Der übergewichtige US-Präsident ist Repräsentant einer übergewichtigen Nation

Bild: DoD

"Too Fat to Fight": Die Fettleibigkeitsepidemie gefährdet die nationale Sicherheit: 70 Prozent der jungen Amerikaner sind für den Militärdienst ungeeignet

Donald Trump ist selbst nicht der dünnste. Im September 2016 wog er 236 Pfund oder 108 kg. Hämisch wurde festgestellt, dass er damit bei seiner Größe "klinisch fettleibig" sei, wenn auch nur ganz knapp. Damit unterscheidet er sich von seinen beiden Vorgängern George W. Bush und Barack Obama, die auf ihr Gewicht und ihre Fitness achteten, aber offenbar für die meisten Amerikaner darin kein Vorbild darstellten.

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Der eher übergewichtige US-Präsident setzt auf militärische Macht und will den Etat des Pentagon auf Kosten vieler anderer Ministerien erhöhen. Es soll nicht nur neues Gerät angeschafft, sondern auch das Personal aufgestockt werden. Aber schon jetzt hat das angeblich mächtigste Militär ein Problem, immer mehr Soldaten sind dick. Das macht nichts, wenn man in Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen oder vor Bildschirmen sitzt, aber für Einsätze wird die sinkende Leistungskraft ein Problem - und auch für die wachsenden Gesundheitskosten.

Ende 2016 wurde durch eine Untersuchung der Army bekannt, dass 10,5 Prozent der Soldaten übergewichtig sind. Nicht einmal ein Jahr später wurden im Juni Daten veröffentlicht, nach denen nun schon 13 Prozent der Army-Soldaten "klinisch fettleibig" sind. Die körperlichen Fitnesstests würde 1/20 nicht schaffen.

Das Tragen einer US-Army-Uniform sei eine Ehre, die auch eine Verantwortung abverlange, sagt Michael McGurk, der Direktor der Forschungs- und Wissenschaftsabteilung am Army Center for Initial Military Training. Dazu gehöre ein "Mindestmaß an Fitness und Leistungsfähigkeit", die beibehalten werden müssten. Deswegen wurde ein "Holistic Health and Fitness"-Programm auf den Weg gebracht, um die Soldaten auf das richtige Körpergewicht zu schrumpfen. Holistisch deswegen, weil es nicht nur um Fitnessprogramme und Ernährung geht, sondern auch um den "kognitiven Aspekt". In den Lebensmittelautomaten der Army sollen etwa 15-50 Prozent der Angebote "gesünder" als bisher sein, manche auch zu 100 Prozent. In den Kantinen soll es vegetarische und vegane Menüs geben.

Beim Militär werden bei der Rekrutierung Gewicht und Fitness geprüft. Daher sind die Soldaten der US-Army kein Querschnitt der Bevölkerung, denn nach dem 14. Bericht zur Fettleibigkeit der Nation der Robert Wood Johnson Foundation ist die vor kurzem von Donald Trump zum medizinischen Notstand erklärte Opioid-Epidemie noch gering, wenn 70 Prozent der Amerikaner übergewichtig (BMI mehr als 25 kg/m2) oder fettleibig (BMI mehr als 30 kg/m2) sein sollen. In allen Ländern gibt es mehr übergewichtige Männer als Frauen.

Zum Vergleich: in Deutschland gelten 59 % der Männer und 37 % der Frauen als übergewichtig. Bei den Männern ist es bereits so, dass der normalgewichtige Mann schon ab einem Alter von 30 bis 35 Jahren in der Minderheit ist, bei den Frauen schaffen dies erst die Über-55-Jährigen. Besonders schnell nimmt der Anteil der Adipösen zu, fast ein Viertel der erwachsenen deutschen Frauen und Männer sind fettleibig. Männer und Frauen liegen bei Adipositas fast gleichauf. Bei den Kindern scheint erst einmal der Höhepunkt überschritten worden zu sein, der Anteil der Übergewichtigen geht hier leicht zurück, in den USA ebenso.

Allerdings sind in den USA trotzdem noch 17 Prozent der 2-19-Jährigen übergewichtig, vor allem stark unter Latinos und Schwarzen. In den USA gibt es mit 38 Prozent deutlich mehr Fettleibige als in Deutschland, deren Anteil variiert stark zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Am meisten Fettleibige gibt es im Süden und im Mittleren Westen. Gut möglich, dass die Übergewichtigen eine wichtige Wählerschicht für den übergewichtigen Trump waren, der nicht bekannt dafür ist, auf Fitness und gesundes Essen, auf die Reduzierung des Autofahrens und die fuß- oder fahrradfreundliche Umgestaltung der Städte zu achten.

Anders als in Deutschland ist der Anteil der fettleibigen Frauen in den USA mit 40 Prozent höher als der bei Männern mit 35 Prozent. Im Bericht heißt es, dass die Zunahme zwar langsamer geworden sei, aber "Fettleibigkeit bleibt eine der am weitesten verbreiteten, teuersten und tödlichsten Gesundheitsprobleme". Betroffen sind besonders Menschen mit geringerer Ausbildung und niedrigem Einkommen. Für die USA sei das teuer, jährlich würden durch Fettleibigkeit von Kindern und Erwachsenen 150 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen medizinischen Kosten entstehen und Milliarden wegen geringerer Arbeitsproduktivität.

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Hingewiesen wird darauf, dass Fettleibigkeit auch als nationales Sicherheitsrisiko betrachtet werden kann, zumindest so lange, bis das Militär die Gewichts- und Fitnessanforderungen nicht je nach Beschäftigung starker differenziert. Cyberwar-Soldaten oder Drohnenpiloten, die ihren Dienst sitzend verrichten, können ja mehr Gewicht haben als Soldaten, die mit schwerer Ausrüstung auf dem Boden in den Kampf ziehen. Da wird auch überall überlegt, weil es nicht nur in den USA schwerer wird, neue Soldaten zu finden, sondern auch gleichzeitig die Fitness der jungen Menschen abnimmt.

Nach dem Bericht müssen 23 Prozent der Rekruten wegen Fettleibigkeit abgewiesen werden, dem Pentagon sollen jährlich eine Milliarde an zusätzlichen Gesundheitskosten für fettleibige Soldaten und deren Familien entstehen. Angeblich ist aus militärischer Sicht der Zustand der jungen Menschen verheerend, weswegen die Rekrutierung schwieriger werden könnte: "70 Prozent der jungen Menschen sind heute wegen Fettleibigkeit oder Übergewicht, Vorstrafen, Drogenmissbrauch oder Bildungsdefiziten nicht geeignet, im Militär zu dienen." Da hat nicht nur eine Berufsarmee ein Personalproblem, auch mit Wehrpflicht würde man hier schnell an Grenzen stoßen, wenn man nicht drastisch die überkommenen Anforderungen verändern oder etwa Ausländer einstellen will, die nach dem Wehrdienst eingebürgert werden.

Die Gründe für die Adipositas-Epidemie in den USA sind bekannt. Die Menschen bewegen sich zu wenig und pflegen einen sitzenden Lebensstil, 80 Prozent essen nicht genügend Gemüse, 70 Prozent nicht genügend Früchte, fast die Hälfte trinkt jeden Tag ein gezuckertes Getränk, die meisten Amerikaner nehmen zu viel Fett, Zucker und Salz zu sich. Ärmere Wohngebiete sind manchmal nicht nur "Lebensmittelwüsten", hier gibt es auch zu wenig Parks, Spiel- oder Sportplätze. Auf dem Land ist es nicht besser. Die Kinder werden noch mehr zur Schule gefahren, überhaupt ist die Autobenutzung höher, die Kinder auf dem Land sollen auch noch mehr Fernsehen und Kalorien zu sich nehmen. Über 90 Prozent der amerikanischen Kinder ernähren sich nicht gut, weniger als die Hälfte ist täglich die empfohlene eine Stunde körperlich aktiv. (Florian Rötzer)

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