Der "hyperpräzise" Scharfschützenroboter

Snibot. Bild: SD4E

Eine französische Firma preist ihren Bodenkampfroboter Snibot an, weil der auch unter ungünstigen Bedingungen einen Menschen aus 200-300 Metern nicht tötet, sondern nur außer Gefecht schießen können soll

Die französische Firma French SD4E will vor allem den Stadtkampf ändern und entwickelt einen Bodenroboter, der auf den urbanen Schlachtfeldern wie zuletzt im Irak oder in Syrien Scharfschützen ersetzen soll. Das kleine unbemannte und ferngesteuerte Scharfschützensystem namens Snibot soll eine Fähigkeit haben, die für kleinere Drohnen kaum zu realisieren ist, nämlich nicht nur über 200-300 Meter Entfernung mit einer von Menschen nicht zu realisierenden Präzision ein Ziel zu treffen - und dies auch mehrmals hintereinander.

Das verspricht zumindest Michel Yakovleff, der Sprecher der Firma und Ex-General, die den Snibot entwickelt. Weil man damit so genau zielen kann, könnten "Ziele", also Menschen, so getroffen werden, dass sie nicht getötet, sondern nur bewegungsunfähig gemacht werden. Eine eigens entwickelte Software und die Eigenschaften der Ausstattung sollen die Präzision selbst bei schlechtem Wetter, Wind oder schnellen Bewegungen des Opfers des Roboter-Scharfschützen garantieren. Über die Technik selbst, die das bewerkstelligen soll, wird aber nichts Näheres gesagt. Ähnliche Systeme werden auch in anderen Ländern entwickelt (Kleine fernsteuerbare Kampfroboter mit "Point and Shoot"-Schnittstelle).

Dass nun eine Maschine garantieren soll, das sein Angreifer, Gegner oder Krimineller nur durch einen präzisen Schuss in ein Bein oder eine Hand kampf- oder bewegungsunfähig gemacht werden kann, dürfte auch eine Argumentation sein, einen solchen Kampfroboter "humaner" zu machen, damit er besser akzeptiert wird. Angeblich prüft die französische Armee bereits den Kampfroboter.

Die amerikanischen Streitkräfte hatten für den Irak-Krieg 2007 nach langem Zögern bereits ähnliche Boden-Kampfroboter mit Maschinengewehren in das Land gebracht, um diese in der Ferne unter realen Bedingungen zu testen. U.a. dienen auch Kriege dafür, neue Waffensysteme vorzuführen, um sie dann besser verkaufen zu können. Zum wirklichen Einsatz kamen sie aber dann nicht.

Der genaue Grund ist nicht bekannt. Vielleicht war die Sorge zu hoch, damit eine Welle der Entrüstung in der Weltöffentlichkeit auszulösen. An gezielten Tötungen durch Kampfdrohnen sind die Menschen bereits seit dem Afghanistan-Krieg und Einsätzen der israelischen Armee gewöhnt, zu größeren Protesten kam es bislang nicht, die Einsätze finden weit entfernt statt und erscheinen wahrscheinlich ebenso unpersönlich wie das Abwerfen von Bomben von einem Flugzeug, obgleich die Folgen viel verheerender sein können, als wenn Scharfschützen "direkt" von Angesicht zu Angesicht auf Gegner mit einem Gewehr schießen. Das ließe sich aber, wenn die Scharfschützen nicht unmittelbar selbst gefährdet sind, entweder als legitime Kriegshandlung oder als Mordanschlag interpretieren.

Bei Drohnenangriffen wird oft die Gunst der Gelegenheit genutzt, der vermeintliche Gegner muss nicht einmal bewaffnet sein, um ihn hinterrücks oder von oben zu töten, wobei die Piloten in sicherer Entfernung, im Fall von Afghanistan, Pakistan oder Syrien, sogar auf einem anderen Erdteil die Drohne mit Joysticks steuern und die Raketen abfeuern. Boden-Kampfroboter kommen dem Gegner näher und sind sichtbarer als Drohnen, die in großer Höhe fliegen.

Vielleicht also wollte das Pentagon nicht als erste Streitkraft den tödlichen Einsatz von bewaffneten Kampfrobotern in Städten beginnen, um Kritik und Bilder zu vermeiden, die zeigen, wie amerikanische Bodenroboter auf Menschen schießen. Dazu soll zumindest gekommen sein, vielleicht aber war dies auch der Hauptgrund, dass die Kampfroboter eben nicht präzise geschossen haben sollen, sondern auch begleitende Soldaten durch Veränderungen der Schussrichtung beim Fahren etwa auf unebenem Gelände oder durch Rückstoß gefährdet haben (Aufgrund von "friendly fire" wurden Kampfroboter wieder aus dem Irak abgezogen).

Genau ein solches präzises Schießen - die Rede ist schon von "hyperpräzis" - soll nun aber der französische Kampfroboter zu unglaublichen 100 Prozent garantieren, der zudem automatisch das Zielen auf Körperteile verhindern soll: "Die Waffe ist mit einem Tag-Nacht-Zieloptiksystem und einem Algorithmus verbunden, der so programmiert ist, dass das Feuern verhindert wird, wenn der Zielpunkt auf den Kopf, den Bauch und den Rücken des Ziels gerichtet ist", sagt bzw. behauptet Yakovleff.

Bild: SD4E

Die Firma will Snibot nicht nur an die Armee verkaufen, sondern sieht Einsatzmöglichkeiten auch im zivilen Bereich zum Schutz von Regierungsgebäuden oder AKWs. Militärisch oder auch im Polizeieinsatz soll er Menschen in gefährlichen Missionen ersetzen, aber auch Kosten einsparen. So würden zum Schutz von Infrastrukturen 5 Menschen eingesetzt werden müssen, damit stets einer auf Wacht ist, während ein Roboter nicht müde, gelangweilt oder gestresst wird - und für ihn auch keine zeitlichen Begrenzungen der Arbeitszeit oder gar Urlaubsansprüche gelten. Er kann höchstens durch Pannen ausfallen. Als vorteilhaft wird auch angepriesen, dass der Kampfroboter nicht autonom ist, sondern von einem Menschen gesteuert wird, der rechtlich belangt werden kann.

Um die Notwendigkeit für Kampfroboter zu unterstreichen, wird auf eine Aussage eines Offiziers der US-Armee verwiesen: "Nur 4 Prozent der Mitglieder der amerikanischen Armee setzen im Kampf eine persönliche Waffe ein, aber diese 4 Prozent stellen 90 Prozent der Verluste dar, auch wenn sie nur 1 Prozent des Rüstungshaushalts erhalten. Es wird Zeit, dass sich dies ändert und dass die im direkten Kontakt stehenden Truppen 10 Prozent des Budgets erhalten." Das hat nun zwar nicht direkt mit der Ersetzung der Soldaten mit Robotern zu tun, soll aber auch Geltung für die französische Armee haben. Die Logik ist vielleicht, dass man durch Kampfroboter Soldaten ersetzen kann, die dann, weil weniger gebraucht werden, mehr Sold erhalten könnten. Aber das geht an der Realität beim Militär, aber auch in der Privatwirtschaft vorbei. (Florian Rötzer)

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