Deutschlands Mordkarte ist online

Web 2.0-Projekt beschäftigt sich mit historischen und aktuellen Mordfällen

So lange man nicht selber davon betroffen ist, sind Mord und Totschlag ein schaurig schönes und vor allem ein beliebtes Thema. Das beweisen ja allein schon die zahllosen TV-Krimis und die hohen Auflagen von Kriminalromanen. Und da war wohl im Netz eine Mordkarte für Deutschland mehr als überfällig.

Sie gibt es jetzt bei Mordort.de, und mit ihrer Hilfe haben wir schnell einen veritablen Serienmörder entdeckt: den Fleischer (!) Carl Großmann. Über ihn heißt es: „Hingebungsvoll war Carl Großmann angeblich nur zu seinem Zeisig - sein innigster Wunsch soll die Anschaffung dieses Vogels gewesen sein. Weniger gut war er hingegen auf Menschen zu sprechen: Im heute zugeschütteten Engelbecken und im Luisenstädtischen Kanal wurden zwischen 1918 und 1921 Teile seiner mutmaßlichen weiblichen Opfer gefunden.“

Grün-Blau: Mehrere Mordorte zusammengefasst. Orange: Fiktiver Einzelmord. Grün: Realer Einzelmord. Orange mit "+"-Zeichen: Fiktiver Mehrfachmord. Grün mit "+"-Zeichen: Realer Mehrfachmord. Karte: Google Earth

Nach Schätzungen soll Großmann 20 bis 100 Frauen ermordet haben, drei Fälle konnten ihm allerdings vor Gericht nur nachgewiesen wurden. Es gibt Vermutungen, dass er seine Opfer zu Fleisch- oder Wurstwaren verarbeitet. Und er womöglich eine Neigung zum Kannibalismus besessen habe. Nach seiner Festnahme erhängte sich Großmann am 5. Juli 1922 in seiner Zelle.

Nicht ganz so spektakulär ist der Fall der Serienmörderin Anna Zwanziger: „Die hochschwangere Frau des Kammeramtmanns Gebhard konnte nicht ahnen, dass sie sich den Tod in ihr Haus in Sanspareil holte, als sie Anna Zwanziger am 13. Mai 1809 einziehen ließ. Nach ganzen vier Tagen als Haushälterin war die Zwanziger so verstimmt über die Behandlung im Hause Gebhardt, dass sie beschloss, ihre Hausherrin qualvoll zu vergiften.“

Und dann griff die böse Frau Zwanziger nach guter alter Frauenart also zum Gift: „Sie präparierte dazu zwei Krüge Bier mit Rattengift und ,Mückenstein' - grauem Arsen, die bald darauf ihre Wirkung taten und die frisch gebackene Mutter und Ehefrau Gebhards unter großen Schmerzen ins Jenseits beförderten.“

Weitere Hintergründe dieser Tat kann man bei Mordort nachlesen, dort wird dann auf einer Karte auch der genaue Tatort angezeigt. Und wer Lust hat, kann sich bei diesem neuen mörderischen Web 2.0-Projekt beteiligen, kann also aktuelle oder historische Morde eintragen lassen. Nur selbst begangene Morde sollte man lieber nicht melden, das könnte schlussendlich bös hinter Gittern enden.

Gegründet wurde dieses Projekt Anfang des Jahres. Und nach Aussagen der Betreiber richtet es sich an Krimiliebhaber, Stadtteilforscher, Kulturhistoriker, Krimiautoren und allgemein an Menschen, die mehr über die Umgebung erfahren wollen, in der sie leben. Also an die üblichen Mordverdächtigen.

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