Deutsche Polizei nimmt den katalanischen Ex-Präsident Puigdemont fest

In Katalonien rufen Unabhängigkeitsbefürworter zu Protesten vor dem deutschen Konsulat in Barcelona auf. Deutschland wird aufgefordert, Puigdemont nicht auszuliefern.

Der Unabhängigkeitsbefürworter, der im Exil in Belgien lebt, war auf der Rückreise von Finnland und Dänemark

Während andere europäische Länder wie Belgien oder Dänemark die Kriminalisierung von katalanischen Politikern, die die Unabhängigkeit befürworten, nicht mitvollzogen haben, ist es in Deutschland anders. Als der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont, der in Spanien der Rebellion, Veruntreuung und Ungehorsam beschuldigt wird, von Dänemark nach Deutschland einreiste, nahm ihn die deutsche Polizei aufgrund eines Europäischen Haftbefehls auf einer Tankstelle fest. Mit ihm sind vier weitere Personen gefahren.

Puigdemont, der im Exil in Brüssel lebt, war eingeladen worden, um an einer Podiumsdiskussion der Universität Kopenhagen teilzunehmen und eine Rede an der Universität Helsinki zu geben. Er war auf dem Rückweg in einem Fahrzeug. Allerdings ist er bereits aus Finnland gereist, wo er sich seit Donnerstag aufgehalten hatte. Dort hatte die Polizei am Samstag den Europäischen Haftbefehl erhalten.

Nach Angaben von El Pais war Puigdemont seit seiner Ausreise aus Finnland von 10-12 Agenten des spanischen Geheimdienstes CNI verfolgt worden. In Belgien sei er auch unter Überwachung gestanden, das sei aber schwieriger gewesen. In Deutschland sollen die CNI-Agenten eng mit dem BKA zusammengearbeitet haben. Man habe bereits überlegt, die Festnahme in Dänemark zu veranlassen, die Wahl soll aber dann auf Deutschland gefallen sein, weil die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen Spanien und Deutschland besser sei.

Spaniens oberstes Gericht hatte am Freitag gegen gegen Puigdemont und vier weitere Ex-Mitglieder der katalanischen Regierung, die von Madrid aus abgesetzt worden ist, Europäische Haftbefehle ausgestellt worden. Überdies wurde ein Haftbefehl gegen Marta Rovira von der ERC ausgestellt, die sich in der Schweiz aufhält. Belgien hatte Spanien schon einmal abblitzen lassen, nachdem das erste Mal nach dem Gang ins Exil von Puigdemont ein Europäischer Haftbefehl ausgestellt, aber schnell wieder zurückgezogen wurde. (Florian Rötzer)

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