Deutschland atmet auf

Löw und Seehofer: Wir bleiben! - Neueste Nachrichten aus dem Sommer der Egos

Deutschland atmet auf! Jogi Löw und Horst Seehofer bleiben! Einen Moment dachten wir, wir wären beide los, aber …

Also dann so, zwei generieren sich als Anker im aufgewühlten Meer, das die teutonische Ruhe unversehens aufschreckte. Jetzt kommen auch grad die großen Ferien, da passt es gar nicht, wenn man mit Mann und Maus die deutsche Grenze in den wohl verdienten Urlaub passiert und zu Hause ist Unordnung. Also freut sich der redliche Wochenmensch über gute, das heißt stabile Nachrichten.

Zwei, drei Fragezeichen sind indes erlaubt. Das eine ist relativ einfach: Wieso übernimmt Joachim Löw nicht die Verantwortung für das erbärmliche russische Roulette - und geht? Sicher, mit 58 in die Rente oder zurück in die Bundesliga, mag hart sein. Und den jetzigen Job gibt es schließlich auch nur einmal. Aber die Bilder- und Zeichensprache aus Russland weist den Weg: Jogi's Time is out. Man sah den deutschen Nationaltrainer zuletzt einfach zu oft gutgelaunt mit einem Espresso in der Hand, das Gesicht entspannt in der Sonne - dank Jobgarantie.

Kurzer Rückblick: Anfang 2015 wird Löw zum FIFA Welttrainer 2014 ausgezeichnet. "Es ist wichtig, dass die Mannschaft stabil bleibt und die Qualifikation gnadenlos durchzieht", orakelt der Coach anlässlich seiner (vor-)letzten Vertragsverlängerung zwei Jahre darauf, im Herbst 2016, über die bevorstehende Aufgabe der WM-Qualifikation.

"Mit Freude verlängert" habe er jetzt - das war im Mai 2018, wenige Wochen vor dem Start ins WM-Lager, und der DFB setzt auch pekuniär noch was drauf: Geschätztes Gehalt als Bundestrainer beim DFB seither 3,8 Millionen; lukrative Werbeverträge mit Firmen wie Nivea oder TUI bringen Löw jährlich mindestens zusätzliche 2 Millionen Euro. Sein Vermögen wird auf 18 Millionen geschätzt.

Wieso, Teil derselben Frage, verlängerte der DFB eigentlich Löws Vertrag Mitte Mai, so kurz vor der WM?

Bislang war Löw bis 2020 an den DFB gebunden, passgenau vor der WM heißt es: bis 2022. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff bleibt sogar bis 2024. DFB-Chef Grindel lobt sein "bewährtes Team" (zu vorschnell, wie man jetzt sieht), ein Team, das (so Grindel) "nie satt ist oder Abnutzungserscheinungen zeigt". Eine Einschätzung mit Folgen.

Also ein Neustart mit den alten Köpfen.- das erinnert an chinesische Parteitage. Der DFB ist anscheinend Teil des Problems. Torwartlegende Sepp Maier kritisierte gestern abend bei Markus Lanz den Deutschen Fußballverband denn auch deutlich. Der DFB habe, so Maier, es bereits im Vorfeld versäumt, Mesut Özil (Wochenverdienst beim FC Arsenal: 400.000 Euro) vor die Alternative zu stellen, sich zum peinlichen Auftritt mit Erdoğan zu äußern - oder den Hut zu nehmen. Hier habe sich, zusammen mit den Wackelspielen vor der WM, schon Ungutes angedeutet.

Allgemein zeigt sich, wie sehr die Jungs mit sich selbst, mit ihren Egos, Tattoos und Werbekontrakten und, nebenbei, als findige Investoren und Finanzkapitäne beschäftigt sind.

Ilkay Gündogan zum Beispiel kungelt zu offenkundig mit der türkischen Polit-Elite; der Deutschtürke tritt in der Heimatstadt seiner Familie in der westtürkischen Provinz Balikesir als Wohltäter und Investor auf. Laut türkischen Medien plant Gündogan zusammen mit Vater und Bruder Ilker in Balikesir ein 13-geschossiges Einkaufszentrum mit dutzenden Läden und über 100 Büros, ein millionenschweres Ding, das ohne Nähe zur Politik schwerlich ginge. Toni Kroos (der "Held von Sotschi") baut derzeit im Kölner Nobelvorort Hahnwald an seiner Villa, angeblich ein Zweitwohnsitz. Da ist der Kopf nicht frei, verständlicherweise.

Dennoch: Deutschland atmet auf, der Jogi und der Horst bleiben! Die Egomania feiert fröhliche Urstände. Sachargumente, selbstkritische Arbeit und Teamgeist, das war einmal. Die Götter der WM ihrerseits sind zu hoch gestellt, sie gehören endlich wieder mit der Nase auf den Boden. Na klar, Löw sagt uns eine Woche nach dem WM-Aus nicht, wie er das anstellen möchte. Wir fragen uns, ob er in der Lage ist, die Espressolaune abzustellen und Kante zu zeigen. Und Seehofer?

Symptomatisch, dass ein Egomane seines Schlags derart pöbeln muss, damit etwas Pepp in die deutsche Schlafwagen-Politik kommt. (Arno Kleinebeckel)

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