Dezentrales Archiv Privatkopie

ProSieben zeigt ab Samstag neue Folgen des britischen Science-Fiction-Klassikers Dr. Who

Die Serie, für die unter anderem Douglas Adams einige Drehbücher schrieb, prägte die Populärkultur weit über ihr eigenes Fernsehdasein hinaus: Mittlerweile gibt es unter anderem Spielfilme, Brettspiele, Rollenspiele, Computerspiele, Actionfiguren und Bücher dazu. Die KLF (alias Timelords) brachten ihre Fassung der Titelmelodie 1988 in die Hitparaden und 1999 schaffte es ein Dalek, die zentrale Bösewichtsfigur aus der Serie, sogar auf eine britische Briefmarke. Im letzten Jahr schrieb die Londoner Times, sogar, Dr. Who sei "quintessential to being British."

Die ersten 738 Episoden der Produktion liefen von 1963 bis 1989 auf BBC1. Seit 2005 werden wieder neue Folgen produziert, die ab Samstag 17 Uhr auch im deutschen Fernsehen zu sehen sein sollen.



Zentrales Element der Serie sind Reisen durch Zeit und Raum. Ermöglicht werden diese durch die Tardis, ein Akronym für "Time And Relative Dimension(s) In Space". Die Tardis ist sowohl Raumschiff als auch Zeitmaschine. Aufgrund eines Defekts im Tarnmechanismus sieht sie für die Außenwelt meistens aus wie eine alte englische Notrufzelle. Mittlerweile hat sich "Tardis" als Bezeichnung für diese Häuschen eingebürgert. Ein Versuch der britischen Metropolitan Police, Form und Farbe der Tardis als ihr "Geistiges Eigentum" zu beanspruchen, scheiterte vor einigen Jahren.

Zentrale Figur der Serie ist der "Doktor", welcher die Tardis steuert. Er ist ein Wissenschaftler vom Planeten Gallifrey. Der durch die lange Laufzeit bedingte Wechsel der Darsteller wurde in die Serie integriert: Als einer der Time Lords, einer technologisch hoch entwickelten Rasse, hat der Doktor die Fähigkeit, seinen Körper zu regenerieren, wenn er dem Tode nahe ist. Christopher Eccleston, der in der am Samstag gezeigten Folge die Hauptrolle spielt, ist schon der neunte Doktor. In den aktuell in England gezeigten Episoden gibt es mittlerweile bereits einen zehnten, gespielt von David Tennant.

Weil die Serie nicht nur unterhalten, sondern auch bilden sollte, wurden dem Doktor bei seinen Abenteuern in Raum und Zeit Lehrer beziehungsweise Lehrerinnen für Naturwissenschaften und Geschichte beigesellt. Im Laufe der Jahre rückte diese Intention aber mehr und mehr in den Hintergrund. Trotzdem wird der Doktor bei seinen Abenteuern immer noch von Frauen begleitet, mit denen sich allerdings nichts amouröses abspielt. Die jetzt auf ProSieben gezeigten Folgen spielen mit diesem Tabu, in dem sie andere Personen vermuten lassen, dass der Doktor und seine Begleiterin Rose ein Verhältnis hätten, was diese stets entschieden von sich weisen.

Immer wiederkehrende Bösewichte sind die unter anderem die Daleks und die Cybermen. Vor allem die Daleks, die aussehen wie große Salzstreuer, wurden durch ihr Design, ihren idealtypisch-nüchternen Darwinismus (sie wollen alle anderen ausrotten) und ihre elektronisch-knarrenden Ausrufe "Exterminate!" und "Obey!" fast noch mehr zu Ikonen der Popkultur als die Tardis. Die Cybermen entstanden aus Menschen, die sich durch immer mehr technische Erweiterungen in andere Wesen verwandeln. Inwieweit noch humane Überreste in ihnen existieren, ist unklar, und wird in mehreren Folgen thematisiert. In mancherlei Hinsicht sind sie eine Art Vorläufer der Borg aus Star Trek.

Dr. Who ist auch ein Beispiel dafür, wie dezentrale Archivierung durch Privatkopien Kulturgüter rettet. Zwischen 1967 und 1978 ging ein großer Teil des Materials verloren. Bei weitem nicht alle der fehlenden Episoden ließen sich später aus den Archiven anderer Länder wiederherstellen. Die BBC griff deshalb auch auf alte private Betamax-Videobänder, Super-8-Aufnahmen vom Fernsehschirm und sogar Audiokassetten zurück, um die Löcher im Archiv zu stopfen. Als ausgesprochen erfolgreich erwies sich dabei eine Verbindung von Fans, das so genannte "Restoration Team". Viele der später auf DVD veröffentlichten Folgen gehen auf die Arbeit dieser Freiwilligen zurück.

Beim deutschen Fernsehen ist man da noch lange nicht so weit: So leugnet etwa das gebührenfinanzierte ZDF trotz Vorlage von Beweismaterial aus alten Fernsehzeitschriften weiterhin beständig, dass die in den frühen 1970ern entstandene Science-Fiction-Serie Alpha Alpha jemals auf dem Sender lief. Anfragen nach Kopien laufen so ins Leere. Stattdessen wurden zur Einsparung von Lagerkosten massenhaft Archivbestände vernichtet und Foren abgemahnt, in denen Fans VHS- und DVD-Kopien von nicht mehr ausgestrahlten Fernsehserien per Postversand tauschten.

Bild: ProSieben

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