Deutsche verlieren Vertrauen in die USA

Geisterbeschwörung: Al-Sisi, König Salman und Trump. Bild: TV-Screenshot, Twitter

ARD-DeutschlandTrend: Trump hebt Merkel auf den Beliebtheitsthron

"Kanzlerinnendämmerung" ist vorbei, die Deutschen sind nicht mehr merkelmüde. Im Direktvergleich des aktuellen ARD-DeutschlandTrends mit "Dann kommt Martin" Schulz kommt sie auf 53 Prozent, ihr Konkurrent auf 29 Prozent. Knapp zwei Drittel der Befragten (64%) sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Das hatte sie zuletzt im August 2015 erreicht - vor ihrem berühmten Satz "Wir schaffen das", kommentiert die Tagesschau.

So ist der von Journalisten aufgeblasene Schulz-Effekt und macht dem von Journalisten verstärkten Trump-Effekt Platz. Kein anderer Politiker löste in den letzten Wochen so viel Erregungswellen aus wie der US-Präsident, der mit seinem Orb-Foto vom arabischen Gipfel, seinem G7/Nato-Auftritt, seiner Absage an das Pariser Klimaabkommen (siehe: Trump ist der große Verlierer) und aktuell mit Lügenvorwürfen des von ihm geschassten FBI-Chefs die Nachrichten und politische Gespräche dominierte.

Merkel und Schäuble ganz oben

Davon profitiert Merkel, wie man am DeutschlandTrend ablesen kann. In Zeiten von Trump verringert sich die Lust auf Veränderung an der politischen Spitze, besser setzt man auf bewährte Solidität, die sich eindeutig von Abenteuern absetzt, umso mehr, wenn damit ein internationaler Reputations- und Machtgewinn verbunden ist. Der deutsche Haushalts-Disziplin in personam, Schäuble, für viele Griechen ein Feindbild, liegt nach Merkel mit 63 Prozent auf Platz zwei bei der Politikerzufriedenheit.

Nur mehr 21 Prozent der Befragten halten die USA für einen vertrauenswürdigen Partner1. "So kritisch haben die Deutschen die USA noch nie gesehen", schreibt die Tagesschau. Mit diesem Tiefstwert liegen die USA gleichauf mit Russland. Bei beiden gaben 74 Prozent der Befragten an, dass sie diesen Partnern nicht vertrauen. Noch schlechter schnitt die Türkei ab: 95 Prozent der Antworten lauteten: "Kann man nicht vertrauen".

Macron ganz oben

Ganz oben steht Frankreich mit 94 Prozent, die diesem Partner vertrauen. Der Zusammenhang mit dem neuen Präsidenten Macron, der sich deutlich als Gegenfigur zu Trump profiliert, liegt auf der Hand und bestätigt sich in der internationalen Spitzenpolitikerwertung der Umfrage, wo Macron 59 Prozent Zustimmung erhält und Trump nur 5 Prozent. Leider wurden vom DeutschlandTrend nur nach ganzen drei internationalen Spitzenpolitikern gefragt: Theresa May erhielt 22 Prozent.

Vor der US-Präsidentschaftswahl hielten noch 59 Prozent der befragten Deutschen die USA für einen verlässlichen Partner. Deutlicher ist der Trump-Effekt kaum zu fassen. Die sich an den Nato/G7-Auftritt des US-Präsidenten anschließende Debatte, die mit der Truderinger Bierzeltrede von Merkel (siehe: Europäer müssen selber für ihr Schicksal kämpfen) internationale Reichweite bekam, wird auch vom DeutschlandTrend aufgenommen - mit Fragen, die dem deutschen Selbstverständnis schmeicheln.

"Wer soll die Lücke schließen?"

"Das Vertrauen in die USA sinkt, und gleichzeitig ziehen sich die Vereinigten Staaten weltpolitisch zurück. Wer sollte diese Lücke füllen?", schreibt die Tagesschau. Das eindeutige Ergebnis: "80 Prozent der Deutschen meinen, dass die EU gemeinsam eine größere Verantwortung in der Welt übernehmen sollte."

62 Prozent finden ein "stärkeres internationales Engagement Deutschlands bei internationalen Krisen" grundsätzlich richtig, das ist eine Steigerung von 6 Prozent gegenüber Dezember 2016. Demgegenüber sind 33 Prozent (4 Prozentpunkte weniger als Ende 2016) der Auffassung, dass dies "grundsätzlich nicht richtig" sei.

Das Vertrauen in die EU ist gewachsen, wie gestern bereits an dieser Stelle vom Eurobarometer berichtet. Auch diese Entwicklung wird mit Trump in Zusammenhang gebracht. Die Zustimmung für die EU hängt in Deutschland freilich auch damit zusammen, dass sich das Land mit Merkel und Schäuble eine wirtschaftliche und politische Dominanz erworben hat mit telegenen Erfolgszahlen.

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