Deutschlands erste "Multikulti"-Moschee eröffnet

Geringes Engagement von Muslimen gegen IS-Terror

Noch gibt es viele Vorbehalte gegenüber der neuen liberalen Moschee. Die Mehrheit der Muslime ist nicht für Auftritte in der Öffentlichkeit zu gewinnen, wenn es um Religion geht. Wohl aber können die türkischen Nationalisten über die Religionsverbände Ditib und Islamische Föderation die Menschen zu Jubelveranstaltungen für Erdogan mobilisieren.

Am vergangenen Samstag wurden in Köln 10.000 Teilnehmer für den Protestmarsch gegen islamistischen Terror und Gewalt unter dem Motto: "Nicht mit uns" erwartet. Gekommen sind zwischen 1.000 und 3.000 Teilnehmer. Die Zahlenangaben variieren in den verschiedenen Medienberichten.

Aufgerufen hatten der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die Türkische Gemeinde. Christliche Gruppen und deutsche Parteien unterstützten die Demonstration. Der Aufruf wurde von Politikern der CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP, sowie der TV-Moderatorin Nazan Eckes unterzeichnet. In dem Aufruf heißt es: "Die Anschläge von Menschen, die sich zur Rechtfertigung ungefragt auf den Islam berufen, häufen sich … Es ist unser Glaube, der hier missbraucht wird, der hier beschmutzt, beleidigt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird."

Die Türkisch-Islamische Union Ditib lehnte die Teilnahme unter anderem mit der Begründung ab, es sei fastenden Muslimen nicht zumutbar, stundenlang bei 25 Grad zu marschieren. Da stellt sich doch die Frage, ob es zumutbar für fastende Muslime ist, acht Stunden und mehr am Tag zu arbeiten, wenn zwei Stunden Gehen nicht zumutbar sind.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, kritisierte Ditib: Damit stelle sich der Verband noch weiter ins Abseits und verspiele seine Glaubwürdigkeit. Die Absage von Ditib ist eine logische Konsequenz aus der Verbundenheit mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara. Mitgliedern von Ditib wird vorgeworfen, türkische Bürger als potentielle Gülen-Anhänger ausspioniert zu haben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen der Spionagevorwürfe gegen Ditib.

Erdogan unerwünscht

In Deutschland reagiert die Zivilgesellschaft konsequenter als die Bundesregierung auf die totalitäre Haltung der türkischen Regierung. Mehrere angefragte Locations für Großveranstaltungen in NRW lehnten eine Großveranstaltung mit Erdogan ab. Der türkische Präsident wollte im Rahmen seiner Teilnahme am G-20-Gipfel an verschiedenen Orten in Deutschland vor mehr als 10.000 Anhängern reden.

Aber bei allen angefragten Hallen blitzte er ab: Die Düsseldorfer Arena steht wegen Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung, ebenso wenig die Dortmunder Westfalenhalle und die König Pilsener-Arena in Oberhausen. (Elke Dangeleit)