Die Abhängigkeit der westlichen Verbündeten von einem Alleinherrscher

Nachdem Pakistan seine Macht mit dem Stopp des Nachschubs für Afghanistan demonstriert, werden die nördlichen Ausweichrouten wichtiger und damit auch das Verhältnis zu Herrschern wie Islam Karimow

Der amerikansche Nachschub via Pakistan sei nicht aufgehoben, sondern "für alle Mal gestoppt", erklärte der pakistanische Innenminister Rehman Malik. Der Streit zwischen den USA und Pakistan hat sich in den letzten Tagen weiter verschärft, der Stopp der Lastwagenkonvois trifft die USA an einer empfindlichen Stelle - auch wenn von amerikanischer Seite betont wird, dass man in Afghanistan noch genügend Vorräte habe und zudem Ausweichrouten zur Verfügung stünden. Die Ausweichrouten sind teuer und die dazu benötigten Partner nicht unbedingt verlässlicher.

Es ist nicht der erste Streit und nicht das erste Mal, dass Pakistan den Nachschub blockiert, weswegen die USA schon seit längerem damit begonnen haben, die Versorgung der Truppen in Afghanistan auf andere Wege zu verlagern. Doch tauschen die USA damit die Abhängigkeit von einem schwierigen Partner mit anderen Abhängigkeiten. Die Ausweichrouten, die Afghanistan vom Nordern her erreichen, verlaufen über Länder in Zentralasien mit eigenwilligen Herrschaftssystemen. So ist bei zwei von drei Routen Usbekistan Grenzstation - nur die dritte Nachschubroute des Northern Distribution Network hat Tadschikistan als Brücke zu Afghanistan.

Der usbekische Staatschef Islam Karimow regiert das Land seit mehr als zwei Jahrzehnten, auf eine Art, die für Menschenrechte nicht viel übrig hat (siehe Eine der schlimmsten Diktaturen der Welt). So ist die Geschäftsbeziehung zwischen den USA und Usbekistan heikel und teuer Mehr als hundert Millionen Dollar an Steuergeldern läßt sich das Pentagon allein die Imageaufbesserung des usbekischen Alleinherrschers kosten (siehe Propagandastan).

Laut Angabender Isaf und des US Transportation Command werden bereits 40 Prozent des US-Nachschubs und 52 Prozent des Gesamtnachschubs der internationalen Truppen in Afghanistan über das Northern Distribution Network geliefert. Darauf soll künftig mehr gesetzt werden, wurde im Juli beschlossen. Über Pakistan soll künftig nur mehr ein Viertel der Grundversorgung geliefert werden. Bislang wurde ein Drittel der Nato-Versorgung eingeflogen, ein Drittel kam über die beiden Routen in Pakistan und ein weiteres Drittel über die nördliche Route.

2009 waren es noch 90 Prozent der US-Versorgung und 60 Prozent der Nato-Versorgung, die via Pakistan nach Afghanistan geliefert wurde. Die Umstellung auf nördliche Ausweichrouten wurde nicht allein von Liefer-Stopp-Aktionen der pakistanischen Regierung ausgelöst, sondern auch durch zahlreiche Angriffe auf Nachschubkonvois. Seit Januar sollen allein 109 Nato-Konvois von bewaffneten Gruppen, "Taliban militants" überfallen worden sein.

Allerdings kommt der Transport über die nördlichen Ausweichrouten doppelt so teuer, heißt es.

In 2011, the average cost of all Northern Distribution Network truck and rail routes between April and September was $12,367 per 20-foot container unit, or TEU, according to U.S. Transportation Command. The cost was $14,410 per TEU for northern distribution routes that included ocean commercial transport. Meanwhile, the cost was about $6,700 per TEU on the Pakistan route, TRANSCOM reported.

Zudem dürfen auf den Wegen durch die zentralasiatischen Länder nur Nahrung, Güter und Baumaterial transportiert werden, keine Waffen. Die beiden Versorgungswege in Pakistan waren kürzer, billiger und die Hauptversorgungsader für den Nachschub von schwererem Gerät. Die Umstellung dürfte die USA und die Nato nicht nur wegen der schlechten Straßen in Tadschikistan vor einige Hindernisse stellen. (Thomas Pany)