Der falsche Kurs der Impfskepsis

Wenn Impfen zu einer Frage der Solidarität oder Pflicht wird

Unisono hieß es vonseiten der Politik bis vor kurzem: In Deutschland wird es keine Impfpflicht geben! Dann hat der Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder (CSU), die Impfpflicht für Pflegekräfte in die Diskussion gebracht. Damit rückt er ein Stück weit von der bisherigen Position ab. Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet betont, "dass es besser werden" müsse mit dem Impfen bei Pflegenden (WAZ 13.1.2021). Eine generelle Impflicht schließt er aus und lässt damit gleichzeitig offen, ob nicht auch er für eine Impflicht für medizinische Berufe eintreten würde.

Andere wie CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus oder Vertreter von SPD und Linken mahnen, dass gerade eine auch nur drohende Impfpflicht die Skepsis weiter befördern würde und fordern mehr Aufklärung. Doch warum gibt es überhaupt eine Skepsis gegen ein Mittel, das die Menschen vor einer drohenden Krankheit bewahren soll?

Impfung als Erfolg der Pharmaindustrie

Gegen Virenerkrankungen gibt es bislang so gut wie keine effektiven Medikamente. Durch eine Impfung wird der Körper dazu angeregt, Widerstandskräfte gegen Viren zu entwickeln und damit einer drohenden Erkrankung zu entgehen. Die schnelle Entwicklung von Impfmitteln in der jetzigen Pandemie gilt geradezu als ein großer Erfolg der Medizin beziehungsweise der Pharmazie. Dass es gegen ein solches Mittel Vorbehalte gibt, auch zu großen Teilen beim medizinisch gebildeten Personal, ist schon verwunderlich und Grund zum Nachdenken.

Schließlich wird doch immer wieder auf die strenge Überprüfung dieses Mittels verwiesen, bevor es eine staatliche Zulassung erhält. Dabei ist dieses Verfahren verräterisch. Wieso braucht es eigentlich staatliche Prüfstellen für die Zulassung solcher Mittel? Sind nicht die staatlichen Zulassungsstellen selber institutionalisierte Impfskepsis?

Eine solche staatliche Überprüfung wäre doch gänzlich überflüssig, wenn der Wissenschaft zu vertrauen wäre, dass sie ihr Bestes gibt, um die Menschen vor den Gefahren einer Infektion zu schützen. Dann reichte eine sorgfältige Prüfung unter den anerkannten Experten vollkommen aus.

Die staatliche Zulassung ist aber dem Sachverhalt geschuldet, dass Medikamente und damit auch Impfstoffe Mittel des Geschäfts sind. Sie werden nicht einfach hergestellt für die Gesunderhaltung der Menschheit, sondern um einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, aus Geld mehr Geld zu machen.

Da eröffnet sich mit einer Pandemie ein sehr vielversprechendes Geschäftsfeld: Wer zuerst auf dem Markt ist, kann sein Produkt optimal vermarkten und die Preise weitgehend bestimmen.

Bessere Produkteigenschaften von konkurrierenden Stoffen, zum Beispiel einfachere Lagerung bei normalen Temperaturen, können diesen Erfolg gefährden. Wie es jedoch aussieht, kommen bei der immensen weltweiten Nachfrage nach Impfstoffen alle zum Zuge.

Weil es ums Geld geht und um Markterfolge, ist die Qualität des Produktes Mittel zum Zweck. Dann können Schäden in Folge der Impfung auch in Kauf genommen werden, solange sie keine Haftungsfragen aufwerfen. Weil auch staatlicherseits ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass der Gesundheit der Bevölkerung ein Impfstoff als Geschäftsmittel nicht unbedingt zuträglich ist, bedarf es der staatlichen Zulassung, sprich der Überprüfung. Dennoch soll die staatliche Prüfung das Geschäft nicht behindern, also fällt sie auch entsprechend aus.

Impfstoffe als Geschäftsmittel

Auch wenn Virologen meist an Universitäten angestellt sind und an Viren oder Impfstoffen forschen, so wird die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen überwiegend von der Pharmaindustrie finanziert, die sich damit den Zugriff auf die gewonnenen Erkenntnisse sichert und durch Patente - staatlich gesichertes Monopol - diese zu Geschäftsartikeln macht.

Dabei ist es gleichgültig, ob diese Entwicklung in staatlich finanzierten Hochschulen oder in Laboren der Pharmaindustrie stattfindet. Wer in den staatlichen Hochschulen Karriere als Professor machen will, ist gehalten, sogenannte Drittmittel einzuwerben. Sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Dienst der Wirtschaft zu stellen und dafür Forschungsmittel zu ergattern, gilt als Erfolgsausweis und Vorbedingung in Berufungsverfahren für Professoren.

Insofern kann man sagen, die Wissenschaft ist zu großen Teilen gekauft, und die vielgepriesene Unabhängigkeit der Wissenschaft eine Chimäre. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Wissenschaftler alles tun, um sich als dienstbarer Geist für die Geldgeber zu erweisen. Da werden alle statistischen Möglichkeiten ausgenutzt, um die Güte des Produkts, das man entweder selber entwickelt oder für ein Unternehmen prüfen soll, zu beweisen. Ausgangspunkt ist die Prüfung im Labor und an Geweben oder Tieren. Eine Wirksamkeit im Organismus muss es ja schon geben.

Die erste Prüfung am Menschen besteht in der Verträglichkeitsprüfung an gesunden Probanden. Schon da stellt sich die Frage nach dem Kriterium. Etwas bewirken soll das Medikament oder der Wirkstoff im Körper, doch wie werden diese Wirkungen im Einzelnen bewertet - als erwünschte Wirkung des Medikaments oder als unerwünschte Nebenwirkung? Und wie viel unerwünschte Nebenwirkungen sind in Kauf zu nehmen und wann überwiegt die positive Wirkung die negative?

Damit verbunden ist die Frage der Dosierung, die ebenfalls zu untersuchen ist, um zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Die Dosierung unterstellt einen Normmenschen, den es nicht gibt. Deshalb stellt sich auch die Frage, ob das Mittel an unterschiedlichem Geschlecht oder unterschiedlichen Altersgruppen getestet werden soll.

Weil bei Kindern nicht getestet wurde, gibt es eine Altersbeschränkung des Impfstoffes, daher die Zulassung ab 16 beziehungsweise 18 Jahren. Weil die Testung auch immer mit Haftungsrisiken verbunden ist, werden auch Gruppen aus diesem Grunde ausgeschlossen, wie z.B. Schwangere.

Es sind nicht medizinische Gründe, die einen solchen Ausschluss bewirken, sondern für diese Gruppe will niemand die Haftung übernehmen. Erst nach der Prüfung der Unbedenklichkeit und der Dosierung erfolgt die Testung an einer größeren Gruppe mit einer Kontrollgruppe als Vergleich.

Da der menschliche Organismus selber Widerstandskräfte gegen Krankheiten entwickeln kann und über Selbstheilungskräfte verfügt, wird so getestet, ob das Mittel besser wirkt als die Kräfte im Körper.

Dieser statistische Vergleich lässt einiges an Gestaltungsmöglichkeiten zu, das betrifft zum einen die Zusammensetzung von Versuchs- und Kontrollgruppe: Welche Personen werden überhaupt in den Versuch einbezogen und wer wird ausgeschlossen? Wie werden Untersuchungsabbrecher bei der Auswertung berücksichtigt? Diese und andere Fragen können das Ergebnis beeinflussen und werden eben auch dazu benutzt, das zu verkaufende Produkt in einem möglichst guten Licht erscheinen zu lassen.

Wissenschaftler, die sich da unflexibel erweisen, dürften da nicht weiter mit Drittmitteln rechnen können.