"Deutsche so wohlhabend wie noch nie"

Durchschnittlich soll jeder Deutsche fast 58.000 Euro auf dem Konto haben

Erfreuliches meldet die Dresdner Bank. Die Deutschen seien, so heißt es, "so wohlhabend wie noch nie". Das Bruttogeldvermögen stieg um 5 Prozent im letzten Jahr, auch die Sparquote hat zugenommen.

Das freut auch manchen Vertreter der Medien. So meldet die Welt, dass jeder Deutsche durchschnittlich rund 58.000 Euro auf dem Konto habe. Schön wird man sich denken, wenn man dies oder mehr besitzt, seltsam mag dies für denjenigen klingen, der wenig oder nichts auf dem Konto hat oder gar verschuldet ist. Mit Statistik lässt sich viel machen, in diesem Fall verschleiert das Wort "durchschnittlich" die wirklichen Verhältnisse, wie dies auch unlängst bei der hoffnungsfrohen Prognose der Gesellschaft für Konsumforschung der Fall gewesen ist (2008 soll jeder Bürger 700 Euro mehr in der Tasche haben).

Das Bruttogeldvermögen der Deutschen ist 2007 nach den Angaben der Dresdner Bank auf 4,76 Billionen Euro gestiegen. Der Anstieg verdankt sich vor allem den gestiegenen Aktienwerten. Darauf seien 40 Prozent des Vermögenszuwachses von 230 Milliarden Euro zurückzuführen. 60 kamen als neue Anlagemittel dazu. Die Sparquote ist allerdings nur von 10,5 auf 10,8 Prozent gestiegen, was die Ökonomen auf die Mehrwertsteuererhöhung zurückführen. Die habe 2006 dazu geführt, noch schnell größere Käufe vorzuziehen.

Netto sei allerdings Geld aus den Aktienanlagen herausgeholt worden. Die "Turbulenzen an den Finanzmärkten" hätten die Deutschen noch einmal gestärkt, nicht auf das Risiko zu setzen. Das mag, mit Blick auf die USA und manche Bankenkrise auch in Deutschland, nicht ganz unvernünftig sein, scheint aber die Ökonomen der Dresdner Bank nicht übermäßig zu freuen. Gerne investierten die Deutschen offenbar in die private Altersvorsorge, der "Rekordkurs insbesondere bei den Riester-Renten" habe sich fortgesetzt. Auch das scheint überaus vernünftig zu sein, wenn nicht doch die jetzt diskutierte Mindestrente eingeführt werden sollte. Seltsamerweise macht hier die SPD in Form des Arbeitsministers aber einen Spagat und fordert den Mindestlohn, lehnt aber die Mindestrente ab.

Der größte Teil der Geldvermögen liegt weiterhin als Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie als Sparbriefe bei Banken (gut 33 %), gefolgt von Anlagen bei Versicherungen (rund 25 %). Etwa 12 % sind in Investmentfonds und knapp 10 % in festverzinslichen Wertpapieren angelegt.

Die Verteilung des Vermögens interessiert die Ökonomen der Dresdner Bank allerdings nicht. Auch wenn "die Deutschen" offenbar statistisch immer wohlhabender werden, kann sich die Schere zwischen den Reichen und Armen immer weiter öffnen – was sie auch macht (Kommt der Aufschwung bei den Menschen nicht an?).

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