Der Todesplanet

Ein unmöglicher Planet: Ein neu entdeckter Exoplanet kreist extrem nah an seiner Sonne und müsste von den Kräften eigentlich zerissen werden

WASP-18b ist ein Gasplanet wie Jupiter

Unser blauer Planet kreist seit 4,6 Milliarden Jahren in der sicheren Entfernung von 150 Millionen Kilometern um die Sonne, und braucht für eine Umlaufbahn rund 365 Tage, ein ganzes Jahr. Diese Distanz ermöglicht die Existenz großer Wassermengen und ein angenehmes Klima auf der Erde. Ganz anders sieht die Realität von WASP-18b aus, dem letzten von SuperWASP aufgespürten Planeten in einem anderen Sonnensystem – kochend und potenziell tödlich.

Super Wide Angle Search for Planets besteht aus zwei Teleskopen auf La Palma und in Südafrika, deren Kamerasysteme automatisch den Nachthimmel absuchen, um die leichten Verdunkelungen aufzuspüren, die Planeten verursachen, wenn sie auf ihrer Umlaufbahn vor ihren Sonnen vorbei passieren. Ein winziger Schatten, der über das Licht eines Sterns wandert. Das nennt sich Transitmethode und lässt Rückschlüsse auf die Größe und Beschaffenheit der weit entfernten, nicht selbst leuchtenden Himmelskörper zu.

Künstlerische Vision eines gasförmigen Exoplaneten, der sehr nah um seine Sonne kreist – ganz wie WASP-18b. Bild: ESA/C. Carreau

Seit 1995 der erste Exoplanet aufgespürt wurde, suchen viele Astronomen-Teams in aller Welt nach einer zweiten Erde irgendwo im Weltall. Im Februar diesen Jahres wurde der erste entsprechend massearme und nicht gasförmige Planet entdeckt – aber leider ist es auf ihm viel zu heiß für Leben (vgl. Europäisches Weltraumteleskop entdeckt steinigen Exoplaneten). Insgesamt sind bis heute 373 extrasolare Planeten nachgewiesen worden (vgl. Die Enzyklopädie der extrasolaren Planeten)

Die Planetenfindungs-Maschine WASP hat bereits für einige Überraschungen gesorgt: Zunächst mit der Schnelligkeit ihrer Neuentdeckungen, zuletzt mit dem planetaren Geisterfahrer WASP-17b im Sternbild Skorpion, der gegenläufig zum Spin seiner Sonne rotiert.

Jetzt wartet das europäische WASP-Forscherteam mit einer neuen Sensation auf. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature stellen Coel Hellier von der Keele University in Staffordshire und mehr als 20 Kollegen den neu entdeckten Planeten mit der Bezeichnung WASP-18b vor.

Dieser ungewöhnliche Planet zieht seine Kreise um den Stern mit der Bezeichnung WASP-18 (=HD 10069) im Sternbild Phoenix, 325 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er verblüfft die Astronomen, denn eigentlich dürfte es ihn gar nicht geben, in weniger als einem Erdentag rast der Gasriese um seine Sonne. Ein völliges Novum, der erste seiner Art.

WASP-18b ist ein Gasplanet wie Jupiter, aber 10 Mal massereicher und löst dabei durch seine Größe und seine Nähe Gezeiten der superheißen Plasmaströme auf seinem Muttergestirn aus, das nur ein wenig größer ist als unsere Sonne. Auch seine ungefähr mit 2100 Grad Celsius kochende Oberfläche gerät dabei in Wallung. In nur 22,5 Stunden umkreist er seine Sonne in einer Distanz von nur drei Sternradien.

Keiner hatte damit gerechnet, einen derartigen Planeten so nah an einem Stern zu finden, einen der viel schneller rast, als eine Sonne sich dreht – und es stellt sich die Frage, wie er dahin kommt, und seit wann und wie lange er dort noch kreisen wird. Da er schneller auf seiner Umlaufbahn unterwegs ist, als sein Stern rotiert, müsste er immer mehr beschleunigen, wobei sich seine Bahn gleichzeitig immer mehr verkleinert – eine Todesspirale. Die Wissenschaftler vermuten, dass er relativ bald sein Leben aushauchen wird, weil er in Stücke gerissen in seine Sonne stürzt.

Der Stern WASP-18 ist nach den Berechnungen des Teams um Coel Hellier eine Milliarde Jahre alt, sein kleiner heißer Begleiter müsste das gleiche Alter haben. Die Wirkung der Gezeitenkräfte zwischen den beiden kosmischen Objekten sollte bewirken, dass WASP-18b in weniger als einer Million Jahre seinem Kurs folgend in seiner Sonne aufgeht.

Allerdings könnten die wirkenden Gezeitenkräfte sich aus verschiedenen Gründen von denen in unserem Sonnensystem unterscheiden – oder ein noch nicht entdeckter anderer Planet in der Nähe spielt in dem engen Tanz noch eine Rolle. Die nächste zehn Jahre werden zeigen, wie es weitergeht, denn wenn WASP-18b tatsächlich unaufhaltsam seinen Todeskurs fortsetzt, wird sich das sehr rasch erweisen. Den automatisierten Augen von WASP wird das weitere Schicksal des heißen Gasriesen in unserer kosmischen Nachbarschaft jedenfalls nicht entgehen. (Andrea Naica-Loebell)

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