einem kolumbianischen Killerkommando 1986 erschossen.

Hopsickers Nachforschungen und Zeugenbefragungen ergeben indessen ein ganz anderes Bild. Zum einen hatte Seal keinerlei Befürchtungen, von seinen lateinamerikanischen Geschäftspartnern bedroht oder gar ermordet zu werden - stattdessen stand ihm ein von der Steuerbehörde IRS betriebenes Gerichtsverfahren in den USA bevor und er hatte wenige Tage vor seinem Tod gedroht auszupacken, wenn man ihm die Steuerforderung von 30 Millionen Dollar nicht vom Hals schaffe. Als sein Anwalt Lewis Unglesby fragte, wie er ihn verteidigen solle, wenn er die Hintergründe nicht kenne, gab er ihm eine Telefonnummer:

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Barry schob mir das Telefon rüber und sagte: "Du willst wissen, was los ist? Hier, wähle diese Nummer. Sag Ihnen Du wärest ich", erklärte Unglesby. Als ich tat, was er mir sagte, war eine weibliche Stimme am Apparat: "Büro von Vizepräsident Bush, was kann ich für Sie tun?" - Ich sagte: "Hier ist Barry Seal." Sie bat mich zu warten, sie würde verbinden, was dann auch augenblicklich geschah. Ein Mann nahm den Hörer auf, identifizierte sich als Admiral soundso und sagte zu mir: "Barry, wo hast Du gesteckt?" Als ich ihm sagte, dass ich nicht Barry Seal sondern sein Anwalt sei, so Unglesby, "knallte er den Hörer abrupt auf die Gabel.

Ist das nur die Geschichte eines - so die Fortsetzung der offiziellen Legende - aus dem Ruder gelaufenen Agenten, dessen Privatgeschäften man auf die Schliche gekommen ist und der nun versucht, seinen Ex-Boss zu erpressen? Hopsickers Recherche dokumentiert, dass es sich bei Barry Seal um alles andere als um einen kleinen Fisch handelte. Wäre die Rolle des fiktiven James Bond mit einem realen Agenten aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu besetzen, Seal wäre ein Top-Anwärter auf den Posten.

Mit 16 macht er den Pilotenschein und wird Kadett der "Civil Air Patrol", mit 18 fliegt er erste "special operations" (illegale Waffen nach Kuba), kaum über 20 ist er der jüngste Boeing-707 Pilot weltweit und fliegt, unter dem offiziellen Cover als Kapitän der TWA, immer wieder illegale Einsätze mit Drogen- und Waffenlieferungen: Kuba, Honduras, Guatemala, Vietnam, Laos, Bolivien, Kolumbien; Marihuana, Opium, Heroin, Kokain, sowie Waffen und Sprengstoffe aller Art. Seine Flugzeuge - zeitweilig befehligt er eine ganze Flotte - sind mit modernsten Nachtsicht- und Anti-Radar-Einrichtungen der US-Luftwaffe ausgerüstet. Seal und seine Piloten haben zudem stets einen Koffer mit 2 Millionen Dollar in bar dabei, um sich aus eventuellen Schwierigkeiten rauszukaufen.

Der Untersuchungsausschuss berechnete später die Umsätze allein aus der "Iran-Contra"-Operation auf 80 Milliarden US-Dollar. Und die "Contra-Sache" war auch die Drohung, mit dem Seal seinem heimlichen Chef Bush einheizte. Das Foto, mit dem Ronald Reagan vor der Weltpresse seinen Nicaragua-Feldzug gerechtfertigt hatte - es zeigte einen Funktionär der regierenden Sandinista-Partei beim Beladen eines Kokaintransports - war von Barry Seal arrangiert und gemacht worden.

Die "smoking gun" allerdings, den Beweis, dass es sich bei diesem Barry Seal nicht um einen kleinen "Special Op"-Agenten, sondern gleichsam um den Phänotypen eines Feldoffiziers und Frontmanns der verdeckten Kriegsführung und des "Dealing with the Enemy" handelt, lieferte ein ganz anderes Foto. Seiner Witwe Debbie Seal gelang es, die Aufnahme wie auch die Notizbücher ihres ermordeten Mannes vor dem "Cleaning" seiner Unterlagen durch FBI und CIA zu retten und stellte beides Daniel Hopsicker zur Auswertung zur Verfügung.

Das Foto, aufgenommen 1963, zeigt Barry Seal mit neun weiteren Männern in Partylaune am Tisch eines Nightclubs in Mexico City - und die Kollegen, mit denen Seal da feierte, stellen nicht nur eine Art "Who is Who" der amerikanischen Geheimpolitik dar, sie beweisen vor allem, dass der "frühere Drogen- und Waffenschmuggler" Barry Seal schon seit Anfang der 60er Jahre im Auftrag der "Firma" unterwegs war. Vorne links auf dem Bild lacht Felix Rodriguez in die Kamera, einer der berüchtigsten CIA-Killer, auf dessen langer Liste von Morden auch der von Che Guevara in Bolivien steht. Ihm gegenüber, das Gesicht halb verdeckt, sitzt Frank Sturgis, beteiligt unter anderem an der Schweinebucht-Invasion und später einer der überführten Watergate-Einbrecher. Vor seinem Tod soll er einigen Forschern zufolge einem Kardinal der katholischen Kirche ein schriftliches Geständnis über seine Beteiligung am Kennedy-Mord hinterlassen haben.

Neben ihm sitzt William Seymour, der in nahezu jedem Buch über den Kennedy-Anschlag eine wichtige Rolle spielt. Seit den 50er Jahren rekrutierte er Piloten für die CIA, darunter auch den jungen Mann, den Barry Seal in einem Trainingslager der "Civil Air Patrol" 1955 kennenlernt: Lee Harvey Oswald. Oswald ist später für die Schüsse auf Kennedy verurteilt worden. Hätte ein Foto wie dieses damals dem Gericht und der Untersuchungskommission vorgelegen, die "One Bullet"-Legende des "kommunistischen" Einzeltäters Oswald wäre so nie in die Geschichtsbücher eingegangen. Vielmehr wäre die Tat eines klandestinen Kommandos des US-Geheimdiensts ruchbar geworden, für den Präsident Kennedy zum Hassobjekt Nr. 1 geworden war, weil er nach ihrer para-militärischen Schweinebucht-Invasion den großen militärischen Angriff auf Kuba verweigert hatte.

Die ersten Waffen, die Barry Ende der 50er Jahre nach Kuba geflogen hatten, waren noch an die Bewegung eines jungen Rechtsanwalts und Aktivisten adressiert, der sich gegen den damaligen Diktator Batista auflehnte: Fidel Castro. Dieser eroberte dann, bestens ausgerüstet aus den USA, zwar die Macht in Kuba, mutierte aber von Stund an vom netten zum gottverdammten Hurensohn, gegen den man nun rechte Guerilleros aufrüstete - und sich dafür mit der aus Havanna verjagten Casino- und Prostitutions-Mafia verbündete.

So waren Barry und die Boys von Anfang an nicht nur ganz oben bestens connected - der Che-Guevara-Killer Rodriguez bekundete später, er sei 1961 für die CIA "von einem Typ namens Bush" rekrutiert worden - sie hatten auch hervorragende Kontakte zur Unterwelt, die sich vor allem Anfang der 80er Jahre als nützlich erweisen sollten, als monatlich bis zu 2.000 Kilo Kokain distribuiert werden mussten.

Dass durch diese Schwemme kein Preisverfall für den gewinnbringenden Stoff eintrat, dafür traf Regierungschef Reagan umgehend Sorge, indem er den internationalen "War on Drugs" ausrief und durch verschärfte Verfolgung und Aufrüstung der Drogenpolizei die Handelsmargen weiter garantierte. Während der Konkurrenz so das Leben schwer gemacht wurde, brachte ein Kilo Kokain, für das Seal bei den Produzenten 2000 Dollar zahlte, im Endverkauf auch weiterhin mindestens das 100-Fache und sicherte so den Etat für die inoffizielle Außenpolitik besser und leichter als jedes andere Handelsprodukt. Die Bargeldmengen, die Barry und seine Piloten in dieser Zeit verschoben waren zu groß, um noch gezählt zu werden - sie wurden sackweise gewogen und in Lagerhäusern deponiert.

So abgrundtief derlei Geschäfte unsere kategorischen Vorstellungen von Moral verletzen - aus der Perspektive der Macht ist der Deal mit dem Feind, das Handeln mit dem Teufel (und dem Teufelszeug) nichts Verwerfliches, solange sie dem Erhalt der Macht und der Ausweitung der Souveränität des Machthabers dienen. Von Machiavelli über Carl Schmitt bis zu Leo Strauss - dem ideologischen Ziehvater der amtierenden Bush-Falken - zieht sich eine Linie der philosophischen Begründungen für eine solche Machtpolitik; und von den Philippinen 1899 über den Sieg im 2.Weltkrieg und im Kalten Krieg 1989 bis heute die Linie eines unglaublichen praktischen Erfolgs: der Aufstieg der Vereinigten Staaten zur einzigen Weltmacht.

Auch wenn die Methoden, die dabei angewendet wurden, nicht sauber waren und der Kollateralschaden beträchtlich ist - durch Ziehsöhne wie Hitler, Saddam, Bin Laden (Pinochet, Noriega & zwei Dutzend Militärdiktatoren weltweit nicht zu vergessen) sowie die Heroin,- Kokain,- und Crack-Wellen -, wäre es naiv zu glauben, diese Methoden seien deshalb jetzt obsolet. Umso wichtiger scheint es, sie nicht länger mit der billigen Parole "Verschwörungstheorie" vom Tisch zu wischen, sondern sie zu studieren und zu erforschen.

Die Geschichte von Barry Seal zeigt diese verborgene Politik wie in einer Nussschale. Die zehn Männer auf dem Foto von 1963 - die Agenten der "Operation 40" der CIA - haben die amerikanische Politik und die Weltgeschichte der letzten Jahrzehnte praktischer und massiver beeinflusst als alle in den "Jahrhundertchroniken" abgebildeten öffentlichen Figuren. Als Barry seinem Anwalt die Telefonnummer des amtierenden Vizepräsidenten zuschob, war das keine Hochstapelei - Bush hatte mehr als einen Grund, vor diesem Agenten zu zittern.

Die Kolumbianer, die Barry Seal auf einem Parkplatz in seiner Heimatstadt Baton Rouge erschossen, sagten vor Gericht aus, sie hätten erst nach ihrer Ankunft in USA telefonische Instruktionen über Opfer und Ort ihres Jobs erhalten. Der Kontaktmann, der ihnen die Anweisungen gab, hätte seinen Namen nicht genannt, sich aber als Offizier der US-Armee bezeichnet. Die Anwälte und viele Kenner des Falls sind überzeugt, dass es sich dabei nur um Oliver North gehandelt haben kann, doch bewiesen wurde das nicht. Als North im Scheinwerferlicht vor dem "Iran-Contra"-Untersuchungsausschuss die Hand zum Eid hob, tönten zwar laute Zwischenrufe von den Zuschauerrängen: "Fragt nach dem Kokain! Fragt nach dem Kokain!" Die Frage wurde aber nicht gestellt.

Ollie North hat heute eine Talkshow und moderierte den Irak-Feldzug für den Propagandasender "Fox News". Das Business aber läuft weiter - aus dem frisch "befreiten" Afghanistan melden die Agenturen soeben eine der größten Opiumernten aller Zeiten; Barry Seals Nachfolger haben wieder reichlich zu fliegen...

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