Der Luftkrieg der Killerdrohnen hat begonnen

MQ-9 Reaper. Bild: DoD

Erstmals hat eine MQ-9-Reaper-Drohne eine etwas kleinere Drohne abgeschossen und damit den Start des Drohnenluftkriegs eröffnet

Der massive Einsatz der Killerdrohnen hat aus amerikanischer Seite mit dem Afghanistan-Krieg eingesetzt. Erstmals im Dezember 2001 feuerte eine Predator-Drohne zwei Hellfire-Raketen auf einen Konvoi fliehender Taliban-Kämpfer ab. Bei dem Angriff, an dem auch Kampfflugzeuge mitwirkten, sollen viele Taliban, darunter der Kommandeur Atef, getötet worden sein (Ferngesteuerte Waffensysteme senken die Angriffsschwelle). Schnell wurden Drohnen auch in weiteren Ländern eingesetzt, beispielsweise Ende 2002 im Jemen (Schuss aus der Ferne).

Der Einsatz der Kampfdrohnen in Kriegen und Konfliktgebieten zur gezielten Tötung ließ diese zu einer Wunderwaffe werden. Mit der Bewaffnung konnte das bislang herrschende Zeitfenster zwischen der Entdeckung eines Gegners und dem Zuschlagen im Prinzip auf Sekunden verringert und damit geschlossen werden. Weltweit wurden in der Folge des demonstrierten Erfolgs in vielen Ländern Kampfdrohnen gebaut oder beschafft. Bislang beschossen in der Regel die großen Kampfdrohnen Ziele auf dem Boden oder sie wurden vom Boden aus abgeschossen. Es gab aber auch einzelne Fälle, in denen Drohnen bereits mit Luft--Luft-Raketen im Luftkrieg abgeschossen wurden. Das hat die israelische Luftwaffe beispielsweise mehrmals mit unbewaffneten Drohnen gemacht, die vermutlich von Hisbollah über israelisches Gebiet gesteuert wurden.

Nachdem mit dem sich aufschaukelnden Konflikt mit Russland, China und Iran sich die Militärstrategie wieder stärker zu einem Krieg zwischen Staaten und deren hochgerüsteten Streitkräften und weg von der asymmetrischen Kriegsführung orientiert, wurde für das Pentagon wahrscheinlich auch der Einsatz von Kampfdrohnen bei Luftkämpfen interessant. Schließlich haben die von den USA gebrandmarkten Gegner allesamt Kampfdrohnen, die bei einem etwaigen Konflikt auch sicher eingesetzt würden.

Jetzt also hat, wie Military.com berichtet, erstmals eine Drohne des Typs MQ-9 Reaper eine mit Infrarot gesteuerte Luft-Luft-Rakete gegen eine kleinere, "manövrierende" Drohne des Typs MQ-1 abgeschossen und diese auch direkt getroffen. Der Test fand bereits im November letzten Jahres statt, wurde aber erst jetzt von Oberst Julian Cheater in einem Gepräch mit Military.com bekannt gegeben. Cheater ist der Kommandeur des 432nd Air Expeditionary Wing, das auf der Creech Air Force Base stationiert ist und Präzisionsangriffe mit Drohnen zuständig ist.

Kampfdrohnen weltweit (13 Bilder)

MQ-1A "Predator" auf der Ali Base im Irak. Bild: U.S. Air Force

Normalerweise können MQ-9 Reaper-Dronnen vier Hellfire-Raketen und zwei laser- oder GPS-gesteuerte 500-Pfund-Bomben ausgerüstet werden. Für den Test wurde wahrscheinlich eine Luft-Luft-Rakete des Typs FIM-92 Stinger verwendet.

Man bereite sich, wie Cheater sagt, auf "den nächsten großen Luftkrieg gegen fast gleichrangige Gegner wie Russland oder China vor, die ihre Fähigkeiten nicht nur bei den unbemannten Luftfahrzeugen, sondern auch im Hyperschall-Bereich, in der elektronischen Kriegsführung, bei Lasern und im Testen von Raketen ausbauen". In vielen Teilen der Welt würde es fast schon ein "hybrider Kampf durch Proxies" sein. Die MQ-9 Reaper werde ein wichtiger Bestandteil werden, weswegen es gut sei, dass diese sich gegen andere Drohnen und Flugzeuge verteidigen oder diese angreifen könne. (Florian Rötzer)

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