Der blutige Tod geht um

Das Ebola Virus. Bild: Centers for Disease Control (CDC)

Mehr als 3000 Ebola-Infizierte, Genom des Erregers in Westafrika sequenziert

Die Weltgesundheitsorganisation ist sehr beunruhigt, mehr als 3.000 Menschen haben sich bislang in Westafrika mit Ebola infiziert, von Sierra Leone bis Nigeria geht die Angst um, denn mehr als die Hälfte der Patienten hat die Krankheit nicht überlebt. Die Helfer im Gesundheitssystem vor Ort stoßen an ihre Grenzen, annähernd 130 von ihnen sind dem Fieber bereits erlegen - ein Epidemie-Experte, der sich in einem westafrikanischen Labor ansteckte, wird gerade in Deutschland behandelt. Zusätzlich ist auch in der Demokratischen Republik Kongo wieder jemand an Ebola erkrankt. Dennoch gibt es Hoffnung, denn neben dem experimentellen Medikament ZMapp könnte auch ein bereits zugelassenes Grippemittel wirksam sein. Und Wissenschaftler haben das Erbgut des aktuell grassierenden Ebola-Viren und den Verlauf der Verbreitung analysiert.

Ebola ist ein hämorrhagisches Fieber, eine Infektionskrankheit, die zu inneren Blutungen führt. Die tödliche Krankheit tauchte in den 70er Jahren zum ersten Mal im damaligen Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) und im Südsudan auf. 1976 untersuchten die Experten das Filovirus eingehend und beschrieben es.

Benannt wurde es nach dem Fluss Ebola im Kongo, wo die erste große Epidemie auftrat. Die Struktur des Virus erinnert unter dem Mikroskop an Fäden. Neben Ebola ist der Marburg-Erreger das einzig bekannte für Menschen gefährliche Mitglied der Familie der Filoviren (das 2011 in toten Fledermäusen entdeckte Cuevavirus trägt ein völlig anderes Erbgut).

Die Forscher unterschieden bislang fünf Erreger-Arten: Zaire- (ZEBOV), Sudan- (SEBOV), Bundibugyo (BEBOV), Reston- (REBOV) und Taï Forest-Ebolavirus (TAFV), wobei die ersten drei für die Epidemien der Vergangenheit verantwortlich waren.

Immer deutlicher zeichnete sich in den letzten Jahrzehnten ab, dass das Virus aus dem Regenwald kam - die ersten Infizierten waren stets mit kranken oder toten Tieren wie Affen, Fledermäusen, Antilopen oder Stachelschweinen in Berührung gekommen. Danach steckten sich Verwandte, Nachbarn und Heiler bei ihnen an: durch Blut, Speichel, Urin oder andere Körperflüssigkeiten der Infizierten. Die Inkubationszeit beträgt 2-21 Tage.

Seit den 70er Jahren taucht Ebola immer wieder scheinbar plötzlich vor allem in kleinen Dörfern in Zentralafrika auf - auch in Gabun und Uganda, aber bis zu diesem Jahr infizierten sich jeweils nie mehr als 500 Menschen während eines Ausbruchs (vgl. Outbreaks Chronology: Ebola Hemorrhagic Fever.

Aktuell gibt es auch wieder einen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, eine Frau, die Bushmeat zubereitete, war der Ausgangspunkt für die Infektionswelle mit inzwischen 24 Patienten. Es gibt keinen Zusammenhang mit der Seuche in Westafrika (vgl. WHO: Ebola virus disease - Democratic Republic of Congo.

Sehr viel mehr Menschen erkranken seit Anfang 2014 Ebola Westafrika erreichte. Im Februar wurden in Guinea erste Patienten diagnostiziert, schnell breitete sich die Seuche über die Grenzen in die Nachbarstaaten aus, nach Sierra Leone, Liberia und schließlich auch Nigeria.

Wer sich mit Ebola ansteckt, leidet unter Fieber, Schüttelfrost, Schleimhautentzündungen, Durchfall, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Magenkrämpfen, Kopf-, Hals- und Brustschmerzen, dann kommt es zu äußeren und inneren Blutungen. Je nach Virustyp sterben bis zu 90 Prozent der Patienten einen grausamen Tod. Erprobte Medikamente gegen die extrem ansteckende Krankheit gibt es nicht, die Ärzte konnten bislang nur die Symptome lindern - oder experimentelle Therapien versuchen.

Inzwischen haben sich in Westafrika 3.069 Menschen infiziert, 1.552 starben (Stand: 28.8., vgl. Ebola virus disease update - west Africa. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten es aber auch drei bis vier Mal mehr Fälle sein, viele Erkrankte auf dem Land wurden wahrscheinlich nie erfasst.

Die WHO ist sehr beunruhigt, rechnet aufgrund des bisherigen Epidemie-Verlaufs und der ständigen Steigerung der Patientenzahlen mit bis zu 20.000 Infizierten, und beklagt selbst fast 130 Mitarbeiter, die bislang an Ebola starben.

Schon früh waren Experten aus aller Welt vor Ort, um die neue Virusform zu untersuchen. Bereits im April veröffentlichte eine internationale Forscher-Gruppe um Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg eine erste Erbgut-Analyse des Erregers (vgl. The New England Journal of Medicine: Emergence of Zaire Ebola Virus Disease in Guinea). Die in Westafrika grassierende Version kommt aus Zaire, gehört zum Stamm des Zaire-Ebolavirus.

Karte der Ebola-Fälle in Westafrika. Bild: WHO

Nun legt ein Wissenschaftler-Team um Stephen K. Gire von der Harvard University mit mehr als 50 Forschern aus den USA, Großbritannien, Sierra Leone und Nigeria in der Online-Ausgabe von Science nach. Das Team verfolgte die Spur von Ebola in Sierra Leone und entzifferte das Genom des Erregers (Genomic surveillance elucidates Ebola virus origin and transmission during the 2014 outbreak).

99 Proben von 78 infizierten Personen (von einigen mehrfach) wurden genommen und sequenziert. Bei der Analyse und im Vergleich mit den vorliegenden Genom-Daten aus Guinea zeigte sich, dass das Virus sich während seines schnellen Verbreitungswegs (mit einer Verdoppelung der Infizierten alle 35 Tage) ständig verändert. Die Forscher fanden fast 400 Mutationen im Vergleich mit dem ursprünglichen Ebola-Virus, 50 davon entstanden während der aktuellen Epidemie (vgl. Zaire ebolavirus sample sequencing from the 2014 outbreak in Sierra Leone, West Africa).

Ihre Resultate bekräftigen zudem, dass es sich um die aus dem Kongo stammende Virusvariante handelt, die sich über zehn Jahre hinweg in einem tierischen Wirt langsam nach Westafrika bewegt hat, ohne auf ihrem Weg mit Menschen in Berührung gekommen zu sein. In starkem Verdacht haben die Experten seit längerer Zeit Fledermäuse, speziell Flughunde, die Träger des Virus sein könnten, ohne zu erkranken.

Untersuchungen dieser Fledertiere hatten in der Vergangenheit erwiesen, dass sie mit dem Erreger in Kontakt waren (vgl. Iss nicht Batman). Flughunde haben ein Verbreitungsgebiet von West- bis Zentralafrika - und stehen in den von Ebola betroffenen Regionen praktisch überall auf der Speisekarte der Bewohner.

Ebola kommt auch in Affen vor, die allerdings erkranken und in betroffenen Gebieten in großer Zahl dem Fieber zum Opfer fallen, wie das massenhafte Sterben von Gorillas und Schimpansen in Zentralafrika zeigt (vgl. Link auf 24193). Aber gerade diese Tatsache macht sie als Reservoirwirte unwahrscheinlich, obwohl sie fast überall in Afrika als Bushmeat auf dem Teller landen. Wie bei den Menschen ist ihre Todesrate hoch, wenn das blutige Fieber über sie kommt. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass das Virus dauerhaft in einem Tier im Wald überlebt, welches ihm selbst nicht zum Opfer fällt.

Augustine Goba, Direktor am Kenema Government Hospital Lassa Fever Laboratory, diagnostizierte die ersten Ebola-Fälle in Sierra Leone. Bild: Stephen Gire

Es klingt pervers, aber im Grunde behindert sich das Virus durch seine Aggressivität selbst. Die hohe Sterblichkeitsrate unter den Infizierten war einer der maßgeblichen Gründe, warum Ebola bislang lokal begrenzt blieb, der Erreger sich nicht unerkannt über die Überlebenden der Seuche weiter verbreiten konnte. Studien hatten gezeigt, dass zum Beispiel der Samen von Männern nach einer überstandenen Ebola-Erkrankung noch bis zu sieben Wochen lang das Virus übertragen kann.

Zudem überlebt es nicht ohne Wirt in der Umwelt, es bedarf des Kontakts zu Körperflüssigkeiten von Infizierten, um sich anzustecken. Experten haben an Hand des Seuchenverlaufs in Westafrika rekonstruiert, dass am Anfang, im Dezember 2013, ein Kind der erste Ebola-Fall war. Es könnte sich bei einem Flughund oder einem Affen angesteckt haben. Das Wissenschaftlerteam um Stephen Gire ist sich sicher, dass es zwischendurch keinen weiteren tierischen Zwischenwirt mehr gab, alle folgenden Infektionen erfolgten von Mensch zu Mensch, wobei der Erreger ständig mutierte. Die Forscher schreiben:

Die genetischen Übereinstimmungen der sequenzierten (Ebola-)Proben lassen darauf schließen, dass es nur eine einzige Übertragung aus dem natürlichen Reservoir gab, gefolgt von Mensch-zu-Mensch Übertragungen während des Ausbruchs.

Die Sterblichkeitsrate während der aktuellen Epidemie ist deutlich niedriger als die der vorangehenden in Zentralafrika. Nach aktuellen Angaben der WHO liegt sie bei 51 Prozent, wobei es lokal große Unterschiede gibt. In Guinea starben bisher 66 Prozent der Kranken, in Sierra Leone nur 41 Prozent (vgl. WHO:Ebola Response Roadmap Situation Report, 29. August 2014).

Ein wesentlicher Grund für die schnelle Ausbreitung von Ebola ist die hohe Mobilität der Bevölkerungen in der Region. Die Menschen in diesen westafrikanischen Ländern sind viel mehr unterwegs, auch grenzübergreifend - in Zentralafrika verliefen die Ebola-Ausbrüche meist weitgehend isoliert in entlegenen Dörfern.

Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut erklärt:

Übertragungen auf den Menschen geschehen durch infizierte Affen und vermutlich auch durch Flughunde. Die Viren sind allerdings auch im Tierreich sehr selten. Nur wenige Tiere sind infiziert. Dementsprechend kommt es sehr selten zu einer Übertragung auf den Menschen. Und die wenigen infizierten Menschen bleiben oft unentdeckt, erkranken oder sterben sogar. Solange nicht schneeballartig eine Epidemie wie in Guinea entsteht, wird das nicht registriert. Sonst müssten Ärzte jeden Mensch, der in Afrika an Erbrechen und Durchfall leidet, auf Ebolavirus testen. Das ist nicht möglich.

Ebolaviren gibt es vermutlich seit Tausenden Jahren in Afrika. Einige Funde sprechen sogar dafür, dass ähnliche Viren schon vor Millionen von Jahren existierten. Mit Sicherheit gab es in der Vergangenheit auch Epidemien in Afrika, aber die geringe Mobilität hat eine größere Verbreitung verhindert und wenn alle Infizierten in den betroffenen Dörfern entweder gestorben waren oder überlebt hatten, war die Epidemie beendet. Die Mobilität der Infizierten und damit die Verbreitung des Virus auf eine große Region ist das Problem beim Ausbruch in Guinea.

(vgl. Aktuelle Informationen zu Ebola)

Info-Tafel zu Ebola, Bild: Centers for Disease Control

In Sierra Leone waren die Behörden sofort nach dem Auftauchen von Ebola im Nachbarland alarmiert und schufen schnell ein Meldesystem. Die ersten Fälle entdeckten sie im Mai. Das Gesundheitsministerium ordnete unverzüglich eine Untersuchung an und fand heraus, dass am Anfang die Beerdigung eines traditionellen Heilers stand, der Ebola-Fälle aus Guinea an der Grenze behandelt hatte.

Auf seinem Begräbnis infizierten sich 13 Frauen aus Sierra Leone. Für die aktuelle Studie wurden Proben von ihnen genommen. Unter ihnen war die junge, schwangere Frau, die wegen ihres hohen Fiebers ins Kenema Government Hospital kam und als erster Fall in Sierra Leone gilt - sie überlebte.

Die traditionellen Heiler sind eines der Probleme der Ärzte in Westafrika. Viele Einheimische hatten nie Zugang zu medizinischen Einrichtungen, sie sind es gewöhnt, mit ihren gesundheitlichen Beschwerden die Heiler vor Ort aufzusuchen. Immer mehr Experten sehen in den Heilern und deren Aufklärung über Ebola aber auch eine Chance, wenn sie ins Gesamtkonzept zur Seuchenbekämpfung einbezogen werden.

Die in Schutzanzügen auftauchenden Medizinerteams lösten in den Dörfern viel Angst aus. Die Menschen verstanden nicht, was geschah, sahen nur, wie ihre Angehörigen von astronautenartigen Fremden verschleppt und eingesperrt wurden, am Ende konnten sie ihre Lieben nicht einmal beerdigen, weil sie irgendwo in Plastik verpackt verscharrt wurden. Es kam niemand wieder, und ganze Gemeinden wurden isoliert, um Ansteckungen zu vermeiden. Entsprechend begannen sie erkrankte Angehörige zu verstecken und darüber zu schweigen.

In Guinea wurde ein Team von Ärzte ohne Grenzen mit Steinen attackiert, als es in ein Dorf kam. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia flohen Ebola-Patienten aus einer Isolierstation, die mitten im Viertel West-Point, in dem die Ärmsten der Armen leben, eingerichtet worden war. Daraufhin wurde dieser Slum von der Polizei komplett abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt (vgl. Ebola: Liberia stellt Vorstadt mit 75.000 Einwohnern unter Quarantäne), erst am Samstagmorgen hoben die Behörden die Blockade wieder auf, so dass die Bewohner wieder Zugang zu sauberem Wasser und Lebensmitteln erhielten. Längst hatte Ebola auch andere Stadtteile erreicht (vgl. DW: Ebola: Westafrika in Angst vor der Seuche).

Die Angst geht um, es mangelt an allem, neben medizinischen Einrichtungen mit Isolierstationen und qualifiziertem Personal fehlt es vor allem an Aufklärungskampagnen. Die hohe Zahl an toten WHO-Mitarbeitern ist wohl vor allem auf völlige Überlastung zurück zu führen, viele arbeiteten in 12-Stunden-Schichten, vor Ort fehlte es zudem oft am Nötigsten wie geeigneter Schutzkleidung.

Auch Ärzte ohne Grenzen hat mehrere tote Mitarbeiter zu betrauern und sieht sich vor allem in Liberia durch unzureichende, chaotische Strukturen überfordert. Brice de le Vingne, Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel, erklärte:

Es ist einfach unannehmbar, dass fünf Monate nach der Feststellung dieses Ebola-Ausbruchs erst jetzt ernsthafte Diskussionen über die internationale Führung und Koordination beginnen. Jene Staaten, die in den betroffenen Ländern mit ihrem Know-how und ihren Ressourcen einen Unterschied machen können, kümmern sich ausschließlich um ihren Selbstschutz. Sie können mehr tun, warum tun sie es nicht? (vgl. Neue Ebola-Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen bereits überfüllt)

Sogar die Wissenschaftler-Gruppe, die das Genom des Westafrika-Ebolavirus entzifferte, hat fünf tote Mitglieder zu beklagen (vgl. Science: Ebola's heavy toll on study authors).

Ärzte ohne Grenzen nennt die Situation eine "humanitäre Katastrophe". Inzwischen hat die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen und am 28. August eine Roadmap to scale up international response to the Ebola outbreak in west Africa präsentiert, um in den kommenden sechs bis neun Monaten die Epidemie zu besiegen. 490 Millionen Dollar soll das Programm kosten.

Die westliche Welt sorgt sich vor allem um die wenigen Fälle, die in den hervorragend ausgestatteten Isolierstationen unter anderem in Deutschland behandelt werden (vgl. NDR: Hamburger UKE behandelt Ebola-Patienten). Dabei sind sich alle Experten einig, dass es hierzulande keine Epidemie geben wird.

Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut erläutert:

Es ist zwar möglich, dass das Virus mit einem Infizierten nach Europa importiert wird. Aber es wird sich hier nicht weiterverbreiten. Da das Ebolavirus nur bei engem Kontakt zu einem Erkrankten übertragen werden kann, besteht nur ein geringes Risiko einer weiteren Verbreitung. Es sei denn, Angehörige pflegen die Erkrankten ohne Schutz und beerdigen die Verstorbenen selber. (...) Selbst wenn das Virus Europa erreichen sollte, rechnen wir nicht mit einer Epidemie.

Das beste Beispiel hierfür ist die erfolgreiche Isolation der Marburg-Virus-Infizierten in Europa, 1967 und 2008. Die Viren hatten keine Chance sich auszubreiten. (...) Es trat erstmalig 1967 in der Stadt Marburg hier in Deutschland auf. Labormitarbeiter hatten sich an erkrankten Affen infiziert, die für Laborzwecke aus Afrika importiert worden waren. Es gab einige wenige Übertragungen auf Familienangehörige. Obwohl das Virus damals noch völlig unbekannt war, wurde die Übertragungskette in kürzester Zeit gestoppt.

Dennoch ist die Panik der Europäer und Amerikaner spürbar - und hat heftige Folgen für ganz Afrika, nicht nur durch gestrichene Flüge. Die Wirtschaft der betroffenen Länder leidet: durch ausländische Geschäftsleute, die ausreisen, abgesagte Business-Meetings und Konferenzen, sowie Verträge, die nicht unterzeichnet werden.

Befürchtet werden negative Konsequenzen für den Handel und den Tourismus, was vor allem das beliebte Ferienziel Senegal stark betreffen wird, wenn dort mehr als der erste, gerade gemeldete Ebola-Fall auftreten wird (vgl. DW: Ebola-Angst erschüttert Westafrikas Wirtschaft).

Da die WHO die Situation in Westafrika als internationalen Gesundheitsnotstand definiert, hat sie sich für Einsatz von bisher nicht zugelassenen Wirkstoffen ausgesprochen. Bisher kann Ebola nicht geheilt werden, die Ärzte versuchen neben der Vermeidung weiterer Ansteckungen vor allem die Symptome zu lindern.

Auch die deutschen Ärzte im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf setzen bei der Behandlung ihres Ebola-Patienten auf eine "vernünftige Basisversorgung" mit Schmerztherapie, Fiebersenkung und Flüssigkeitsmanagement (vgl. Ebola-Patient im UKE: Pressekonferenz). Es gibt keine zugelassenen Medikamente, geschweige denn eine Impfung. Seit Jahrzehnten wirft geforscht, aber bislang fehlte es nach Meinung der Experten sowohl am politischen Willen als auch am Interesse der Pharmaindustrie, um die großen Summen zu investieren, die dafür nötig wären.

Tatsächlich ist es vor allem das US-Verteidigungsministerium, das aus Angst vor Biowaffen in Ebola-Wirkstoffe investiert, nachdem es zu den Anthrax-Briefanschlägen gekommen war (vgl. FBI schließt endgültig Anthrax-Fall). In den USA und Kanada wurde ein Medikament namens ZMapp entwickelt, das sich bei Tests an Rhesusaffen als sehr wirksam erwiesen hat (vgl. Nature: Reversion of advanced Ebola virus disease in nonhuman primates with Zmapp).

Allerdings ist diese Therapie noch in der Testphase und nicht für den Menschen zugelassen, nichtsdestotrotz wurden es bei vier erkrankten Patienten aus Westafrika eingesetzt, zwei überlebten, zwei starben, zwei werden aktuell noch mit dem inzwischen nicht mehr lieferbaren Wirkstoff behandelt (vgl. Kein ZMapp für den Hamburger Ebola-Patienten).

Das zweite Medikament ist TKM Ebola aus Kanada, das sich gerade in einer Test-Phase am Menschen befindet (vgl. FDA Modifies Tekmira's TKM-Ebola Clinical Hold to Partial Hold) und bisher nicht eingesetzt wurde. Es gibt auch nur wenige verfügbare Dosen und der Hersteller zögert.

Zudem gibt es einen unerprobten Impfstoff namens VSV-Vakzin, von dem Kanada der WHO 1.000 Dosen für den Einsatz zur Verfügung gestellt hat (vgl. Government of Canada donates experimental Ebola vaccine to World Health Organization).

Hoffnung setzen viele Experten in das Grippemedikament Favipiravir, das in Japan bereits zugelassen ist und sich in Mäuse-Versuchen als erfolgreich im Kampf gegen Ebola erwiesen hat (vgl. Influenza-Mittel soll gegen Ebola helfen).

Die neuen Genom-Daten werden den Forschern sicher helfen, weitere therapeutische Ansätze zu entwickeln. Aber das ist noch Zukunftsmusik, im Moment steht der akute Kampf gegen den blutigen Tod und seine weitere Ausbreitung in Westafrika an. (Andrea Naica-Loebell)

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