Der Roboter als menschlicher Doppelgänger

Ein japanischer Wissenschaftler hat einen ihm ähnlichen Androiden gebaut, den er aus der Ferne steuern kann

Asiaten lieben Roboter – oder sind zumindest fasziniert von ihnen. Je menschenähnlicher, desto besser. Die christlichen Bedenken, technisch oder biotechnisch in die Schöpfung einzugreifen, gibt es nicht. Nicht nur aus wissenschaftlichen, technischen oder ökonomischen Gründen werden künstliche Lebewesen und maschinelle Menschen geschaffen und perfektioniert, dahinter steckt auch Leidenschaft.

Einen Blick in die Motive, die hinter der Roboter-Leidenschaft stecken können, hat nun vielleicht Hiroshi Ishiguro von den ATR Intelligent Robotics and Communication Laboratories bei Kyoto offenbart. Er hat einen Roboter nach seinem Ebenbild geschaffen und damit wiederholt, was Gott angeblich bei der Schaffung des Menschen angetrieben hat, auch wenn Ishiguros Doppelgänger ihm erst einmal nur äußerlich einigermaßen gleicht.

Immerhin, der "Geminoid HI-1" gibt sogar vor zu atmen. Das ist natürlich nur ein Schauspiel, denn er hat es gar nicht nötig. Er verfügt nicht nur über 46 Freiheitsgrade, sondern auch über automatische "Mikrobewegungen" dank zahlreicher Motoren und Druckluft, so dass sich seine Füße oder seine Schultern bewegen, um lebensähnlich zu wirken. Allerdings kann der mit einer weichen Haut überzogene Doppelgänger bislang nur sitzen. Dafür spricht er mit der Stimme seines menschlich-biologischen Vorbilds und reproduziert seine Mimik mit 50 Motoren im Gesicht.

Der Doppelgänger ist aber noch ganz unter der Herrschaft seines Herrn. Er kann nämlich von diesem ferngesteuert werden. Damit könnte ihn der japanische Robotikwissenschaftler auch an seiner Stelle als Fernling ihn vertreten lassen. Geminoid ist wissenschaftlich-technisch eine Übung in verkörperter Telepräsenz. Mit einem Motion-Capture-System werden die Körperbewegungen und die Mimik, einschließlich der Lippenbewegungen, von Ishiguro erfasst und an den Androiden übermittelt, der sie reproduziert, soweit dies technisch möglich ist.

Angeblich wollte der Wissenschaftler damit vermeiden, persönlich, also mit seinem biologischen Körper, zur Universität zu fahren und dort Vorlesungen zu halten. Das macht nun der Fernling, wobei sich allerdings die Frage stellt, warum er ihm körperlich möglichst ähnlich aussehen soll und eine Videokonferenz nicht auch dem Zweck Genüge tun würde. Der Wissenschaftler will mit seinem Robot-Doppelgänger herausfinden, wie er sagt, ob die Menschen "seine Präsenz" durch die Verkörperung "fühlen" können und so eine wirkliche Interaktion aus der Ferne möglich ist.

Aber selbst wenn die Menschen in der Ferne auf den Doppelgänger hereinfallen und ihn als authentischen Stellvertreter empfinden sollten, würde der Fernlings-Halter doch um die Diskrepanz zwischen Hier und Dort wissen. Allerdings meint Ishiguro, er merke keinen Unterschied, wenn er durch seinen Doppelgänger mit anderen Menschen spreche. Zudem würde er ähnliche Empfindungen haben, wenn dieser berührt wird, als wenn er selbst berührt werde. "Zuerst ist man über den Androiden irritiert", versichert der Rootikwissenschaftler. "Aber wenn man in eine Konversation gezogen wird, vergisst man jeden Unterschied und fühlt sich ganz in Ordnung, wenn man mit ihm spricht und in seine Augen schaut."

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