Schwache PC-Kenntnisse

Das ist das aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass laut dieser Meldung, erstens, der Weg in die "digitale Gesellschaft", was den kompetenten Umgang und die Nutzung von Internet und anderen digitalen Medien angeht, stagniert, in dem einen oder anderen Fall sogar rückläufig sei; und, zweitens, auch die Schüler und Schülerinnen, die vorgeblich zu den sog. "Digital Natives" gezählt werden, weil sie, so die Meinung, relativ unbefangen, offen und vorurteilsfrei mit Smartphones und sozialen Netzen umgingen, digital nicht kompetenter seien als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Zwar seien sie ständig mit ihren mobilen Geräten zugange, zumal neun von zehn über vierzehnjährigen Jugendlichen ein Smartphone besäßen und täglich bis zu vier Stunden mit ihm verbrächten. Aber was die kompetente (!) Anwendung von Office-Programmen angehe, von Word und Excel, unterschieden sie sich kaum vom Rest der Bevölkerung. Dies sei auch deswegen so alarmierend, weil der sichere Umgang mit Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen für die meisten Berufe mittlerweile unerlässlich geworden sei.

Noch schlimmer sähe es im sorglosen Umgang mit persönlichen Daten aus. Ein Bewusstsein für Datenklau, das Abfischen von Passwörtern und Zugangscodes und die Installation von Backdoorprogrammen auf dem eigenen Gerät, die Zugang zum Computer oder geschützten Funktionen verschafften, sei weit weniger entwickelt als bei älteren Nutzergruppen. Während bei diesen gut jeder Dritte darüber Bescheid wisse, ist es bei jenen nur jeder Vierte.

Aus diesen Zahlen, die aus einer Sonderauswertung der Studie D21-Digital-Index stammen, die Ende 2014 veröffentlicht wurde und mit rund 33 000 Befragten die umfangreichste und aussagekräftigste Studie zum Internetnutzungsverhalten der Deutschen ist, schließt die Organisation, dass die Nutzung und Anwendung digitaler Medien "grundlegender Bestandteil aller Schulfächer sein müssten."

Stephan Griebel, Leiter der AG Bildung der Initiative D21, dazu: "Es ist höchste Zeit, dass Schulunterricht auch auf die praktischen Seiten des zukünftigen Berufslebens vorbereitet." Diesen Worten ist, wer sich die Zeilen davor vergegenwärtigt hat, die Neuausrichtung von Schule und Bildung an Kompetenzen und praktischem Lernen, im Grunde wenig hinzuzufügen.

Verwundern oder überraschen können auch diese Bobachtungen nicht. Sie decken sich im Wesentlichen mit jenen, die Lehrer und anderes Bildungspersonal Tag für Tag machen. Zwar sind die Schüler ständig und meist heimlich, in den Pausen und auf den Toiletten, vor, nach oder auch während des Unterrichts, mit den digitalen Alleskönnern zu Werke. Selbstverständlich wird im Unterricht und bei entsprechenden Anlässen (Mobbing ...) immer wieder explizit auf die Risiken und Gefahren hingewiesen, die mit einem allzu laschen Umgang verbunden sind. Das Bewusstsein dafür ist bei Schülern und Jugendlichen sicher da. Doch halten sie den Schutz davor für nicht so gravierend, als dass sie sich darum wirklich Sorgen machen müssten.

Gewiss ist es wichtig, auch im Schulbetrieb den Umgang mit digitalen Medien und ihrer "Währung" (persönliche Daten) weiter zu pflegen und die Risikowahrnehmung bei Heranwachsenden dafür zu schärfen. Auch wenn Schulen und Universitäten immer mehr zu Ausbildungsbetrieben verkommen, kann es nicht vorrangige oder vordringliche Aufgabe dieser Bildungsanstalten sein, Medienkompetenzen zu vermitteln. Nicht alles, was Schüler und Schülerinnen interessiert, muss in curriculare Formen gegossen werden.

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