Deutscher Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt sank von 5 auf 3,22 Prozent

Grafik: TP

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die alten Industrieländer beim Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt deutlich verloren - Aufgeholt haben die Türkei und Russland

Der regionale Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist höchst ungleich verteilt. Auch wenn die Zahlen meist auf Schätzungen basieren, in der EU die Schattenwirtschaft dazu gerechnet wird und sich die Berechnungsmethoden deutlich unterscheiden, gibt es dennoch bemerkenswerte Aussagen und deutliche Trends.

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So lag der Anteil des gesamten afrikanischen Kontinents im Jahre 2014 noch immer bei gerade mal 3,1 Prozent. Auch der Anteil Südamerikas erreichte 2014 nur 5,6 Prozent und der Nahe und Mittlere Osten gerade mal 4,5 Prozent. Bei 3,4 Prozent lag der Anteil Süd-Osteuropa und die GUS. Auch wenn ihr BIP in absoluten Zahlen steigt, können die klassischen Industrieländer mit dem Wachstum des Welt-BIP nicht mithalten und so verliert ihr Anteil von Jahr zu Jahr.

Betrachtet man die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts unter Berücksichtigung der Kaufkraftparität (KKP/PPP) der wirtschaftlich stärksten Länder in Europa in den vergangenen zwei Dekaden, so fällt auf, dass ihr Weltmarktanteil sich mehr oder weniger stark, jedoch immer deutlich reduzierte. Wurde für Deutschland im Jahre 1998 noch ein Anteil von 5 Prozent angegeben, sank dieser auf 3,22 Prozent. Frankreich verlor von 3,4 auf 2,19 Prozent, Italien gar von 3,3 auf 1,78 Prozent. Großbritannien hatte 1998 noch einen Anteil von 3,1 Prozent und verlor in den folgenden 20 Jahren deutlich auf 2,23 Prozent Weltanteil. Auch der Anteil der Niederlande fiel von 1 Prozent auf 0,72 Prozent.

Auffallend ist, dass der Anteil Russlands trotz der Sanktionen des Westens sich von 3 Prozent im Jahre 1998 auf 3,1 Prozent erhöhte. Deutlicher war der Zuwachs im Falle der Türkei. Von 1,4 Prozent stieg der Anteil auf 1,68 Prozent. Hier zeichnet sich im Kleinen die Anteilsverlagerung am Welt-BIP von den westlichen Industriestaaten auf den asiatischen Teilkontinent ab.

Der Löwenanteil am Welt-BIP entfällt für das Jahr 2017 mit 18,76 Prozent auf die Volksrepublik China, gefolgt von den USA mit 15,1 Prozent und Indien mit 7,46 Prozent. Für den größten Staat Südasiens wird für das Jahr 2022 ein Anteil von 9,1 Prozent erwartet. Für China liegt die Erwartung bei 20,54 Prozent. Für die USA wird bislang mit einem weiteren Abstieg auf 14,01 Prozent im Jahr 2022 gerechnet und auch für Russland wird mit einer Reduzierung auf dann nur noch 2,84 Prozent gerechnet.

Bei den europäischen Industriestaaten wird für Deutschland bis 2022 mit einem Anteil am Welt-BIP mit nur noch 2,94 Prozent gerechnet, für Frankreich mit 2,04 und für Italien mit 1,6 Prozent. Auch die Niederlande sollen mit einem Anteil von dann 0,67 Prozent nochmals leicht verlieren, ebenso wie Großbritannien, dessen Anteil für 2022 mit 2,06 Prozent abgeschätzt wird. Die Abschätzungen für die britische Entwicklung lassen mögliche Folgen durch den Brexit außen vor. Auch bei den anderen Abschätzungen des Weltwährungsfonds wird nur die Entwicklung der vergangenen Jahre fortgeschrieben. Die Auswirkungen der politisch/wirtschaftlichen Verwerfungen, wie sie sich durch die aktuelle Wirtschaftspolitik der USA derzeit abzeichnen, sind in den Zahlen nicht berücksichtigt, da die Folgen des angekündigten Protektionismus derzeit noch nicht absehbar sind.

Auch wenn die Anteile der Schattenwirtschaft am deutschen BIP von geschätzten 16,7 Prozent auf 9,5 Prozent in diesem Jahr sinken sollte, zeigt dies deutlich wie sehr die Zahlen des BIP auf Schätzungen beruhen. Zudem haben statistische Zahlen nicht weltweit die gleiche Bedeutung. Dies muss im Besonderen bei den Zahlen der Volksrepublik China berücksichtigt werden.

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Im Westen wird bei den chinesischen Zahlen zum Wirtschaftswachstum immer wieder vermutet, dass diese nicht der Realität entsprächen. Zu genau würden die jeweils genannten Zahlen mit den Prognosen übereinstimmen. Die chinesischen Angaben zum BIP werden nach Aussage von chinesischer Seite anders ermittelt als im Westen und werden üblicherweise auf der Basis von Meldungen von Großbetrieben erstellt und für die Gesamtwirtschaft dann errechnet.

Ob die Zahlen der Großbetriebe jetzt jeweils auf realen Zahlen beruhen oder nicht, lässt sich von außen nicht beurteilen. Die echten statistischen Zahlen gelten in China klassischer Weise als Staatsgeheimnis. Wichtiger als die absoluten Zahlen ist deren Entwicklung im Laufe der Zeit und der Vergleich dieser Entwicklung nach Branchen oder Regionen. Vor diesem Hintergrund sind die weltweiten BIP-Vergleiche mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. (Christoph Jehle)

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