Der Strompreis - ein dauerhaftes Ärgernis

Deutsche Haushaltskunden zahlen im EU-Vergleich am meisten für Energie. Je tiefer die Strompreise an der Börse fallen, desto mehr zahlen Tarifkunden. Warum ist das so?

Der Stromverkauf an Haushaltskunden macht in Deutschland je nach Bundesland etwa 20-25 Prozent des gesamten Stromabsatzes aus. Dennoch ist es der Preis, den der Bürger wahrnimmt, weil er dafür eine Rechnung bekommt. Dass diese durchaus schwer verständlich ist, hatte schon Helmut Schmidt festgestellt. Und die Verständlichkeit der Stromrechnung hat sich hinsichtlich ihrer Zusammensetzung bis heute nicht wirklich verbessert. Gerne wird der hohe deutsche Tarifkundenstrompreis auf die Energiewende zurückgeführt. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Beim Haushalts-Tarifkunden-Preis wetteifert Deutschland mit Dänemark und Belgien um die Spitzenposition. Aktuell bezahlt ein deutscher Haushalt für eine die Kilowattstunde 31,89 Cent, wobei der Anteil an Steuern und Abgaben in Dänemark höher ist als in Deutschland und die Stromkosten ohne Steuern und Abgaben in Belgien die deutschen signifikant übersteigen.

Die große Enttäuschung kommt für viele Privatkunden, wenn sie den Haushaltskundenstrompreis auf ihrer Rechnung mit dem Preis an der Leipziger Strombörse vergleichen. Übersehen wir dabei gerne, dass es sich um Preise für unterschiedliche Produkte handelt.

Die Strombörse in Leipzig

Mit der Liberalisierung der Energiemärkte wurden Börsen für den Stromhandel gegründet. Der einzige deutsche Handelsplatz, die European Energy Exchange (EEX), hat seinen Sitz in Leipzig. Dort wird u.a. Strom für die größten europäischen Strommärkte wie Deutschland, Frankreich und Italien gehandelt.

An der Strombörse kaufen und verkaufen die zugelassenen Handelsteilnehmer Strom für einen festgelegten Lieferzeitraum auf Großhandelsebene. Ausschließlich Unternehmen können selbst direkt dort handeln. Haushaltskunden haben keinen direkten Zugang zum Stromhandel an der Börse und wären wohl über die für sie kaum vorhersehbaren Preisschwankungen auch nicht wirklich erfreut. Für den Stromhandel an der Börse geht man davon aus, dass der Strom im Handelsgebiet zu gleichen Bedingungen verfügbar ist.

Man stellt sich dafür vor, dass Deutschland gewissermaßen ein Kupferplatte ist und der Strom verlustfrei von jedem Stromerzeuger zu jedem Kunden geliefert werden kann. Größter Anteilseigner der EEX AG ist mit 75 Prozent inzwischen die Deutsche Börse AG, an welcher der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock in einer für ihn üblichen Größenordnung beteiligt ist.