Der Krieg gegen die Raucher

Die Nikotingegner sind nicht nur einfallsreich, sie entwickeln auch religiöse Züge

Die Schlinge um Raucher wird immer enger gezogen. Nach den Rauchverboten in Kneipen und an Arbeitsplätzen wurde das Rauchen auch schon an öffentlichen Plätzen wie Parks oder Stränden untersagt. In Australien soll nun nach dem Verbot von Werbung noch die letzte Möglichkeit unterbunden werden, attraktiv für Zigaretten zu werben, nämlich auf den Verpackungen. Die sollen uniform werden, keine Logos tragen, Hersteller und Marke nur in kleiner, identischer Schrift mitteilen und abschreckende Warnungen präsentieren (Plain Packaging oder wie man Anti-Werbung macht).

In Schweden will man nun noch einen Schritt weiter gehen. In manchen Gemeinden gibt es für die staatlichen Angestellten bereits ein absolutes Rauchverbot während der Arbeit, also auch während der Pausen, wie das auch von manchen Firmen in den USA verlangt wird. Einige US-Firmen stellen Raucher überhaupt nicht mehr ein, andere verlangen von Rauchern höhere Krankenkassenbeiträge. Gelegentlich werden die Bewerber für einen Job schon einmal nicht nur einem Test auf illegale Drogen, sondern auch einem Urintest unterzogen, um nachzuprüfen, dass sie auch tatsächlich nicht rauchen und dies nicht nur behaupten.

Ganz so weit ist man in Schweden noch nicht, aber in der kleinen südschwedischen Stadt Landskrona will der Stadtrat ebenfalls das in anderen Gemeinden schon beschlossene Rauchverbot während der Arbeitszeiten für die städtischen Angestellten durchsetzen - Politiker sollen freilich davon ausgenommen sein, die beschließen die Maßnahme ja nur zum Besten für die Angestellten. Die sollen dann eben auch nicht mehr während einer Kaffeepause auf die Straße vor das Haus gehen dürfen, um dort eine zu rauchen. Geraucht werden soll aber auch nicht, wenn Angestellte draußen arbeiten - und selbst dann nicht, wenn sie zuhause telearbeiten. Wie das ohne Orwellsche Maßnahmen überprüft werden soll, sei mal dahingestellt. Die Befürworter des Rauchverbots sind der Meinung, dass die Arbeitszeit völlig nikotinfrei sein müsse, was auch Kau- oder Schnupftabak einschließt. Die Erwachsenen, so auch eine Begründung, müssten ein gutes Beispiel setzen.

In Island raucht es zwar vielfach im Land, dennoch geht man hier noch weiter und will am liebsten Zigaretten nur noch an unrettbar Süchtige gegen Rezept ausgeben. Zuvor soll den Isländern mit jährlich erhöhten Preisen die Lust am Qualmen ausgetrieben werden (Zigaretten nur noch für Kranke). Der Krieg gegen das Rauchen nimmt allmählich religiöse Züge an und wird zu einer Austreibung des Teufels, dabei gäbe es zahlreiche andere Verhaltensweisen, nicht zuletzt in der Wirtschaft, in der Finanzwelt oder in der Politik, die nachhaltig die Gesundheit vieler Menschen riskieren und tatsächlich gefährden. Rauchen und Raucher werden zu Sündenböcken einer Gesellschaft, die ansonsten ziemlich ungeniert Umwelt und Gesundheit aufs Spiel setzt.

Werden die Menschen, rauchfrei, gesünder sein und länger leben? Kann man sie durch Gesetze, Auflagen und höhere Belastungen zu einem für sie und ihre Mitmenschen gesundem Lebensstil zwingen? Man darf vermuten, dass die individuelle Suche nach Genüssen andere, ebenfalls riskante Möglichkeiten für die Individuen auftun wird, während die Zerstörung der Umwelt voranschreitet. Die hat nur am Rande was mit der Lust und dem Genuss zu tun, sie erhöht vor allem den Profit und das BIP. Und das will man doch lieber nicht gefährden, weswegen man sich auch bei der Beschränkung der Spekulation an den Börsen so schwer tut. Geld stinkt eben nicht, Zigaretten schon.

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