Deutschland: Kommt die Rezession?

Symbolbild: Kim from Sherwood Park, Canada. Lizenz: CC BY 2.0

Massiver Auftragsrückgang im Maschinenbau, Kurzarbeit bei Automobilzulieferern

Diese Woche meldete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) für das erste Halbjahr 2019 einen Auftragsrückgang in Höhe von neun Prozent. Die Branche mit über einer Million Beschäftigten und einem Produktionswert von 225 Milliarden Euro rechnet deshalb damit, dass aus der zweiprozentigen Produktionssteigerung 2018 in diesem Jahr ein zweiprozentiger Produktionsrückgang wird.

Dass die heimischen Bestellungen im selben Ausmaß abnahmen wie die aus dem Ausland (vgl. Wie sehr wirkt sich der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt auf Drittstaaten aus?), zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Großauftraggebers Automobilindustrie inzwischen auch auf diesen Bereich auswirken.

Erwartung von Umsatz- und Renditeverlusten

Der Maschinenbauer Aumann aus dem nordrhein-westfälischen Beelen, der neben automatisierten Produktionslinien auch Maschinen zur Herstellung von Elektromotoren anbietet, rechnet deshalb mit einem Umsatzrückgang von 290 auf 260 oder sogar 240 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern dürfte von 29,3 auf nur mehr 16 bis 22 Millionen Euro sinken.

Auch der Bosch-Vorstandschef Volkmar Denner musste der Süddeutschen Zeitung gestern erklären, dass er aufgrund einer "zurückgehenden Nachfrage" sowohl Umsatz- als auch Renditeverluste erwartet. Und "anders als in der Vergangenheit, als es fast immer aufwärts ging", geht er nun "davon aus, dass die Automobilproduktion in den kommenden Jahren stagnieren wird".

Investitionen im Ausland

Bei Continental, einem anderer großer Autozulieferer, gibt sich Finanzchef Wolfgang Schäfer im Manager-Magazin ebenfalls "weniger optimistisch als zuvor", nachdem auch sein Unternehmen Umsatz- und Gewinnerwartungen nach unten korrigieren musste. Continental investiert allerdings auch - und zwar in Litauen, wo man noch in diesem Jahr ein neues Werk in Betrieb nehmen will. Ähnliche Investitionen von Zulieferern gibt es in Tschechien, Ungarn und anderen Ländern mit einem autofreundlicheren vorpolitischen Klima als dem deutschen.

Die schlechten Nachrichten aus dem produzierenden Gewerbe in Deutschland bedrohen inzwischen auch den Handel, der ein bereits das dritte Mal in Folge gesunkenes Konsumklima beklagt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank mittlerweile sogar vier Mal hintereinander und stimmt damit dem VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel zufolge "die deutsche Wirtschaft auf eine Rezession ein".

Für den Volkswirtschaftler Heiner Flassbeck ist so eine Rezession sogar schon da und wird nur durch Statistiken der Staatsführung "verschleiert". Etwas vorsichtiger drückt sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus, das für das dritte Quartal 2019 mit einem "rückläufigen Wachstum" rechnet.

Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Steuersäckel

Geht die Entwicklung so weiter, ist auch eine Verschlechterung der Arbeitslosenstatistik zu erwarten, die einem wirtschaftlichen Niedergang regelmäßig mit etwas Verzögerung folgt. Die Kurzarbeit, die ihr vorangeht, hat sich gegenüber 2018 bereits verdoppelt. Auch sie betrifft dem NDR zufolge Autozulieferer besonders stark. Dem von ihm zitierten Osnabrücker IG-Metall-Geschäftsstellenleiter Stephan Soldanski nach "wissen viele nicht, wie es nach der Sommerpause weitergehen wird".

Spätestens dann dürfte der wirtschaftliche Niedergang über schmälere Steuereinnahmen auch die Haushalte des Bundes, der Länder und der Kommunen erreichen. Die Vorbereitungen für neue Verbrauchssteuern, die nicht beim Verdienst oder Gewinn, sondern beim Konsum ansetzen, lassen sich auch als Reaktion auf solch eine Erwartung lesen.