Der Weg zum besseren Lehrer

Forscher diskutieren, was einen guten Lehrer ausmacht - und wie Kinder besser Sprachen und Naturwissenschaften lernen

Bildung zahlt sich aus: Sowohl für den einzelnen Menschen, dessen Jahreseinkommen statistisch signifikant mit dem Bildungsgrad korreliert, als auch für die Gesellschaft insgesamt. Letzteres ist leider erstens etwas schwerer nachzuweisen und ist zweitens schwerer zu vermitteln. Das liegt daran, dass der gesellschaftliche Nutzen von Bildung die Form einer Dividende hat - und die wird nicht in der nächsten, auch nicht in der übernächsten Wahlperiode ausgezahlt. Was Politikern die Entscheidung für die nötige Investition selbstverständlich nicht erleichtert.

Dabei gibt es durchaus seriöses Zahlenmaterial dazu. In den USA haben zum Beispiel drei verschiedene Longitudinalstudien untersucht, wie sich frühkindliche Bildung auf den weiteren Lebensweg auswirkt. Die 1962, 1972 und 1985 gestarteten Studien ergaben bei sehr verschiedenen Konzepten und unterschiedlichen Kosten doch eine Gemeinsamkeit: Die Rendite, gemessen in dem Aufwand, den die Gesellschaft über den Lebensweg hin für ein Individuum treiben muss, lag wenigstens 2,5 Mal höher als die Kosten. Jeder US-Schüler hingegen, der die High School vorzeitig verlässt, kostet die Gesellschaft nach Schätzungen von US-Forschern etwa 260.000 Dollar.

Doch nicht nur das Vorhandensein einer Förderung ist wichtig, sondern auch deren Qualität. Dem renommierten Wissenschaftsmagazin Science ist das Anlass genug für ein Special, das unter anderem die Rolle des Lehrers untersucht. Nachgewiesenermaßen ist die Qualität des Lehrers der am stärksten über die Chancen eines Schülers entscheidende Einfluss. Welche Eigenschaften wirken sich hier besonders auf den Erfolg in der Schule aus, und wie lassen sich diese Faktoren am besten regulieren?

Lehrer-Schüler-Verhältnis

Eine Gruppe um Joseph Allen berichtet in Science von dem Versuch, das Verhältnis von Lehrern und Schülern zu beeinflussen. Dabei wurden die Lehrer einem recht umfangreichen, über ein Jahr dauernden Programm unterworfen, das sie unter anderem befähigen sollte, die Schüler besser zu motivieren. Dazu gehörten unter anderem Videomitschnitte von Unterrichtsstunden, die von Experten beurteilt wurden - der Lehrer bekam daraufhin Tipps, was sich verbessern ließe.

Tatsächlich zeigten sich danach sehr deutliche Erfolge - und zwar unabhängig vom Fach. Das heißt, meinen die Studienautoren ausdrücklich, dass zur erfolgreichen Vermittlung etwa von Mathematik beste Mathekenntnisse allein nicht genügen. Das Programm kostete insgesamt etwa 3700 Dollar pro Lehrer. Auf die Schüler bezogen, ist damit ein Leistungszuwachs um neun Prozent für ganze 40 Dollar zu haben.

Naturwissenschaften und Mathematik

Für die Vermittlung mathematischer Kenntnisse ist es nie zu früh, meinen die Autoren einer Überblicksstudie. Allerdings gebe es hier ein paar häufige Fehlinterpretationen. Wer sein Kind sich mit Puzzles oder Holzbausteinen befassen lässt, meint zum Beispiel oft, damit schon Mathematik zu betreiben. In Wirklichkeit geht es dabei primär um die Vermittlung feinmotorischer Fertigkeiten.

In ihrem Paper beschreiben die Autoren erfolgreiche Programme. Eines davon befasst sich zum Beispiel damit, die Mathematik in den alltäglichen Verrichtungen der Vorschulkinder ausfindig zu machen. Vermittelt wurden dabei vor allem Mengenvorstellungen und geometrische Konzepte.

Sprachvermittlung

In einer interessanten Untersuchung einer Gruppe um den Bildungsforscher David Dickinson zeigte sich, dass eines der Probleme bei der grundlegenden Sprachvermittlung darin bestehen, dass Lehrer die Konzepte, die sie gerade erklären, selbst nicht korrekt durchdrungen haben - oder dass es ihnen nicht gelingt, das Konzept verständlich und gleichzeitig richtig zu kommunizieren.

Das ist auch deshalb ein Problem, weil das Sprachverständnis, das sich in sehr jungen Jahren einstellt, eine wichtige Grundlage für den späteren Lernerfolg darstellt. Irgendeine, selbst eine suboptimale Form vorschulischer Bildung erwies sich aber immer als deutlich effizienter, als die Kinder allein ihren Eltern zu überlassen. (Matthias Gräbner)