Wahl zwischen einem Lady-Gaga- oder Maria-Outfit

Die Studie zur "Paralleljustiz", welche vor Kurzem vom Berliner Justizsenator Thomas Heilmann vorgestellt wurde, belegte hierbei nur lange Bekanntes. Und doch gibt es in Berlin keine nennenswerten Proteste von linker Seite gegen die mafiösen Strukturen der arabischen Großfamilien, wohingegen man sich mit Rockern, zumindest sofern sie Verbindungen zur Neonazi-Szene aufweisen, durchaus beschäftigt. Falsche Vorbehalte führen jedoch dazu, dass beispielsweise die salafistische Al-Nur-Moschee, in der beispielsweise der Rapper Bushido mit seinen mittlerweile bundesweit bekannten und der organisierten Kriminalität zugerechneten Freunden ein und aus geht, von "progressiven" Protesten verschont bleibt. Es wäre äußerst fahrlässig, die Verbindung solcher mafiösen Strukturen, welche mutmaßlich auch für die Übergriffe in Köln verantwortlich sind, zu islamischen Sozialisationsstrukturen und archaischen Ehrvorstellungen zu leugnen. Vor allem da sie selbst sich meist massiv darauf und auf ihre ethnische Zusammensetzung als identitätsstiftendes Moment berufen. Man würde sie also nur ernst nehmen mit diesem Fokus.

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Denn die muslimischen Reaktionen auf die Vorfälle der Silvesternacht sind bezeichnend. Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime verkündet beispielsweise, dass die vermeintlichen Täter "in diesem Sinne eine Todsünde begangen haben, wenn sie denn gläubig gewesen sind", was in einer Stellungnahme des Onlineportals "MuslimStern" folgendermaßen konkretisiert wird:

Alkohol zu trinken, nicht-islamische Feste zu feiern und irgendwelche Frauen "unsittlich" zu berühren, sind ganz klare anti-islamische Haram-Taten. Aber aus westlicher Sicht betrachtet, sind diese Menschen perfekte Beispiele für eine gelungene Integration. (...) Ihr einziger Fehler war es, Frauen ungefragt "unsittlich" berührt zu haben. Ansonsten sind diese Menschen mehr westlich als muslimisch.

MuslimStern

Und tatsächlich wären alle aufgeführten Sünden - saufen, feiern und sich unsittlich berühren - ganz allgemein zu verteidigen. Das kleine Wörtchen "ungefragt" hingegen wird ausgeführt: "Generell trägt die Frau aufgrund ihrer Beschaffenheit eine Verantwortung, wenn sie sich aus dem Haus begibt. Man kann nicht vor einem Löwen eine nackte Antilope werfen und erwarten, dass bei dem Löwen sich nichts regt." Weiterhin wird nahegelegt, "dass Frauen hierzulande sich christlich kleiden sollten. Maria, die Mutter von Jesus, hat vorgelebt, wie eine christliche Frau sich zu kleiden hat. Es wäre also für einige Frauen sehr empfehlenswert Maria als Vorbildfunktion zu nehmen und nicht Lady Gaga."

Und genau dies, nämlich die unsanktionierte Wahl zwischen einem Lady-Gaga- oder Maria-Outfit zu haben, macht den Unterschied zwischen muslimisch und westlich aus, wenn die Begriffe überhaupt eine Bedeutung haben sollen. Dass es damit nicht weit her ist, zeigte nicht erst der stumpfsinnige Rat der Kölner Oberbürgermeisterin, Henriette Reker, an Frauen, mehr als eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten und immer in der eigenen Bezugsgruppe zu verbleiben.

So verkündete der Schulleiter des Wilhelm-Diess-Gymnasiums im bayrischen Pocking: "Da unsere Schule in direkter Nachbarschaft ist, sollte eine zurückhaltende Alltagskleidung angemessen sein, um Diskrepanzen zu vermeiden. Durchsichtige Tops oder Blusen, kurze Shorts oder Miniröcke könnten zu Missverständnissen führen." Diese Tendenz der Sexualangst, welche ein Strafbedürfnis erst hervorbringt, ist definitiv im Erstarken begriffen, wie sich im baden-württembergischen Horb zeigte. An einer dortigen Schule wurde im letzten Sommer ein Verbot von Hotpants, Miniröcke und Ähnlichem ganz ohne vermeintliche "Flüchtlingsbedrohung" erlassen. Vielmehr sollte dies dem "Schulklima" dienen.

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