Der kleine Vetter des Hobbit

Die Callao Höhle (Insel Luzon, Philippinen), wo die Fossilien des Homo luzonensis ausgegraben wurden. Blick von der hinteren Wand in die erste Kammer der Höhle, wo die Knochen und Zähne in der Erde lagen, dahinter die zweite Kammer. Bild: Florent Détroit / Callao Cave Archaeology Project

Auf der philippinischen Insel Luzon lebte eine neue Art von Menschen

Südostasien ist einer der aktuellen Hotspots, wenn es um neue Entdeckungen der Paläoanthropologie geht. Aktuell wird der staunenden Welt eine ganz neue Art von Mensch präsentiert, der Homo luzonensis, benannt nach der philippinischen Insel Luzon, auf der seine Fossilien ausgegraben wurden (Neue Art des Menschen entdeckt).

Er lebte dort vor circa 67.000 Jahren und neben seiner Zwergengröße überrascht er mit einer Verbindung von stark unterschiedlichen Merkmalen. Manches an ihm erscheint auf sehr primitive Vorfahren des Menschen zu verweisen, anderes auf Homo erectus oder Homo sapiens.

Der menschliche Stammbaum ist vielfältig und verzweigt, das erweist sich durch die Entdeckungen der letzten Jahrzehnte zunehmend als das richtige Modell, das inzwischen die altgedienten Vorstellungen einer nach und nach ablaufenden gradlinigen Entwicklung bis zu den heute lebenden Menschen ablöst. Es lebten tatsächlich häufig verschiedene Formen und Arten von Vor- und Frühmenschen parallel nebeneinander, die teilweise auch wieder miteinander Nachwuchs zeugten.

Die ersten Hominini lebten vor 6 bis 7 Millionen Jahren in Afrika. Als Hominini gelten alle lebenden oder ausgestorbenen Mitglieder der Überfamilie Hominoidea (Menschenartige), die mit dem Homo sapiens näher verwandt sind als mit den Affen.

Vor etwa zwei Millionen Jahren erblickte dann Homo erectus, der aufgerichtete Mensch, in Afrika das Licht der Welt. Eine Menschen-Art, die das Feuer gezielt nutzte und als erste den Heimatkontinent, die Wiege der Menschheit verließ, um sich die Welt zu erobern. Die Erectus-Frauen und Männer kamen zügig voran. In Georgien, nahe der Stadt Dmanissi wurden insgesamt fünf Schädel entdeckt, die ein Alter von 1,8 Millionen Jahren haben.

Afrika und Asien

Soweit das heute gängige Modell. Das auch erklärt, warum in Afrika sehr intensiv nach menschlichen Vorfahren gesucht wurde und wird. Denn dort kam auch unser aller direkter erste Vorfahre Homo sapiens vor etwa 300.000 Jahren zur Welt, und machte sich in einer zweiten Auswanderungswelle vor mindestens 100.000 Jahren auf den Weg durch den Nahen Osten in Richtung Asien und Europa (Der moderne Mensch eroberte direkt Arabien).

Aber Südostasien ist in letzter Zeit immer wieder für Überraschungen gut. Zuletzt wurden die Inseln Borneo und Sulawesi als Geburtsorte der Kunst mit den ältesten menschlichen Malereien identifiziert ( Älteste Höhlenmalerei der Welt auf Borneo entdeckt und Die älteste Höhlenmalerei der Welt in Indonesien).

Die Landschaft auf der Insel Luzon. Bild: Callao Cave Archaeology Project

In der Region der südostasiatischen Inseln leben schon sehr lange archaische Menschen und manche von ihnen waren ganz anders als alle anderen. 2004 stellten Forscher den Homo floresiensis alias Hobbit vor, einen zwergenhaften Menschen, der noch vor 18.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores lebte.

Ein höchst merkwürdiges Geschöpf, das sehr primitive Körpermerkmale in sich vereinte, und dennoch über beachtliche Intelligenz verfügte, was sich unter anderem an seinen ausgefeilten Steinwerkzeugen zeigte. Die körperlichen Merkmale der ersten ausgegrabene Hobbit-Frau und ihrer später gefundenen Verwandten wirken wie ein Mosaik aus Versatzstücken der Menschheitsgeschichte.

Homo floresiensis muss das offene Meer überquert haben, um die Insel Flores zu erreichen(vgl. Hobbit oder Nicht-Hobbit?). Die meisten Experten halten die Hobbits für eine spezielle Form des Homo erectus. Inzwischen wurden auch Fossilien ihrer direkten Vorfahren ausgegraben, die vor 700.000 bereits in ihrer Zwergenform auf der Insel lebten (vgl. Die Ahnen des Hobbits).

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