Deutsche Rohstoffvorkommen ausbeuten

Der Kupferbergbau in der Lausitz wird angesichts der steigenden Rohstoffpreise mit Hoffnungen auf lukrative Förderung und neue Arbeitsplätze verknüpft

Das Preiskarussell bei Industrierohstoffen dreht sich immer schneller. Seit China und Indien ihre Industrieproduktion immer mehr ausgeweitet haben, geraten auch die dafür nötigen Rohstoffe in den Fokus internationaler Investoren. Auch kleinere Vorkommen werden nun interessant. Das in Panama ansässige Unternehmen Minera S.A. will nun auch deutsche Vorkommen ausbeuten. Durch die eigens dafür gegründete Tochter „Kupferschiefer Lausitz GmbH“ (KSL) will das Unternehmen bei Spremberg, einem etwa 25.000 Einwohner zählenden Städtchen zwischen Dresden und Cottbus ein Kupferbergwerk errichten lassen. Ab 2012 soll damit begonnen werden ein tiefes Loch in die Lausitzer Erde zu buddeln, um dann in etwa 1.400 Meter Tiefe vor allem Kupfer, Nickel und Silber abzubauen.

Für Pendler zwischen den Städten Essen und Duisburg begann die vergangene Woche ausgesprochen nervenaufreibend. Jeder zweite Nahverkehrszug in der Region musste am Montag umgeleitet werden und erreichte nur mit Verspätung sein Ziel. Der Grund dafür waren Diebe. In einer Nacht und Nebelaktion versuchten Unbekannte mehrere Steuerungskabel an den Gleisen zu entfernen. Eine Woche zuvor hatten ebenfalls Unbekannte in Essen ein etwa 1.500 Meter langes Oberleitungskabel aus 5 Meter Höhe entfernt. Der Schaden allein dieses Diebstahls belief sich laut der Polizei auf mindestens 50 000 Euro. Das Ziel der Diebe war das in den Leitungen befindliche Kupfer.

Kupferschiefer mit Fossilien

Der Grund für diese Diebstähle liegt im Preis. Dieser ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen und ein Ende der Preisrallye ist derzeit nicht abzusehen. Rohstoff-Analysten der Commerzbank sagten gegenüber Telepolis: „Lagen die Preise bis 2004 noch unter 4 000 Dollar pro Tonne, gehen wir davon aus, dass er zum Jahresende 2010 bei etwa 6 800 Dollar pro Tonne liegt und Ende 2011 dann noch einmal 1.000 Dollar höher.“

Grund genug für Minera nun auch die Kupfervorkommen in der Lausitz ins Auge zu fassen. Pia Verheyen, Sprecherin der KSL sagte: „Zu DDR-Zeiten wurde bereits alles erkundet und für die 1990er Jahre war ein Abbau angedacht.“

Durch den Zusammenbruchs des zweiten deutschen Staates kam es jedoch nie zu einer Ausbeutung der Vorkommen und das wiedervereinigte Deutschland hatte schlicht kein Interesse daran. Die in den vergangenen Jahren stetig gestiegenen Preise machen das Kupfer aus der Lausitz jedoch wieder interessant für internationale Bergbauunternehmen. Laut Verheyen, habe das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Brandenburg (LBGR) die Genehmigung für einen Abbau bereits im Mai diesen Jahres erteilt.

Die Probebohrungen der KSL haben ergeben, dass neben den etwa 215 Mio. Tonnen Kupfer noch etwa 89.000 Tonnen Blei, 36.000 Tonnen Zink und etwa 4.500 Tonnen Silber unter der Erde lagern. Zusätzlich dazu wird noch mit kleinere Mengen Gold, Platin und Nickel gerechnet. Aber auch die immer wichtiger werdenden und sehr selten vorkommenden Metalle Germanium, Gallium, Indium und Paladium, oder die seltene Erde Neodymium werden erwartet.

Gerade diese Metalle sind es, die die deutsche Industrie zunehmend sorgenvoll in die Zukunft blicken lassen. Die Volksrepublik China hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Monopolisten für diese Rohstoffe entwickelt.

Nicht nur, dass in China die größten Vorkommen der Seltenen Erden und verschiedener seltener Metalle liegen. Bereits vor Jahren hat Peking damit begonnen sich weitere Vorkommen, beispielsweise in Afrika und Südamerika zu sichern. Heute können etwa 90 Prozent dieser Metalle ausschließlich über chinesische Quellen bezogen werden.

Auch die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte in einer Regierungserklärung:

Ich sehe mit großer Sorge, wie sich etwa bei der Eisenerzgewinnung monopolartige Strukturen herausbilden und die Preise nach oben treiben.

Bei Rohstoffen, wie den seltenen Erden gebe es wichtige Ausfuhrstaaten, die starke protektionistische Tendenzen zeigten, einige Länder wie China hätten bereits sogar Exportzölle eingeführt, so Brüderle weiter.

Derzeit versucht das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) durch den Aufbau einer deutschen Rohstoffagentur der deutschen Industrie Zugang zu seltenen Rohstoffen zu ermöglichen. Brüderle sagte:

Gerade im massiv anziehenden globalen Wettbewerb um Rohstoffe müssen wir die deutsche und europäische Rohstoffpolitik klug verzahnen.

Spremberg blickt derweil hoffnungsvoll in die Zukunft. Der Bürgermeister der Stadt, Klaus-Peter Schulze (CDU) sagte in der Zeit:

Wir kämpfen gegen Abwanderung der Jugend und gegen Überalterung, da ist das Bergwerk ein echtes Glück.

Er hofft auf eine wirtschaftliche Wiederbelebung der Lausitz. Die KSL kündigte an, dass sie in dem Bergwerk etwa 1.000 neue Stellen schaffen wolle. Dazu sollen im Umfeld des Abbaus noch einmal 2.000 kommen. Gleichwohl klar ist, dass der Bau eines Bergwerkes geraume Zeit in Anspruch nimmt. Hoffnung auf einen Aufschwung in der Region scheint durchaus angebracht zu sein. Verheyen sagte gegenüber Telepolis: „Ab 2012 beginnen wir zu graben.“ Bis dahin wird sich Bürgermeister Schulze wohl noch gedulden müssen. (Ralf Heß)

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