Der große Rating-Wahnsinn

Es wird Zeit, dass die Allgemeinheit erkennt, dass die amerikanischen Ratingagenturen Katalysatoren für die Enteignung der Bürger sind

Einer der Hauptgründe für die Finanzkrise waren die großen Rating-Agenturen, die mit ihren völligen Fehleinschätzungen das Spielkasino mit toxischen Derivaten erst so richtig in Gang brachten. Grund hierfür ist, dass die Ratingagenturen eines der korruptesten Geschäftsmodelle haben, dass man sich vorstellen kann. Man ratet alle diejenigen, von denen man bezahlt wird. Dass hier keine effektive Kontrolle von kriminellem Geschäftsgebaren erfolgen kann liegt auf der Hand.

Rating-Oligopol

Die großen drei Agenturen Moody’s, Fitch und S&P haben zu allem Übel auch noch ein spezielles Mandat der US-Regierung. Nur sie allein können als Oligopol die Kreditwürdigkeit von Schuld-Finanzinstrumenten beurteilen, ein Umstand der mittlerweile nicht nur Unternehmen, sondern mittlerweile auch ganze Staaten betrifft und wegen der einzigartigen Stellung sogar eine neue Form des Wirtschaftskrieges erlaubt, das allgemeine Länderabwerten.

Da es dieses Oligopol ist, welche ausgegebenen Schulden eine Attraktivität als Investment einer bestimmten Güte zubilligen kann, dominieren diese den gesamten Schuldenmarkt.

Hochkriminelles Geschäftsgebaren

Wenn Schulden toxisch sind, so ist es einzig und allein die Schuld der Rating-Agenturen, wenn diese falsch bewertet werden. Damit haben diese in verantwortungsloser Weise zu einem riesigen Schuldenbubble im amerikanischen Häusermarkt beigetragen. Die Forderung kann deshalb nur lauten, die bestehenden Rating-Agenturen zu unabhängigen Instituten umzubauen, die nicht mehr von den zu bewertenden Unternehmen bezahlt werden, sondern von Privatunternehmen durch eine Art Steuer oder vom Staat, der letztendlich verhindern sollte, dass riesige Finanzblasen entstehen.

Um immer mehr Profite zu machen, wurde von den Rating-Agenturen alles, was ihnen über die Quere, lief mit „Triple A“ bewertet. Auch der größte toxische Giftmüll wurde als kerngesund für die Allgemeinheit eingestuft. Wenn Mitarbeiter der Agenturen aufmuckten und ein faires Rating einforderten, wurde diese aufgefordert den Mund zu halten oder sich einen anderen Job zu suchen. Als Alchemisten der besonderen Art wirkten die Rating-Agenturen über Jahre hinweg und wandelten Schrott aller Art in virtuelles Gold um.

Damit haben die Rating-Agenturen ihre ureigenste Aufgabe, die Bewertung von Risiko, nicht nur aufgegeben, sondern diese in ihr Gegenteil verkehrt. Die Devise lautete: Eliminiere das Risiko aus allen Papieren, dann erzielt die Rating-Agentur die höchsten Renditen.

Wirtschaftskrieg mittels Rating-Agenturen

Doch damit machten sie die Kreditkrise nur noch schlimmer, da ein Downgrade in ihrem Geschäftsmodell nicht mehr vorgesehen war. Ab einem bestimmten Punkt wären Downgrades riskant geworden, hätten diese doch eine Rezession eingeläutet, so dass es besser war, nichts zu tun, als Wasser ins Feuer zu gießen. Erst als das Feuer immer weiter um sich griff und Löschen gar nicht mehr möglich war, wurden plötzlich Downgrades durchgeführt, die dann zu einer Implosion der Finanzmärkte führten.

Das völlig abgebrannte Gebäude der Bewertungen stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wenn selbst Warren Buffet, der bei Moody’s (MCO:NYSE) Aktionär ist, diese in Schutz nimmt, dann darf man sich getrost an den Kopf fassen und sich fragen, ob auch dieser Mann mittlerweile nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Doch vielleicht sieht Buffet auch die Notwendigkeit der Rating-Agenturen im Wirtschaftskrieg gegen Europa und nimmt diese deshalb in Schutz. Schließlich lässt sich der Euro wie der ganze Euroraum momentan trefflich durch die Rating-Agenturen manipulieren.

Katalysatoren der Bürgerenteignung

Es muss es in Bälde auch europäische Ratingagenturen geben, aber auch in Asien sollten neue Rating-Agenturen entstehen. Diese müssen mit den reformierten US-Ratingagenturen in einen Wettbewerb um die fairsten Bewertungen treten, um nicht gezielt einzelne Firmen in den Ruin oder ganze Länder in den Staatsbankrott zu treiben. So wie die Situation sich heute darstellt stellen die Ratingagenturen einen idealen Spielball für geostrategische Machtspiele der USA dar.

Dieser Umstand muss schnellstmöglich beseitigt werden, damit Krisen frühzeitig erkannt und rechtzeitig vorgebeugt werden kann. Wäre bekannt gewesen, dass viele Staaten viel schlechtere Ratings hatten, als diese ausgewiesen wurden, hätte es wohl nie einen Bankenbailout gegeben, der letztendlich die Verschuldungssituation der Staaten noch weiter verschlechtert und einige davon ruiniert hat. Es wird Zeit, dass die Allgemeinheit erkennt, dass die amerikanischen Ratingagenturen Katalysatoren für die Enteignung der Bürger sind und deshalb dringend reformiert gehören. (Artur P. Schmidt)

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