"Dich soll der Foto-Blitz beim Sch... treffen"

"Spülen nicht vergessen": Deutschland von hintern

Platz für Kunst ist in der kleinsten Hütte: Eine Diplomarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf spielt in Toilettenkabinen und wurde dafür vom "Art Director's Club Deutschland" ausgezeichnet

Klomusik ist glücklicherweise nicht allzu häufig zu finden, Kloliteratur gibt es dagegen jede Menge: Von etlichen Werken mit Toilettensprüchen, die sich gerade in gutbürgerlichen Haushalten gerne finden, wo es sich nicht gehört, diese Sprüche einfach selbst auf die Kacheln zu schreiben, über Standards wie Mickymaus und Playboy bis zur liegengelassenen Bildzeitung, die notfalls auch noch die übliche Rollenware ersetzen kann, sofern man bereit ist, sich ein schlagzeilen-blutrotes Hinterteil zu holen, ist in deutschen Klos alles vertreten für Leute, die zu längeren Sitzungen neigen oder sonst nirgends in Ruhe lesen können.

Doch wie Stefan Schabenberger und Lars Lindigkeit feststellen durften, werden auch öffentliche Toiletten nicht nur auf die eigentlich naheliegende Weise genutzt - man kann sich dort auch kämmen, in der Nase bohren, Zähne putzen, Kaugummi kauen, Bier trinken, Pizza essen, Geld zählen, telefonieren, koksen, knutschen, Musik hören oder mit dem Notebook seiner Notdurft nachgehen. Und natürlich Zeitung lesen - besonders, wenn man selbst Zeitungsausträger ist und beim Vorkosten der Ware nicht gesehen werden will.

Nicht zu glauben? Aber fotografisch belegt. Klofotos sind im Internet ja nichts Neues und auch in Damenklos versteckte Webcams soll es des Öfteren geben. Die beiden Diplomanden hatten jedoch nichts Besseres zu tun, als 300 mal eine Kamera über die Türen von Toilettenkabinen zu halten, abzudrücken, dann schnell abzuhauen und ihre Foto-Beute später als Buch herauszubringen. Ein etwas höheres Niveau von knapp 3.000 Metern über Normal-Null-Null erreichen sie dabei lediglich bei der Fahrt mit der Zugspitzseilbahn, bei der sie sich fast in die Hosen machten, um Schifahrer auf Deutschlands höchstgelegenstem Klo abzulichten: Der einzige Fluchtweg ging hier steil bergab.

Besonders appetitlich fiel das Ergebnis naturgemäß nicht aus. Dank des stark alkoholisierten Zustands einiger Fotoopfer ist mehr als einmal eine verkotzte Toilette zu sehen und nicht jedes Schwein steckt dabei in einem rosa Fellkostüm. Auch der Sprachwitz des Buches ist eher von der derberen Sorte, was die beiden Nachwuchsautoren aber wett machten, als sie ihrem ohne Zweifel größten Konkurrenten am Buchmarkt Dieter Bohlen in "Wetten dass" Kontra gaben.

Den größten potentiellen Kaufanreiz haben Lars und Stefan übrigens vermieden und die mögliche Verhaftung lieber gegen ein paar blaue Veilchen getauscht: Es wurde nur auf Männerklos geknipst. Doch die Leser stürzt das Buch in eine Sinnkrise: Wird man jetzt nicht mal mehr am stillen Örtchen von Paparazzi verschont? Und was muss man in Zukunft anstellen, um das noch zu toppen und sein Diplom zu kriegen? Fragen Sie doch den Foto- oder Webcam-Verkäufer Ihres Vertrauens!

Stefan Schabenberger, Lars Lindigkeit: Spülen nicht vergessen!, 136 Seiten, ca. 90 Farbfotos, 19,90 Euro, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin (Wolf-Dieter Roth)

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