Der mit Pistolen schießende humanoide Roboter aus Russland

Fedor, der Android, der schießen kann. Bild: FPI

Westliche Firmen haben die Lieferung von Teilen für den Roboter Fedor eingestellt, der als Assistent Astronauten begleiten und auf der Weltraumstation arbeiten soll

In Russland wurde 2017 ein humanoider Roboter vorgestellt, dessen besondere Eigenschaft es war, in jeder seiner Hände eine Pistole halten und auf Ziele abfeuern zu können. Der Terminator-Roboter namens FEDOR (Final Experimental Demonstration Object Research) wurde von Android Technology hergestellt und kann noch mehr, beispielsweise Liegestützen, am Boden krabbeln oder Hanteln heben. Und er soll schließlich lernen, auch durch Imitation der Bewegungen von Menschen, alle möglichen Werkzeuge zu benutzen oder auch Fahrzeuge zu steuern. Auf einem Video wird gezeigt, dass er bereits sägen, eine Tür mit einem Schlüssel öffnen oder in ein Fahrzeug einsteigen und losfahren kann oder können soll.

Entwickelt wurde er von der 2012 von Wladimir Putin gegründeten Russian Foundation for Advanced Research Projects (FPI), die als russisches Äquivalent der Darpa konzipiert war. Für die Landesverteidigung und in die Innere Sicherheit sollen hier neue technische Projekte entwickelt und Talente gefördert werden. So wird am ersten russischen Quantencomputer gearbeitet, vor kurzem wurde der erste Chip für ein neuronales Netzwerk präsentiert, des geht um 3D-Drucker für Flugzeugteile und andere Anwendungen, unsichtbare Umhänge, Krebs- und Genforschung oder neue Materialien.

Eines der Projekte ist eben der erste russische anthropomorphe Roboter, der als "Universalroboter" vielseits einsetzbar ist. Sein 180 cm großer Körper soll menschenähnlich und mit einem Sensorsystem sowie Kraftrückkopplung ausgestattet sein, um sich in für Menschen gebauter Infrastruktur bewegen und mit Werkzeugen und Geräten arbeiten zu können. Gedacht ist FEDOR nicht nur als um sich schießender Robotercowboy oder Polizist, sondern als Rettungsroboter, als Assistent für Astronauten, zum Minenräumen oder für die Arbeit etwa in Umgebungen wie AKWs, die für Menschen zu gefährlich sind. Einsatzbar soll er auch autonom sein, aber er soll auch die Bewegungen eines Menschen in großer Entfernung nachahmen können. Schließlich soll er auch in den Weltraum als Hilfsastronaut und anstelle von Astronauten die ersten Testflüge des Raumschiffs Federazija durchführen.

Der Handwerkerroboter. Bild: FPI

Noch abhängig vom Ausland

In einem Artikel von RBC hieß es 2018, dass die Hälfte aller Komponenten in Russland hergestellt worden seien, der Rest komme aus Japan, den USA, Deutschland oder der Schweiz. Chinesische Teile würden nicht verwendet. 90 Prozent der elektronischen Teile würden in Russland hergestellt. Das aber scheint etwas übertrieben gewesen zu sein.

Vor einigen Tagen berichtete Evgeny Dudorov, der technische Direktor von Android Technology, dass das Video des schießenden Roboters bei manchen Firmen, von denen Teile gekauft wurden, nicht gut ankam. Sie würden jetzt Motorteile nicht mehr liefern. Er wiederholte, die Hälfte der Teile würde in Russland hergestellt, mit Blick auf die Kosten seien es 40 Prozent. FEDOR sei viel billiger als der von Boston Dynamics entwickelte Atlas-Roboter, den man offenbar als Konkurrenzprojekt betrachtet.

Mit der Einstellung der Lieferungen aus dem Ausland müsse man die Teile in Russland entwickeln, was aber seine Zeit benötige, da es in Russland keine weiteren Firmen gebe, die anthropomorphe Roboter entwickeln oder bauen, und es auch einen Mangel an Programmierern gebe. Allerdings würde es dann auch Vorteile geben, weil man billiger produzieren und für größere Sicherheit sorgen könne. Bei der Feinmotorik und der Bedienung von Instrumenten und Werkzeugen liege der russische Roboter vorne. Russland habe überdies den Vorteil, schneller und billiger Innovationen zu entwickeln, als dies in anderen Ländern möglich ist. Dort sei man aber bei der Software-Entwicklung weiter.

Fedor werde jetzt der russischen Weltraumbehörde Roskosmos übergeben, um den Einsatz im Weltraum vorzubereiten. Das sei naheliegend, da es im Weltraum für die Menschen sehr gefährlich sei, besonders wenn sie außerhalb der Weltraumstation arbeiten. Schon jetzt könnten 90 Prozent der aus Hunderten von Einzelschritten bestehenden Arbeiten, die ein Astronaut während eines Weltraumspaziergangs durchführt, von einem Roboter im Kopiermodus erledigt werden. In Entwicklung ist ein außen an der Weltraumstation befestigter Roboter namens Teledroid, der zusammen mit einem mobilen Spinnenroboter mit vielen Armen namens Kosmorobot arbeiten soll.

Autonom oder offline könnten solche Arbeiten aber wohl noch länger nicht möglich sein, weil eine Raumstation ein sehr komplexes technisches Objekt ist und schnell Schäden verursacht werden können, sagt Dudorov. Auch für Erkundungsmissionen auf den Mond und Mars seien die Roboter geeignet, aber hier müssten sie autonom arbeiten können.

Was den schießenden Fedor angeht, stellt Dudorov Naheliegendes klar. Militärroboter würden keine Androiden sein, weil sie sofort zum Ziel werden, während Militärroboter stabiler auf Räder oder Ketten gestellt werden. Androide würden schon eher als Kellner oder Reiseleiter interessant sein. Allerdings war natürlich das Video mit dem humanoiden Roboter, der mit zwei Pistolen in seinen Händen herumballert, viral. Es sei nur darum gegangen, die Präzision zu zeigen. Ein Roboter, der letztlich nur eine ferngesteuerte oder autonome Waffe ist und nicht nach einem Lebewesen aussieht oder menschenähnlich wirkt, beeindruckt weniger und scheint keinen eigenen Willen zu haben. Das wird sich schnell ändern, wenn Kampfroboter nicht nur hoch oben am Himmel, sondern auch auf dem Boden Menschen töten. Das Böse ist nicht der Mitmensch, es kann auch dessen gar nicht menschenähnliches Produkt als unbarmherziges Vehikel seiner Interessen sein. (Florian Rötzer)

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