Deutschland: Es fehlt eine "Kultur des Scheiterns"

Zahl der Start-ups geht weiter zurück, strukturelle Rahmenbedingungen für Existenzgründer sind abschreckend

Haben es Existenzgründer schwer oder leicht in Deutschland? Eine Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management verdeutlicht: Die strukturellen Rahmenbedingungen für Start-ups sind alles andere als optimal.

Im Auftrag der FDP hat die private Hochschule bereits vorhandene Studien, die sich mit den Rahmenbedingungen für Existenzgründungen im Land auseinandergesetzt haben, ausgewertet und Interviews mit Experten geführt. Zum Vorschein kam unter anderem, dass die Zahl der Unternehmensgründungen rückläufig sind. Im Jahr 2014 lag die Zahl bei 422.000 Neugründungen, 2015 waren es dagegen nur noch 388.000. Auch für das Jahr 2016 wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Exitenzgründungen weiter abnimmt. Allerdings: Sowohl in der Landwirtschaft als auch unter freien Berufen wie etwa Künstler könne ein Zuwachs festgestellt werden.

Die Untersuchung zeigt: Die Ursachen dafür, dass es nicht so leicht ist in Deutschland ein Unternehmen zu gründen, sitzen auch tief in der Gesellschaft. In Deutschland scheint es an einer "Kultur des Scheiterns" zu fehlen – davon gehen zumindest die befragten Experten aus: "Deutschland braucht einen Wandel der Fehler-Kultur und der gesellschaftlichen Bewertung des Scheiterns, die Freiraum für neue Ideen und Gründungen zulassen." 79 Prozent der Befragten gaben demnach an, "eine mangelnde Fehlerkultur als größtes Hindernis für Gründungen in Deutschland" wahrzunehmen.

Laut den Experten komme es auch darauf an, dass sich bei den Rollenbildern im Hinblick auf Gründer etwas ändere. Es fehle in der Gesellschaft an Vorbildern, die die Gründerszene in einem besseren Licht erscheinen lassen könnten. Zumindest waren 47 Prozent der Studienteilnehmer dieser Auffassung.

Die Experten sprachen sich auch dafür aus, dass bereits in der Schule der Grundstein für den "Gründergeist" gelegt werden sollte. 47 Prozent der Studienteilnehmer wünschen, dass es zu einer "frühzeitigen Förderung des Gründergeistes" komme.

Allerdings sprachen die Interviewten auch strukturelle Rahmenbedingungen an, die für Unternehmensgründungen ein Hinderniss seien. So forderten etwa 68 Prozent der Experten eine Reduzierung der Bürokratie. Sie glauben einen bürokratischen Aufwand zu erkennen, der "extrem hoch" sei, was die Bereitschaft zur Unternehmensgründung reduziere. Konkret: Während in Kanada der bürokratische Aufwand bei einer Unternehmensgründung 1,5 Tage liege, seien es in Frankreich 4, in Großbritannien 4,5 Tage. In Deutschland aber betrage der entsprechende Zeitaufwand 10,5 Tage. (Marcus Klöckner)

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