Der Islam ist die am schnellsten wachsende Religion

Mit der "Islamisierung des Abendlandes" wird es aber trotzdem nichts; der Anteil der Religionslosen und Atheisten an der Weltbevölkerung wird schrumpfen

Auch wenn der Islam, so eine demografische Pew-Studie über die Entwicklung der Religionen bis 2050, die am schnellsten wachsende Religion sein wird: Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, werden die Christen, deren Anteil bei 31,4 Prozent stagniert, mit 2,92 Milliarden weiterhin die größte Gruppe darstellen. Der Anteil der Muslime wächst von jetzt 23,2 auf 29,7 Prozent, was 2,76 Milliarden Muslimen 2050 entspricht. 2100 würde es ein wenig mehr Muslime als Christen geben.

Symbol für den Islam. Bild: AnonMoos/gemeinfrei

40 Prozent der Christen werden 2050 in Afrika südlich der Sahara leben, jetzt sind es nur 24 Prozent. Die demografische Verschiebung dürfte auch die christliche Religion verändern, in Afrika sind die Christen deutlich konservativer als in Europa, Nordamerika und Lateinamerika. Die Buddhisten wachsen nicht, ihr Anteil an der Weltbevölkerung geht zurück, während die Zahl der Hindus von 1,03 auf 1,38 Milliarden ansteigen wird, wodurch ihr Anteil konstant bleibt. Die Zahl von Juden sowie die der Anhänger anderer Religionen oder von Volksreligionen wachsen gerade so viel, dass ihr Anteil an der Weltbevölkerung in etwa gleich bleiben wird.

Wer mit der Angst vor der Islamisierung des Abendlands hausieren geht, wird hier nicht die richtigen Zahlen finden. 2050 werden die Muslime in Europa (EU15+Norwegen/Schweiz) einen Anteil von 10 Prozent an der Gesamtbevölkerung haben. Allerdings gibt es wie bereits jetzt große regionale Unterschiede. Während in Schweden der Anteil der Muslime an der Bevölkerung mit 12,4 Prozent am höchsten sein wird und Belgien mit 11,8 Prozent, Großbritannien mit 10,3 Prozent, Frankreich mit 10,9 Prozent und Deutschland mit 10 Prozent folgt, liegt der Anteil in Portugal bei 1,3 Prozent, in Luxemburg bei 2,3 Prozent und in Irland bei 3,0 Prozent. Dabei spielen neben der weiter zu erwartenden Zuwanderung, die den Hauptfaktor darstellt, die Geburtenrate und damit ein wachsender Anteil von jungen Muslimen eine Rolle.

Bild: Pew Research

Nach den Schätzungen von Pew Research werden zwar auch die Atheisten und Religionslosen von jetzt 1,1 Miliiarden auf 1,2 Milliarden zunehmen, aber ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt von 16 Prozent der Weltbevölkerung (6,9 Milliarden) auf 13 Prozent (von 9,3 Milliarden in 2050). Es würde also nicht gut für das Projekt der Aufklärung aussehen; während Christen, Muslime und Hindus immer stärker werden. Der Zuwachs der Christen und Muslime wird vornehmlich in Afrika südlich der Sahara erwartet. Dort könnten sich dann auch neue Konfliktzonen herausbilden, die in Nigeria und zwischen Somalia und Kenia schon begonnen haben.

Die Atheisten und Religionslosen werden vor allem in den Gesellschaften Asiens, Europas und Nordamerikas wachsen Sowieso leben jetzt schon 86 Prozent der Nichtreligiösen in nur 10 Ländern: 62 Prozent alleine in China, der Rest in Japan, USA, Vietnam, Russland, Südkorea, Deutschland, Frankreich, Nordkorea und Großbritannien. Geschätzt wird, dass bis 2050 die USA, "God's own country", die mit 100 Millionen die zweitstärkste nichtreligiöse Bevölkerung aufweist, die sich damit verdoppeln würde. In Deutschland würden weiter knapp über 30 Millionen religionslos bleiben.

Grund für den sinkenden Anteil der Religionslosen an der Gesamtbevölkerung sei, so Pew, dass sie konzentriert eben in Ländern mit geringer Fertilität und einer vergreisenden Bevölkerung leben. Muslime haben mit 3,1 Kindern pro Frau die höchste Fertilität, die Christen erreichen 2,7 pro Frau, die Hindus 2,4 und die Juden 2,3. Zum Bevölkerungserhalt geht man von einer Minimumfertilität von 2,1 Kindern pro Frau aus. Buddhisten, die Anhänger der übrigen Religionen und der Volksreligionen haben eine geringere Fertilität, die Religionslosen fallen daher mit 1,7 Kindern pro Frau hinter den fruchtbaren Religionen des Christentum und des Islam zurück, die die globale Fertilität auf 2,5 Kinder pro Frau anheben.

Und dazu kommt, dass der Anteil der Jungen unter 15 Jahren bei den Religionslosen mit 19 Prozent am geringsten ist und weit unter dem Durchschnitt von 27 Prozent liegt. Bei den Muslimen ist der Anteil der Jungen 34 Prozent, bei den Hindus 30 Prozent und bei den Christen 27 Prozent. Wenn man so will, werden die Atheisten und Religionslosen von den Muslimen, Hindus und Christen demografisch ausgebootet, was nicht zuletzt auch an der religiösen Familien- und Reproduktionsmoral liegt. Immerhin treten aus den Religionen, vor allem aus dem Buddhismus und dem Christentum, nach den Schätzungen bis 2050 die größte Zahl der Menschen zu den Atheisten über, nämlich 97 Millionen, gleichzeitig konvertieren aber auch 35 Millionen zu einer Religion. Zum Islam sollen 12 Millionen konvertieren, während 9 Millionen den Glauben wechseln. Zwar treten mit 40 Millionen sehr viel mehr Menschen zum Christentum als zum Islam über, aber über 100 Millionen verlassen die Religion.

Aber das alles sind nur Hochrechnungen, die Trends können sich schnell verändern, beispielsweise könnte in China die Neigung wachsen, zum Christentum überzutreten, oder in manchen muslimischen Ländern die Neigung, der Religion wegen der wachsenden Konflikte und der Radikalisierung der fundamentalistischen Ausrichtung den Rücken zu kehren. Und vielleicht könnten sich ja doch auch die Aufklärung und die Vernunft stärker durchsetzen, wenn die Menschen gebildeter werden. (Florian Rötzer)